Alle Toten fliegen hoch

Alle Toten fliegen hoch Hot

Jan Hillgärtner   03. Juni 2011  
Alle Toten fliegen hoch

Hörbuch

Untertitel
Amerika
Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
6

Rückentext

„Mit achtzehn ging ich für ein Jahr nach Amerika. Noch heute erzähle ich oft, dass es ein Basketballstipendium war, aber das stimmt nicht. Meine Großeltern haben den Austausch bezahlt.“ So beginnt der erste Roman von Joachim Meyerhoff, der seinen Ich-Erzähler aus der norddeutschen Provinz in die Weiten des amerikanischen Westens führt – und in ein Wechselbad der Gefühle.
Entscheidend ist der selbstironische, empfindsame, pointiert-witzige Ton: Von der ersten Seite an folgt der Leser dem jugendlichen Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains.

Der drohende »Kulturschock« bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann.

Dieser mitreißende Entwicklungsroman erzählt von Liebe, Fremde, Verlust und Selbstbehauptung und begeistert durch Sensibilität, Selbstironie und Witz - gelesen vom Autor!

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
8,0
Aufmachung 
 
5,0
Gesamtwertung 
 
7,3

Wer hätte noch nicht davon geträumt, einmal nach Amerika zu reisen und die USA auf eigene Faust zu erkunden? Joachim Meyerhoff hat es getan, zumindest wenn wir seinem stark autobiografischem Roman „Alle Toten fliegen hoch. Amerika“ glauben dürfen. Meyerhoff, der aus seinem eigenen Dramentext einen Roman gemacht hat, erzählt im ersten Teil dieses mehrteiligen Projekts davon, wie er als Junge ein Austauschjahr an einer US-Amerikanischen Schule verbracht hat. In dieser Zeit trifft er Schwerverbrecher, Germanophile und datet ein ganz gewöhnliches amerikanisches Mädchen.

Laramie in Wyoming ist nicht gerade der Ort, den man mit amerikanischem Glamour verbindet. 25.000 Einwohner, mitten in den Great Plains mit Blick auf die Rocky Mountains gelegen und ansonsten relativ unspektakulär. Trotzdem hat sich die Romanfigur diesen Ort nicht zufällig ausgesucht. In der Vermittlung über eine Hamburger Agentur gab er, um die eigenen Chancen auf einen Austausch zu verbessern, strategisch klug an, er suche eine konservativ christliche Familie und ein kleiner Ort mache ihm nichts aus. Die Schnittmenge dieser Vorgaben ist eben Laramie.

In Laramie besucht er die lokale High School und macht Bekanntschaft mit den amerikanischen im Bildungssystem, das er mit dem deutschen nicht vergleichen kann. Da ist zum Beispiel der Lehrer – oder besser Coach – Kaltenbach. In seinem Fach „Searching for Identity“, Identitätssuche lernen die Schüler, rüdesten Beschimpfungen Stand zu halten und sich nicht einschüchtern zu lassen. Dies alles macht Eindruck auf den autobiografischen Erzähler. Im Laufe der anekdotisch berichteten Geschichte mausert er sich zum Star der Basketballmannschaft, wo er nur als „The German“ fimiert. All diese Erlebnisse fasst Meyerhoff in einer lockeren, manchmal stockenden Sprache in dem von ihm selbst eingesprochenen Hörbuch zusammen. Es ist ein klassischer Entwicklungsroman, in dem der Protagonist am Ende seiner (Bildungs-)Reise als ein anderer Mensch wiederkommt.

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