Titanic - Das endgültige Titel-Buch: 40 Jahre nur verarscht!

Titanic - Das endgültige Titel-Buch: 40 Jahre nur verarscht!

Nico Steckelberg   10. Oktober 2019  
Titanic - Das endgültige Titel-Buch: 40 Jahre nur verarscht!

Buch-Tipp

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Anzahl Seiten
416
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Rückentext

40 Jahre Titanic sind 480 durch feinen Humor geadelte Titel, 444000 herzliche Briefe an die Leser, 4000 komische Kunstwerke, 4 Millionen grenzwertige Witze und Karikaturen, 40000 irre Foto­collagen (Schätzwerte); kurz: 40 Jahre deutsche Geschichte, wie sie hätte sein sollen.

Was wäre die Wiedervereinigung ohne Zonen-Gaby? Wetten, dass ohne den Buntstiftlutscher? Die SPD ohne die Roten Strolche? Helmut Kohl ohne Birne? Die FDP ohne Genschman? Und was wäre Deutschland ohne die Titanic?
Das sind die brennenden Fragen, die sich bei einem 40. Geburtstag einfach stellen. Dieses Buch beantwortet sie. Endgültig und opulent in Schrift und Bild, wie es seit 40 Jahren in der Titanic Tradition ist. Erstmals und exklusiv werden alle Titel der letzten 40 Jahre aufwendig restauriert abgebildet. 480 Titel, denen nichts heilig ist: ob gewählte Diktatoren oder dauerregierende Demokraten, ob Politiker, Priester oder Promis, ob Hitler, Kohl, Die roten Strolche von der SPD, Merkel oder der Pinkelpapst, nicht mal Jesus, Buddha, Krishna oder der vom Islam, ja nicht mal Helmut Schmidt und erst recht nicht Deutschland. Stets nach dem Motto: »Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.« (Chlodwig Poth) 

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
8,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
9,0

40 ist das neue 20. Und so fällt die Feier zum 40. Jubiläum des Satire-Magazins Titanic enorm frisch und rotzfrech wie eh und je aus. 

„40 Jahre nur verarscht“ – so der Untertitel des „endgültigen Titel-Buchs“. Doch das ist reines Understatement. Denn die Titanic hat es schon immer verstanden hochgradig zu provozieren. Und da wurde niemand geschont, weder Politiker, Prominente, Bevölkerungsgruppen, Berufsstände, Fernsehsendungen und auch die Geschlechterstereotype haben ihr Fett wegbekommen. Die größten Coups kamen dabei oft aus dem Verborgenen und versteckten sich zwischen der einen oder anderen profanen Albernheit. 

Erinnern Sie sich beispielsweise noch an den „Wetten, dass…?“-Hoax, bei dem der damalige Titanic-Chef-Redakteur Bernd Fritz den Moderator Thomas Gottschalk vor laufender Kamera darüber aufklärte, dass er ein Scharlatan sei und den Sender bei seiner Wette einfach nur ausgetrickst hatte?
Oder die durch die Titanic ausgelöste „Erbschaftsaffäre“ des damaligen baden-württembergischen Wirtschaftsministers Walter Döring?
Das Magazin griff hart in den politischen und popkulturellen Alltag ein und mischte ordentlich auf. Hielt Amtsinhabern und auch den Bürgern einen Spiegel vor, um sich dann im nächsten Moment wieder selbst zu verulken.
Dass aus der Titanic die Partei „Die Partei“ erwuchs, die es auf nationaler und europäischer Ebene in Regierungsgremien gewählt wurde, muss hierbei vermutlich nicht extra erwähnt werden.

Man muss das Blatt ernst nehmen, auch wenn es manchmal wehtut und die Grenzen zum guten Geschmack mehr als einmal überschritten wurden. Das wird wunderbar deutlich an den Titelbildern, die sich in den vergangenen 40 Jahren angesammelt haben. Sie alle sind in dem vorliegenden Jubiläumsbuch enthalten, das im Kunstmann Verlag erschienen ist.

Und hier ein kleiner Auszug der „Ungeheuerlichkeiten“: 1980 zierte eine Zeichnung des Papstes das Titelblatt, wie er mit einem Schaf kopuliert, 1987 eine Zeichnung des Papstes, wie er erneut mit einem Schaf kopuliert, 2011 dann eine Zeichnung des neuen Papstes, wie er mit einem anderen Schaf kopuliert und ein Jahr später hat die Titanic „die undichte Stelle im Vatikan gefunden“ und zeigt Papst Benedikt mit vermeintlich eingenässter Soutane. Darf Satire das? Tucholsky sagte: „Satire darf alles!“, das Landgericht Hamburg war sich da nicht ganz so sicher und erteilte auf Klage des Heiligen Stuhls eine einstweilige Verfügung. Am Ende zog der Vatikan die Klage zurück, und die Satire gewann. Guter Geschmack hin oder her.
In vielen Fällen tat der Titanic-Humor weh. Wenn der Selbstmord des Politikers Barschel verhöhnt wurde oder die Suche nach dem vermissten Mädchen Maddie plakativ in eine Art Discounter-Werbung umgewandelt wurde. 

Man darf nicht zimperlich sein als Titanic-Leser. Man sollte auch nicht zimperlich sein als Mensch, der sich für die Mechanismen der Weltwirtschaft, für die Schäden des Lobbyismus, für Alltagsrassismus und -sexismus, die Sache mit der falschen Moral, den Machtmissbrauch der Mächtigen und dem ganzen rechtspopulistischen Herumposaune unserer Zeit auch nur ansatzweise interessiert. 

Die Titelbilder der Titanic sind und waren schon immer ein Indikator für die Themen, die das Land und seine Leute bewegten. Und sie legen oft den Finger in Wunden, die wir gern unter einem schönen, großen Micky Maus-Pflaster verbergen würden.

Aufgelockert wird der Wälzer durch Anekdoten, Hintergrundgeschichten und Inside-Berichten der ehemaligen und aktuellen Redaktion, Zeichner und Autoren. Damit hat man lange Spaß. Optimale Klo-Lektüre. Prosit 40!
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