Romanzo Criminale - Staffel I

Romanzo Criminale - Staffel I Hot

Nico Steckelberg   19. August 2012  
Romanzo Criminale - Staffel I

Rückentext

Rom, 1977: Während verschiedene Verbrecher-Organisationen weite Teile Italiens beherrschen, agieren in der Hauptstadt mehrere kleinere Banden. Eine davon gehört Pietro, genannt „Der Libanese“. Der Kleinganove hat hochfliegende Träume: Zusammen mit seinen Männern will er ganz Rom kontrollieren. Mit dem Gewinn aus einem Diebstahl beschafft er sich erste Waffen und beginnt seinen Plan mit Entführung, Intrigen und geheimen Verhandlungen in die Tat umzusetzen.

Die Mafia, der Charme der 70er, Gewalt und Korruption vor der Kulisse der italienischen Hauptstadt Rom. "Romanzo Criminale" rekapituliert den Aufstieg und Fall einer römischen Verbrecherbande namens „Banda Della Magliana“. Die Gang existierte tatsächlich und war vor allem zwischen 1977 und 1983 aktiv. Sie zeichnete verantwortlich für zahlreiche Banküberfälle, Überfälle auf Geldtransporter, Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel und Prostitution, später auch Entführungen, Bomben-
anschläge. Operationsgebiet war zunächst Rom, dann das gesamte italienische Territorium. Aus den Anfängen einer Bande von Kleinkriminellen entwickelte sich mit der Zeit eine der einflussreichsten und gefährlichsten Gruppierungen Organisierter Kriminalität Italiens, mit Querverbindungen zur Mafia, zur Camorra, aber auch zum italienischen Geheimdienst und diversen Geheimlogen.

Den Sprung von Kleinkriminellen zu Gangstern großen Kalibers leistete die „Banda“ mit der Entführung eines Grafen Ende der 70er-Jahre - gleichzeitig auch der Beginn einer Reihe lukrativer Entführungsfälle für die Verbrecher-
bande. Anfang der 80er-Jahre war die „Banda“ auch in politisch motivierten, kriminellen Taten verwickelt und erhielt damit eine neue Dimension. Zu den spektaku-
lärsten Aktionen gehörte die versuchte Erpressung der Bank des Vatikans.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
10,0
Darsteller 
 
9,0
Soundtrack 
 
9,0
Aufmachung/Extras 
 
6,0
Gesamtwertung 
 
8,4

Bereits 2006 gab es einen italienischen Kinofilm mit demselben Titel: Romanzo Criminale. Nun erscheint die Fernsehserie von Stefano Sollima nach der literarischen Vorlage des Staatsanwalts Giancarlo De Cataldo auf DVD. Natürlich in deutscher Synchronisation.

Hätten Guy Ritchie und Quentin Tarantino ihre Gangster-Filme bereits in den 70ern in Italien gedreht: Exakt so würden sie aussehen! Die Serie ist die Geschichte einer Gang, die sich – angefangen mit kleinen Gaunereien – nach und nach Rom zu eigen macht. Ich kann nicht anders, also den Aufbau der Serie mit dem Aufbau der Kult-Spielereihe „Grand Theft Auto“ zu vergleichen. Von Folge zu Folge gibt es neue, schwierigere Missionen. Bündnisse werden geschlossen, Rache geübt, klargestellt, wer hier der Boss ist. Und das Ganze ohne einen Hauch von Humor.

Die Ernsthaftigkeit, mit der hier gespielt wird, ist überragend. Sie erdet den Zuschauer. Hier pflastern zwar die Leichen nicht den Weg, wie vielleicht in anderen Serien. Aber es gibt Tote. Und es gibt auch brutale Morde durch die Protagonisten der Serie, mit denen man sympathisieren könnte, es moralisch aber um keinen Preis möchte.

Die Serie wird mit vielen Steadicam-Shots gedreht worden. Man fühlt sich als Zuschauer mitten im Geschehen. Die Grobkörnigkeit des Filmmaterials unterstreicht den Charme der 70er, der sich wie ein roter Faden durch die Ausstattung, die Musik, die Garderobe und Haartracht der Schauspieler zieht. Die Synchronisation ist mit erstaunlich frischen und nicht allzu weit verbreiteten Stimmen umgesetzt worden. Das unterstütz im Deutschen den Eindruck, es könne sich tatsächlich um eine „alte“ Serie handeln (was natürlich nicht der Fall ist).

Ich kann nicht genau sagen, was den Charme dieser Serie ausmacht, aber mich hat sie hypnotisch in ihren Bann gezogen. Man möchte einfach mehr haben. Das liegt vermutlich auch an der guten Entwicklung der Charaktere. Es geht eben nicht nur um den Erfolg der Bande, sondern auch um die Beziehung der Figuren untereinander und die charakterliche Entwicklung. Auch die Schauspieler sind großartig und sehr authentisch. Besonders gut gefallen haben mir Marco Giallini in seiner Rolle als Gangsterboss „Il Terribile“ sowie Vinicio Marchioni als Freddo.

Fazit: "Romanzo Criminale" sollte man gesehen haben. Und ja, das ist ein Angebot, das Sie nicht ausschlagen können.

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