Das Labyrinth der Lichter

Das Labyrinth der Lichter Hot

Tanja Trawny   05. Juni 2017  
Das Labyrinth der Lichter

Hörbuch

Sprecher
Erscheinungsjahr
Format
MP3-CD
Anzahl Medien
4
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Rückentext

Die geheimnisvolle Mission der Alicia Gris

Spanien in den dunklen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch, das Alicia auf schmerzliche Weise an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne. Doch die Antworten, die sie dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt…

Carlos Ruiz Zafón wurde in Barcelona geboren und lebt heute überwiegend in Los Angeles. Mit seiner Roman-Reihe rund um den >>Friedhof der Vergessenen Bücher<< begeisterte er ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. Das Labyrinth der Lichter ist der fulminante Abschluss seiner Barcelona-Saga.

Uve Teschner ist nicht nur ein fesselnder Erzähler, sondern auch ein lebhafter Gestalter, der die unterschiedlichsten Charaktere glaubhaft verkörpern kann. Bereits mit seiner Lesung von Der Schatten des Windes brachte er die Hörer zum Schwärmen.

Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
Gelesen von Uve Teschner
Autorisierte Lesefassung
4 MP3-CDs / Gesamtlaufzeit: ca. 23 Stunden

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
10,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,3

Uve Teschner liest Das Labyrinth der Lichter so, dass es mir viel Freude bereitet hat, ihm und der Geschichte von Alicia Gris zu lauschen. Er verändert seine Klangfarbe und charakterisiert damit sehr gut dem Hörer verbal die jeweiligen Protagonisten. Die Zeit verging beim Hören fast wie im Fluge (23 Stunden Hörbuch in knapp 4-5 Tagen gehört). Was jedoch auch der Geschichte selbst geschuldet sein dürfte, welche partiell Zeitsprünge macht, sei es durch direkte Sprünge, durch Erzählungen anderer aus der Vergangenheit oder einer Art Tagebuch, in welchem eine junge Frau ihre Erlebnisse, Gedanken und das, was ihr wiederfahren werde, aufgeschrieben hatte. Gleichzeitig gerät Alicia Gris durch in ihren Auftraggeber Leandro Montalvo in ein Spinnennetz voller Intrigen, in welcher jeder einzelne Beteiligte versucht, die Wahrheit und deren Enthüllung zu verbergen. Aufgrund dessen bereit ist, über Leichen zu gehen. Ebenso spielt jedoch auch Rache in diesem Buch eine enorme Rolle. Denn der, welcher zuerst als Oper in der Geschichte das Mitleid des Hörers erhält, für das, was ihm wiederfährt, stellte sich als im weiteren Verlauf als Täter heraus. Welcher selbst anderen Menschen äquivalentes angetan zu haben scheint in früheren Jahren.  Irgendwie erzählt das Buch mehrere kleinere Geschichten der einzelnen Protagonisten, partiell zu Anfang mit einander starken Verzahnung. Zum Schluss wird zunehmend dem Hörer gleichfalls in einer Geschichte offenbart, was aus den anderen Protagonisten geworden ist. 
Gefallen hat mir sehr die Hauptprotagonistin Alicia Gris. Welche irgendwie eigenwillig zu sein scheint und was besonderes. Skizziert wurde sie als zierliche, äußerlich verletzbare wirkende Frau, welche eine Aura auf weist, welche nicht nur Männer zu faszinieren und in ihren Bann zu ziehen scheint. Denn sie hat ihre Beschützer, welche sich, auch wenn sie die junge Frau eigentlich nicht wirklich kennen, für sie einsetzen. Gleichzeitig hat sie jedoch auch ihre Geheimnisse, weist eine Melancholie auf gepaart mit einer gewissen Grazie, Eleganz sowie Mut, Intellekt, hoher Auffassungsgabe und geschicktem Umgang mit Gefahren auf, welche sie eher kühl und berechnet wirken lassen. 
Die Art, wie sie sich nicht blenden lässt, sich absichert oder hinter die Machenschaften ihres Chefs Leandro Montalvo kommt, welche ihr fast das Leben gekostet hätte, war spannend, fesselnd geschrieben und von Uve Teschner packend erzählt. 
 
Traurig fand ich, dass es für zwei der Kinder, welche Opfer wurden von Valls und Leandro wurden, kein wirkliches „Happy End“ gegeben hat. Obwohl, sie waren wieder bei ihrer Familie, waren ihr gefolgt in den Tod. Vielleicht die einzige Möglichkeit, dem, was ihnen wiederfahren war, zu gedanklich zu entkommen. Obwohl ich mir nach den Widrigkeiten, welche Viktoria hat durchmachen müssen, mir ein anderes Ende für sie und ihre Schwester gewünscht hätte. 
 
Ein interessanter Charakter war auch Leandro Montalvo, welcher seine Mitarbeiter als „Eigentum“ zu betrachten und innerhalb der höheren Gesellschaft sowie der Exekutive extrem hohen Einfluss zu besitzen scheint. Ein undurchsichtiger Mensch, welcher tiefer in der Sache verwickelt war, als es anfangs ersichtlich war. Welche eine Begabung besitzt, Menschen für sich einzunehmen und sie zu manipulieren, sie von ihm abhängig zu machen, ob mit Gewalt, Folter, Erpressung, Verheißung auf ein besseres Leben und vorgespielter Fürsorge.
 
