Der Elefantenmensch Hot

Nico Steckelberg   31. Dezember 2013  
Der Elefantenmensch

Rückentext

Hörspiel nach wahren Begebenheiten
Das viktorianische London: Der an einer seltenen, Körper- und Gesicht schwer entstellenden Krankheit leidende John Merrick wird dem Publikum auf Jahrmärkten präsentiert. Als er Zuflucht in einem Hospital findet, ist sein Leidensweg noch nicht vorbei ... Unter die Haut gehende Parabel gegen Vorurteile und für mehr Toleranz.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
9,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,4

Wer das frühe Werk des Kultregisseurs David Lynch kennt, dem wir der Name John Merrick ein Begriff sein. Lynch beschreibt in seinem Schwarzweißfilm „Der Elefantenmensch“ das dramaturgisch aufbereitete, aber dennoch in weiten Teilen wahre Leben eines jungen Mannes, der mit starken Deformationen geboren wurde und als Jahrmarkt-Attraktion „Elefantenmensch“ ausgestellt wurde.

Klaus Ude und die MediaBühne Unart haben sich der Story angenommen und Merricks Geschichte in der Serie „Meister der Angst“ verarbeitet. Nach dem kurzen Cameo-Auftritt John Merricks in der Hörspiel-Folge „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ erhält er nun eine ganze Episode.

Machen wir es kurz: Dieses Hörspiel fängt die Stimmung des viktorianischen Londons sehr gut auf! Der Hörer empfindet dieselbe Mischung aus Neugier, Abscheu, Mitleid und Sympathie, der John Merrick bereits zu Lebzeiten begegnet sein muss. Peter Hawig, der John Merrick in diesem Hörspiel spricht, macht seinen Job hervorragend! Er kommt der deutschen Synchronisation von David Lynchs Film extrem nah. In weiteren Hauptrollen sind Michael Lott als Dr. Treves und Hans-Jürgen Wolf als Mr. Noakes, dem „Besitzer“ des Elefantenmenschen, zu hören. Auch Till Hagen und Sascha Rotermund als C. Auguste Dupin und Allan Pigott sind in einer Szene zu hören. Weitere bekannte Sprecher: Santiago Ziesmer, Helmut Krauss, Simona Pahl, Frank Glaubrecht , Anne Moll u.v.a. Klasse Casting!

Die Musik passt wie die Faust aufs Auge. Zum Auftakt, während der Jahrmarkt-Szenen, hätte ich mir vielleicht eine schöne Drehorgel gewünscht, die alte Kirmesmusik spielt. Klaus Ude entscheidet sich für einen düsteren, atmosphärischen Soundtrack an diesen Stellen, die durch ein Glockenspiel den spielerischen Jahrmarkt-Aspekt herausarbeitet. Gut gelöst.

An einigen Stellen schrammt das Hörspiel haarscharf an der Übermoral-Grenze vorbei, überschreitet sie jedoch nicht. Es fährt über weite Strecken im Fahrwasser von Lynchs Verfilmung (wie auch das Titelbild vermuten lässt), bietet aber genug eigene Aspekte, um sich harmonisch in die Serie einzufügen. Toll gemacht!

© 2002 - 2020 Der Hörspiegel - Lesen, was hörenswert ist. --- IMPRESSUM --- DATENSCHUTZ