Hören bis zum Morgengrauen

Hören bis zum Morgengrauen Hot

Nico Steckelberg   06. September 2009  
Hören bis zum Morgengrauen

Rückentext

Diese Sammlung packender Kurzkrimis aus der Feder von acht internationalen Bestseller-Autoren garantiert spannungsgeladene Nächte. Die Stimmen von Frank Schätzing, Christian Baumann, Stefan Wilkening und vielen anderen sorgen nicht nur bei den Tätern für Gänsehaut, wenn man ihnen auf die Schliche kommt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
7,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
7,0

Kurzgeschichten können richtig gut sein, aber es besteht immer die Gefahr, dass sie flach und durchschaubar ausfallen. Wenn man jedoch 7 erfahrene Krimi- und Thrillerautoren an die Tastatur lässt, so muss dabei doch etwas Vorzügliches herauskommen, oder? Das mag man meinen, stimmt aber nur bedingt.

Beim Hörverlag erscheint die Kurzgeschichtensammlung „Hören bis zum Morgengrauen“ mit 9 Storys auf 8 CDs. Die Autoren sind als Meister ihres Genres bekannt. Arne Dahl, Åke Edwardson, Mary Higgins Clark, Frank Schätzing, Håkan Nesser, Val McDermid und Patricia Highsmith laden zum “Sich spannen” ein.

Den Auftakt macht Arne Dahl, der vor allem mit seinen hervorragenden Thrillern um die A-Gruppe“ bekannt wurde. Seine Geschichte „Das dritte Auge“ beginnt zunächst wie ein gewöhnlicher, spannender und interessanter Kriminalfall und endet in einem psychedelischen Verwirrspiel. Ein ungewöhnlicher Auftakt. Ein Highlight der Sammlung ist Val McDermids „Tödliche Affäre“, eine bitterböse, schwarze Idee, die zu einer sehr sehr bösen Kurzgeschichte wurde. Perfekt! Mary Higgins Clark hingegen enttäuscht mit ihren beiden Storys „Die Leiche im Schrank“ und „Schlaf, Kindchen, schlaf“ rund um die Hobby-Kriminalistin Alvirah Meehan auf ganzer Linie: Durchschaubar, geradlinig und wenig ansprechend. Das hat Åke Edwardson mit seiner „Eiszeit“ viel besser gemacht. Ein kurzer, spannender und überraschender Fall. Ebenso die Queen of Crime: Patricia Highsmith mit „Leise, leise im Wind“, einer sehr bösen und so atmosphärisch dichten Story, gerade so als würde man einem alten Hitchcock-Streifen lauschen. Den Vogel schießt jedoch Frank Schätzing ab, der mit seinem „Puppenspieler“ eine tolle Idee prima literarisch umgesetzt hat und darüber hinaus seine Geschichte – weitestgehend ein Dialog – selbst interpretiert. Hervorragend!

Die anderen Sprecher bewegen sich auf ganz unterschiedlichen Skalen. Während Markus H. Eberhard enttäuscht und Arne Dahls Geschichte nicht halb so interessant vermittelt wie ein Till Hagen das bei Dahls Romanen tut, liefert beispielsweise Thomas M. Meinhardt in der Story „Tödliche Affäre“ eine gute Lesung ab.

Fazit: Nicht nur das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen („Man weiß nie, was man kriegt“), auch Kurzgeschichtensammlungen sind es. Und so verhält es sich mit Storys und Sprechern gleichermaßen – es ist von allem etwas dabei, leider auch von jeder Qualitätsstufe. Die oben genannten Guten der hier gebotenen Storys jedoch sollte man sich nicht entgehen lassen. Alleine für sie lohnt es sich, sich die akustische Geschichtensammlung zuzulegen. Und für 19,99 EUR sollte sich das auch jeder gönnen können.

Nur wer „bis zum Morgengrauen“ mit Vampiren assoziiert, der wird hier nicht das richtige finden. Dies sind knallharte Krimis und Thriller ohne Fantasy-Ambitionen.

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