Gut dargestellt fand ich auch den Charakter von Mauricio Valls y Echevarria: Als er selbst in einer hohen Position war, zeigte er sich grausam, brutal, stark zu seinem Vorteil bedacht. Als ihm die Rückendeckung seiner Widersacher ab Händen kam, er selbst das, was er anderen zugefügt hatte, am eigenen Leibe erfuhr, veränderte er sich… war gebrochen, ein Häufchen Elend ohne Aussicht auf Hoffnung, Erlösung. Sein einziger Wunsch war der Tod. Welcher sich hinzog… und widererwartend länger auf sich hat warten lassen, als gedacht.
 
Neben der Geschichte um das Leben des Schriftstellers Victor Mataix, das Schicksal, welches seine Familie unter Mauricio Valls y Echevarria erlitten hatte, den Verzahnungen der einzelnen Protagonisten mit eben diesem Schicksal oder Widersachern von dem Minister, offenbart Carlos Ruiz Zafón, Julián Semperes Weg zum Schriftsteller und er gleichfalls, wie sein Großvater und Vater zuvor schon zum Hüter des Friedhofs der vergessenen Bücher wurde.
Ich denke, die Art, wie  Carlos Ruiz Zafón zum Schluss Julián erzählen lässt, wie er versucht hat, heraus zu finden, wie man am besten ein Buch aufbaut, was rein muss und welchen sprachlichen Gebrauch er am Geeignetsten findet, um eine für ihn wichtige Geschichte, nämlich die seiner Familie, zu verschriftlichen, sehr Interesssant. Ich konnte mir den jungen Mann so richtig vorstellen vor meinem inneren Auge, wie er sich, ähnlich wie ein Künstler/Architekt oder sonstig Schaffender in seinem inneren bis ins kleinste Detail plant, welche Schritte und Zutaten von Nöten seien, um sein Werk zu erschaffen. Unterstützt wurde er dabei von Julián Carax, welcher sein Mentor wurde und ihn anregte, dass nur er selbst, Julián Sempere, seine Familiengeschichte schreiben könne.
 
Abgerundet wird das Hörbuch zum Schluss durch Informationen, was aus den einzelnen Protagonisten über die Zeit und ihren Vorhaben wurde. Zum Beispiel die Veröffentlichung eines Artikels, welches sich mit den weggenommenen Kindern beschäftigte, welche zunächst für Tod erklärt und dann unter einem anderem Namen in einer anderen Familie untergebracht worden waren während des Krieges. Und die Beendigung der vier Bücher von Julián Sempere, wodurch alle Beteiligten „unsterblich“ werden würden, nach Alicia Gris
 
Fazit:
 
„Vergiss nie, dass es uns gibt, solange sich jemand an uns erinnert“, sind die letzten Worte von Julián Carax an seinen Schüler  Julián Sempere.
Und der Leitfaden irgendwie vom letzten Teil des Hörbuchs. Denn dieser beschäftigt sich nur mit der Entstehung der Bücher „Friedhof der Vergessenen Bücher“, in welchem es für Julián Sempere nur um die Erinnerungen an Menschen aus seiner Vergangenheit geht: Die Geschichte seiner Familie!!! Auch wenn es darum geht, wie er die vorangegangende Geschichte am Besten verschriftlichen kann, da es ja im ganzen Hörbuch um Sequenzen einzelner Familienmitglieder geht, und er auch selbst als Kind darin eine Rolle aufwies und eine spezielle Bindung zu Alicia Gris besass. Ist zwar ganz interessant, jedoch muss ich sagen, fand ich die ersten 3 ½ CDs, wo die Geschichte erzählt wurde, packender. Diese waren sehr spannend erzählt und haben mich regelrecht gefesselt. Die Verzahnungen der einzelnen Protagonisten, sowie die unterschiedlichen Charaktere, ihre Rollen innerhalb der Geschichte sind interessant umgesetzt. Ohne dem Hörer schon zu Beginn zu offenbaren, weshalb der Minister verschwunden ist und was genau die 8 Bände von „Das Labyrinth der Lichter“ und dessen Autor damit zu tun hat. Mir gefiel besonders die eigenwillige Art der Alicia Gris. Offerierte mir oft ein Schmunzeln. 

Sehr angenehm empfand ich zusätzlich, gerade wegen der Vielzahl an Protagonisten,  dass im Booklet alle Charaktere inklusive ihrer jeweiligen Zugehörigkeit/Position innerhalb für den Hörer zum Nachlesen aufgelistet wurden. So verlor man weniger die Übersicht, wenn die Zeitpunkte, Orte und Charaktere wechselten.

Lediglich schade und leicht störend empfand ich persönlich die partiell längeren Pausen (mehr als 1-3 Sekunden) zwischen den einzelnen Tracks. Das Warten,wie geht es weiter (auch inmitten einer Szene), muss ich wechseln die CDgehen, ist das Hörbuch jetzt zuende... kamen mir phasenweise recht lang vor. Und ich empfand diese Pausen als störend!

Ansonsten find ich die Handlung in dem Buch rechtinteressant konzipiert sowie erzähltechnisch und charakteristisch fantastisch umgesetzt. 
 
Da es sich bei dem Buch Das Labyrinth der Lichter um den fulminanten Abschluss der Barcelona-Saga handelt, hat es bei mir erst einmal die Neugierde auf die drei vorherigen Bände geweckt:
(1) Der Schatten des Windes
(2) Das Spiel des Engels
(3) Der Gefangene des Himmels
 
Vielleicht bei dem ein oder anderen, wenn er diese bisher noch nicht gehört hat, auch interessant ;o)
 
In diesem Sinne wünsche ich Euch ganz viele spannende Hörstunden mit dem Hörbuch. Auf das die Protagonisten dadurch, wie es sich Alicia Gris gewünscht hat in ihrem letzten Brief „unsterblich“ werden mögen und vor unserem innerem Auge durch die Erzählung von Uve Teschner zum Leben erweckt werden. 
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