Sein und Haben Hot

Nico Steckelberg   14. Oktober 2011  
Sein und Haben

Rückentext

Auf die Wiener Bodencreditanstalt wird ein Überfall verübt. Die Gendarmerie greift ein - einer der Bankräuber wird erschossen, ein weiterer wird festgenommen, die übrigen fliehen mit der Beute. Sigmund wird von Karl in die Befragung des Gefassten eingeschaltet - der geistig verstörte Mann ist die einzige Möglichkeit, an die übrigen Räuber und die Beute zu kommen.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
10,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,2

Ein bewaffneter Überfall auf die Bodencreditanstalt in Wien – dass es da Tote geben würde, haben die Täter kalt einberechnet. Dass es jedoch ausgerechnet einen von ihnen treffen würde, damit hat wohl niemand gerechnet. Der Gendarmerie gelingt es am Ende, einen der Täter zu verhaften. Ausgerechnet das schwächste Glied der Kette – den geistig zurück gebliebenen Bruder des Drahtziehers. Freud soll nun im Gespräch mit ihm die Verbindung zu den anderen Tätern herstellen.

Lange Zeit dachte ich: Wo ist denn hier bitteschön der klare kriminalistische Ansatz? Die Motive sind klar, die Charaktere einfach gestrickt, und ich hatte die arge Befürchtung, die Spannung bliebe am Ende auf der Strecke. Doch das sollte sich ca. im letzten Viertel des Hörspiels ändern. Denn dann kommt die unvorhersehbare Wendung, gleich darauf folgt eine weitere. Und abschließend ergibt dann auch die auf lange Strecken hinweg eher durchschnittlich anzusehende Sprecherleistung Christian Starks auf ganzer Linie einen Sinn. Denn sie ist – im schauspielerischen Sinne – doch sehr beeindruckend, lässt sie den Hörer nämlich genau die Meinung zu ihr entwickeln, die er haben soll. Ich möchte nicht konkreter werden um Spoiler zu vermeiden.

Die Musik wurde vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Co-Regisseur Christian Hagitte eingespielt. Hierbei beweisen Stil, dass sie sich vom weit verbreiteten Hollywood-Bombast in ihren Hörspielen distanzieren und erwachsene Orchestralmusik mit starken Anleihen zur E-Musik verwenden, die nicht weniger durch ihre vordergründige Melodieführung als vielmehr durch ihre ausgeklügelte kompositorische Komplexität und eine sehr ernste Stimmung beeindruckt.

Die Sprecher überzeugen auf ganzer Linie. Auch wenn es Hans Peter Hallwachs merklich schwer fällt die beiden Namen Karl und Carol in der Aussprache zu trennen, ist dies doch eher einen kleinen Schmunzler wert. Man könnte beinahe sagen Prof. Freud ist die Rolle seines Lebens. Er passt so gut zu der konstruierten kriminalistischen Figur, dass es eine Wonne ist, seinem Stimmenspiel zu folgen. Die anderen Sprecher stehen ihm nahezu in nichts nach.

„Sein und Haben“ ist inhaltlich nicht die beste Folge der Serie, aber sie überrascht den Hörer, der sich in dieser Episode allzu gern und leicht in seinen Schlussfolgerungen aufs Glatteis führen lässt.

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