Nackt E.P.

Nackt E.P. Hot

Nico Steckelberg   25. März 2015  
Nackt E.P.

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
9,0

Völlig egal, welcher Musikstil – sobald ein Künstler seine persönlichen Emotionen in seiner Musik verarbeitet, merkt man das. MisterME aus Berlin fällt nicht nur äußerlich auf. Durch eine Erkrankung hat er keine Haare mehr, wirkt nackt. Diesen Titel trägt auch seine neue E.P. Musikalisch irgendwo zwischen Singer Songwriter, Hip Hop und Acoustic Pop angesiedelt.

Mit gerade mal 2.379 Facebook-Likes (nein, jetzt sind es 2.380 - ich „like“ das nämlich jetzt auch) scheint MisterME fast so etwas wie ein Berliner Phänomen zu sein. Aber: Jede Melodie, jede gerappte Zeile, alles an diesem kleinen Meisterwerk schreien nach „Geheimtipp vor der Schwelle zum Mega-Durchbruch“. Denn wo gewisse Revolverhelden rosa-akustische Nostalgie-Zuckerbomben im Akkord produzieren, wirken MisterMEs Emotionen echt. Ein Satz wie „Für dich fehlen mir die Metaphern, die es noch nicht gibt“ sei nur ein kleines verbales Beispiel für die Bilder über das Leben, die vorm inneren Auge des Hörers entstehen.

Die E.P. kommt mit viel Drive daher und regt mit einer überragenden Redegewandtheit den Kopf an. Mal beschwingt fröhlich, aber auch ohne Angst vor magischer Melancholie. Und dazu noch richtig geil produziert.

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