Nudel im Wind

Astrid Daniels   09. Mai 2019  
Nudel im Wind

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
5
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Rückentext

Neulich sagte meine Frau zu mir: "Warum schreibst du nicht endlich mal was mit Niveau, ich würde gerne mal ein Panoptikum an Figuren, eine welthaltige, vielschichtige Romanhandlung, eine ausgebuffte Mischung aus Action und Reflexion, Gesellschaftskritik und psychologischer Tiefgang, vielleicht sogar auch eine raffiniert eingebaute Krimihandlung, meinetwegen gern auch mit ein bisschen geschmackvoll beschriebenem Sex gewürzt, von dir lesen, mach doch, du kannst das!"

Und ich setzte mich an mein Notebook und schrieb: "Ich möchte Ihnen eine ziemlich unglaubliche Geschichte erzählen. Ich weiß, das ist kein glücklicher Anfang für ein Buch, das seine Leser vom ersten Satz an in den Schwitzkasten nehmen und bis zum letzten Wort nicht mehr rauslassen soll. 'Sie hatten ihm die Kehle durchgeschnitten und ihn dann im Urinal ausbluten lassen' ist da schon ein anderes Kaliber, aber in der Welt der sinnlos waltenden rohen Kräfte bin ich nicht so zuhause, wie in der Psyche der Sanftmütigen, Unscheinbaren mit ihren kleinen liebenswerten Macken. Menschen wie Gregor und sein Hund Waldmeister..."

Von ihm selbst gelesen.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
7,5

„Nudel im Wind“ ist der erste Roman aus der Feder von Jürgen von der Lippe, den ich persönlich sehr schätze. Die Bühnenprogramme und sonstigen Auftritte des Tausendsassas begleiten mich bereits seit meiner Kindheit. 

„Nudel im Wind“ dreht sich um mehrere Hauptcharaktere, eine Vielzahl von Nebenschauplätzen und Nebenakteuren. Das Booklet enthält ein Personenverzeichnis, so dass der Hörer den Überblick über die Personen behält, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Roman kommt durch die vielen Personen bedingt nur langsam in Fahrt. 

Die Dialoge drehen sich um Nebensächlichkeiten und anzügliche Witze. Die Charaktere hangeln sich von Witz zu Witz und von Pointe zu Pointe. Leider ist dies alleine als Zutat für einen Roman etwas wenig Inhalt. Die geschilderte Produktion der Speckweg-TV-Show lebt von Übertreibungen. Diese Parodie konnte mich jedoch nicht wirklich überzeugen. Es wirkt eher oberflächlich und schnell dahin geschrieben. 

Die Charaktere wirken authentisch. Ich hätte mir für diese dennoch mehr Profil und für die Geschichte an sich mehr „Tiefgang“ gewünscht, so dass der Roman nicht nur so vor sich hin plätschert. Ein Pluspunkt ist die Lesung an sich, die der Autor selber eingesprochen hat. Er hat es großartig inszeniert. 

Die Mediensatire ist eher flach und nicht auf dem Niveau, wie man es sonst von Jürgen von der Lippe gewohnt ist. „Nudel im Wind“ ist ein Roman für Zwischendurch, jedoch nicht DAS Meisterwerk von Jürgen von der Lippe. 

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