Hold Our Fire

Hold Our Fire

Alina Jensch   08. November 2019  
Hold Our Fire

Musik

Interpret/Band
Label
Veröffentlichungs- Datum
15. November 2019
Format
  • CD
  • Download
  • Vinyl
Anzahl Medien
0
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
8,0

Nur wenige Bands veröffentlichen mit einer solchen Regelmäßigkeit und Beständigkeit wie THE PINEAPPLE THIEF. Die englischen Prog Rocker blicken bereits auf 12 Studioalben zurück und bringen nun, zu ihrem 20. Bandjubiläum, ihre mittlerweile siebte Liveaufnahme heraus.

„Hold Our Fire“ wurde auf ihrer erfolgreichen Headliner-Tour im September vergangenen Jahres aufgenommen und stellt im Prinzip eine Liveversion ihres letztes Albums „Dissolution“ dar, denn bis auf „Pillar Of Salt“ sind alle Songs vertreten. Als sozusagen Ersatz, und neunter Song der Platte, wurde „3000 Days“ vom 2010er Album „Someone Here Is Missing“ gewählt.
Dies sind wohlgemerkt nicht die einzigen Songs die auf besagter Tour gespielt wurden, und so stellt sich ein wenig die Frage, aus welchem Grund man (fast) nur die Stücke des noch heißen Albums herausgepickt hat. Zweifelsohne ist „Dissolution“ das bis dato erfolgreichste Album der Briten, bringt sie in den kommenden Wochen gar erstmals auf große Nordamerika-Tour. THE PINEAPPLE THIEF haben aktuell einen wirklich guten Lauf – vermutlich auch dank ihres populären Neuzugangs Gavin Harrison, der dem eigentlichen Star der Band, Bruce Soord, zumindest im öffentlichen Diskurs zuweilen die Show stiehlt. Gut und gerne könnte und sollte man sich vielleicht einmal darüber unterhalten, warum es erst eines glamourösen Namens im Line-up bedurfte, damit diese herausragende und talentierte Band überhaupt den Sprung auf eine größere Bühne geschafft hat. Ist die Progszene am Ende womöglich doch oberflächlicher als sie es selbst gern wahrhaben möchte? Wie dem auch sei, hier heiligt der Zweck wohl die Mittel und ob die Songauswahl getroffen wurde um den neuen „Dissolution“-Fans gerecht zu werden oder nicht:

THE PINEAPPLE THIEF sind einfach eine grandiose Liveband! Die Atmosphäre vor Ort ist stets etwas Besonderes und man verlässt die Konzerte mit dem Gefühl einen schönen Abend mit guten Freunden verbracht zu haben. Das nur als Audio festzuhalten ist natürlich schwer, „Hold Our Fire“ bekommt das aber im Rahmen des Möglichen sehr gut hin. Live klingen und wirken einige Songs etwas anders, roher, vielleicht weniger atmosphärisch aber dafür emotionaler. Das spürt man direkt bei den ersten beiden Songs der Scheibe, „Try As I Might“ und „Threatening War“, die gerade vom Gesang her eindringlicher und weniger poliert rüberkommen. Davon profitiert besonders „All That You've Got“, das in dieser Aufnahme durch das Kratzige in Bruce Soords Stimme eine ganz neue Dimension von Emotionalität erreicht und von dem leicht mysteriösen, melancholischen Gefühl der Studioversion abrückt hin zu Verbitterung und Wut, was mit dem Songtext perfekt Hand in Hand geht.
Ein weiteres Highlight ist das leider auch im Original schon kurze „Not Naming Any Names“, welches in dieser Liveaufnahme zwar weniger zerbrechlich, aber kein Stück weniger ergreifend klingt. Das Album schafft es, den Funken auch auf dem heimischen Sofa überspringen zu lassen.

An Aufnahme- und Produktionsqualität ist wie zu erwarten nichts auszusetzen. Wer THE PINEAPPLE THIEF kennt, weiß, dass die Band mit Steve Kitch und Bruce Soord gleich zwei gefragte Tonmagier an Bord hat. Ansagen und Applaus sind auf „Hold Our Fire“ zu hören, allerdings stets kurz gehalten, sodass man beim Hören des Albums nicht so leicht aus dem Flow gerissen wird.
Bleibt die Frage, wer mit diesem Livealbum angesprochen werden soll. Wer die Tour selbst besucht hat, wird sich über dieses Erinnerungsstück sicher freuen – vermisst aber eventuell ältere Songs. Langjährigen Fans der Band dürfte es ähnlich gehen. Aber wer „Dissolution“ als Heiligen Gral für sich entdeckt hat, sollte sich diese Liveversionen unbedingt gönnen um die ein oder andere neue Perspektive zu erleben!

Alle anderen dürfen sich derweil die Hände reiben, denn das nächste THE PINEAPPLE THIEF Studioalbum ist schon für nächstes Jahr angesetzt. Darauf einen Ananassaft! Prost!


P.S. Wer es bisher verpasst hat: Mastermind Bruce hat erst vor wenigen Wochen sein zweites Soloalbum „All This Will Be Yours“ veröffentlicht. 
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