Worldmusic for Christmas

Worldmusic for Christmas Hot

Ecke Buck   10. Dezember 2017  
Worldmusic for Christmas

Musik

Interpret/Band
Label
Format
CD
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
3,0

Vieles haben wir zu Weihnachten schon erlebt, das beinahe fantastisch anmutet. Von gebärenden Jungfrauen über fliegende Rentiere mit roten Nasen bis hin zu guten Geistern, die böse alte Männer bekehren, war ja schon alles mit dabei. Vor diesem erstrahlenden Lichte der Besinnlichkeit wirkt „Worldmusic for Christmas“ eher wie ein X-Mas-Shopping-Erlebnis am 23.12. um 16:59 Uhr ohne jegliche Geschenkidee. Denn beim mega-freshen Weihnachtsalbum der mega-alten Musik-Marke Boney M. bleibt die Fantasie mehr oder weniger auf der Strecke und alles wirkt – im übertragenen Sinne – wie das Krawattengeschenk des Vorjahres oder bestenfalls der einfallslose Karstatt-Gutschein. 

Das Erfolgsrezept: Man nehme einen in die Jahre gekommenen Disco-Act, der irgendwann in der Vergangenheit mal für einen Skandal gut war, lasse unter seinem Namensschild die beliebtesten Weihnachtslieder diesseits des Äquators von autogetuneten, bassverliebten Herrenstimmen und einem ** „voll die Gänsehaut!“ ** Gospel-Chor singen, füge in der Produktion noch ein paar fesche Disco-Beats der Mittneunziger hinzu. Seien wir mal ehrlich, dazu braucht es weder viele neue Ideen noch Sallys Weihnachtsbäckerei-YouTube-Videos, da reicht einfach eine Analyse dessen, was schon vor 30 Jahren funktioniert hat. Die Leute kaufen das schon. Steht ja Boney M. drauf. Das waren doch die mit dem Tänzer, der gar nicht gesungen hat!? Ja, richtig! Der hat ja immer toll gesungen. Exakt. Und genau das setzt Frank Farian hier noch einmal um. 

Dass der Disco-Reggae-Beat von früher keinen unter 70 mehr vom Hocker haut, ist so sicher wie das Amen in der Weihnachtskapelle. Aber wollen wir fair bleiben, selbst ein gepflegter Dubstep hätte hier keine Myrrhe mehr aus der Krippe gezaubert. Der Weihnachtsexpress ist schon vor langem abgefahren für Musikproduktionen, die immer nur wieder denselben Einheitsbrei wiederholen. Jahrzehnt für Jahrzehnt. 

Bleibt die Frage, welche Berechtigung ein Act wie Boney M. im Jahr 2017 noch hat, außer noch mal die alten Fans zur Kasse zu bitten. Ein neues Publikum erarbeitet sich Farian mit diesem Album keineswegs. Wie auch, ohne Ideen. 

Ein Tipp noch zum Schluss: „Echte“ Worldmusic hört man sich besser vom Kölner Label Westpark Music an. 
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