Lilly und ihr Sklave

Lilly und ihr Sklave

Michael Brinkschulte   16. November 2022  
Lilly und ihr Sklave

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
6

Rückentext

Dank einer wiederentdeckten Gerichtsakte, die auch fünf Erzählungen zum Vorschein brachte, können wir Fallada noch einmal neu entdecken. Die Geschichten behandeln, neben dem Thema Gefängnis vor allem das Verhältnis zwischen Trieb und Macht, Liebe und Herrschaft: Lilly kann nach einer Vergewaltigung zwar verhindern, dass andere davon erfahren, und selbst Schwangerschaft und Abtreibung geheim halten, doch entfremdet sie sich zunehmend von ihrer Umwelt.
 
Nachdem sich ihre Schwester, durch eine Vergewaltigung schwanger, umgebracht hat, sucht Marie Sicherheit in einer lieblosen Ehe, bis sie den Maler Heinz kennenlernt; er bleibt nicht ihr einziger Liebhaber.
 
Streng erzogen flieht die 17jährige Thilde in die Arme von Fritz, doch die spätere Ehe wird schon bald zu einem Machtkampf zwischen Mann und Frau.
 
 
Direkt und zugleich einfühlsam erzählt Fallada weibliche Schicksale in einer männerdominierten Gesellschaft.
 
Die abenteuerliche Geschichte des Funds der Erzählungen ist im Booklet abgedruckt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
8,8

Wie ist das Hörbuch umgesetzt?
 
Jennipher Antoni liest den literarischen Fund der im Zusammenhang mit einem von mehreren Gerichtsverfahren gegen Hans Fallada alias Friedrich Ditzen steht. Das Booklet, das dem Digipack beiliegt, bietet auf 24 Seiten ausführliche Hintergrundinformationen. Zunächst liest man Angaben zum Autor, zur Sprecherin und zur Regisseurin des Hörbuchs, jeweils auf einer Seite. Darauf folgt auf 15 seiten „Die Wiederentdeckung der Akte über den Betrugsfall Hans Fallada aus dem Bestand des Gerichtsmediziners Ernst Ziemke“. Den Abschluss machen Angaben zur Produktion sowie die Tracklisten zu den sechs CDs.
 
Die Lesung selbst setzt die Sprecherin mit guter Betonung und ebensolcher Betonung um. Das Digipack beinhaltet Zitate aus dem Buch und Coverabbildungen anderer Hörbücher.
 
 
Resümee:
 
Auf die sechs CDs sind die gefundenen Geschichten verteilt. Die eröffnende Geschichte ist die titelgebende. Darauf folgt die deutlich längere mit dem Titel „Der Apparat der Liebe“, an die sich „Die grosse Liebe“ anschließt. Auf der letzten CD finden sich dann noch „Pogg, der Feigling“ und mit rund neun Minuten Spielzeit „Robinson im Gefängnis“. Abgeschlossen wird die letzte CD mit der Frage „Wer kann da schon Richter sein?“.
 
Die Handlungen spiegeln die zeitlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, dabei zeigt Fallada eine sensible perspektivische Erzählweise auf, die je nach Geschichte mal aus der Sicht der Protagonistin oder aus der auktorialen erfolgt. 
 
Ein historischer literarischer Fund, der sich in die bekannten Erzählungen Falladas einreiht und einen Einblick in gesellschaftliche Rahmenbedingungen eröffnet.
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