If Only There Was a River

If Only There Was a River Hot

Sören Wolf   02. November 2018  
If Only There Was a River

Musik

Interpret/Band
Unter-Genre
Veröffentlichungs- Datum
12. Oktober 2018
Format
  • CD
  • Vinyl
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
8,0

Wenn die ersten Klänge des zweiten Songs „Understand“ des Debütalbums von Anna St. Louis einsetzen, ein schleppender Beat, eine verweht angeschlagene Akustikgitarre, ein hölzerner Bass, so ist man bald verliebt. Nicht sofort, aber spätestens nach 9 Sekunden wenn die Stimme von Anna St. Louis einsetzt. Noch verliebter, wenn man das Video auf YouTube zu dem Song sieht. Wie sie da im Blumenladen steht, ihre Gitarre anschlägt und wie im Schwebezustand in die Kamera blickt. Mit ihren Sommersprossen und den langen rotbraunen Haaren zu einem Zopf gebunden. Vorne zwei perfekt fallende Lockenwellen die ihr Gesicht umwehen. Mal steht Sie in einem schwarzen Blumenkleid im Laden, mal sitzt Sie wie auf einem flämischen Gemälde auf einem weißen Stuhl im Seitenprofil. Ganz elegant und elegisch. Dann verlässt Sie den Blumenladen, lädt ein paar Blumen auf die Rückbank ihres Autos und fährt einen Highway hinunter im Licht der untergehenden Sonne. Der Wagen steht dann am Straßenrand und sie geht ein wenig die Straße hinunter, spielt Gitarre, trägt schreitenden Schrittes die Blumen, um diese schließlich gegen Ende des Videos im hohen Bogen in die Luft zu werfen. Und ja; wenn man jetzt nichts versteht, dann wird man niemals etwas verstehen. Aber dass muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.

Ausgemacht war schnell, dass King Tuff, alias Kyle Thomas das Debütalbum produzieren wird und auch ein paar Instrumente einspielt, genau so wie Kevin Morby der wie Anna St. Louis ebenfalls in Kansas City aufgewachsen ist und in Los Angeles lebt. Die Musikszene in Los Angeles ist vielleicht kleiner als man denkt, vor allen, wenn man aus der gleiche Gegend ins Exil gezogen ist.

Längst nicht jeder Song ist mit Bandbegleitung. Oft führt uns Anna mit ihrem Gitarrenspiel, den zerlegten Akkorden und ihrer Stimme durch eine verträumte Welt der Betrachtung. Die Bilder entfalten sich ganz langsam vor dem geistigen Auge. Was sieht man? Eine längst vergessene Zeit im mittleren Weste der USA, die Geige umschmeichelt den Rhythmus und fordert zu einem leichten Tanz auf (Hello). Das Album ist sicherlich keines was man nebenbei hören kann. Es erfordert die ganze Aufmerksamkeit, dann wird man damit belohnt, dass es einen nach und nach in seinen Bann zieht. Vielleicht gibt es zu dem Vinyl deshalb auch nicht den standardmäßigen Downloadcode. Dennoch gibt es sicherlich noch Dinge die musikalisch zu verbessern sind, aber bleiben wir doch einstweilen einfach mal zufrieden und lauschen andächtig „If Only there Was a River“.

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