Frankfurter Buchmesse 2017

Frankfurter Buchmesse 2017

Christine Rubel   31. Oktober 2017  
Frankfurter Buchmesse 2017

Bericht

Veranstaltungsort
Veranstaltungsdatum
15. Oktober 2017
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Hörspiegel-Bericht

Die Frankfurter Buchmesse ist immer wieder eine Reise wert. Also ging es um kurz vor sieben los Richtung Frankfurt. Immerhin waren die Baustellen am frühen Sonntagmorgen gut zu meistern und so war ich kurz nach neun vor Halle drei auf dem Messegelände. Trotz der Prügeleien am Vortag war viel Publikumsverkehr und viele ließen sich glücklicherweise nicht abschrecken. Die gute Vorbereitung zahlte sich aus und vermied die Suche nach den Ständen. Auch wenn viel am üblichen Standort zu finden war, einige hatten sich gut versteckt. An Random House mit seinen vielen Verlagen kommt man mittlerweile nicht mehr vorbei und so machte ich bei Random House Audio und dem zugehörigen Der Hörverlag den ersten Halt. Dort fanden sich viele Klassiker – von Theodor Storm, Heinrich Böll, Franz Kafka bis Mario Puzos Paten, gelesen von Christian Brückner. In der Krimiabteilung finden sich Die Moortochter von Karen Dionne, alte Bekannte wie Elisabeth Herrmann, Max Bentow, Harlan Coben und Andreas Gruber. Geschichtliches für die Ohren kommt von Jeffrey Archer und Carmen Korn, die eine bis jetzt zweiteilige Frauensaga veröffentlicht hat. Ein bisschen Liebe und Kabarett machen die Mischung rund. 

Bei Hörbuch Hamburg gibt es etwas Neues von der Henkerstochter, sowie eine Zukunftsvision von Marc-Uwe-Kling, die Witz und Schrecken verbindet, ganz ohne Känguru. Lustigerweise gibt es das Hörbuch in zwei Versionen – hell für Optimisten und dunkel für Pessimisten. Die Kurzgeschichten und die Trilogie von Jane Gardam wurden mir ans Herz gelegt und Mr. Penderwicks Sammlung der verlorenen Dinge kann ich nur denjenigen empfehlen, die eine herzerwärmende Geschichte mit einem Schuss Romantik suchen. Wer sich mit der Situation der Farbigen in den USA gestern und heute auseinandersetzen möchte, ist mit Undergroundrailroad von Colson Whitehead gut bedient. Der Roman über ein großes Flüchtlingsnetzwerk ist nichts für schwache Nerven und hochaktuell. 

Lübbe und Harper Collins haben nicht nur den aktuellen Roman von Dan Brown, Origin, im Regal, sondern auch neue Autoren für die John Sinclair Reihe gewonnen: Wolfgang Hohlbein und Mark Benecke lassen es gruseln. Aber Neues kommt auch von Sebastian Fitzek, Karin Slaugter, Don Winslow. Nach langer Zeit gilt es den dritten Teil der Saga um die Kathedrale von Kingsbridge zu entdecken: Das Fundament der Ewigkeit. Aber keine Angst, man muss die beiden ersten Teile nicht unbedingt noch einmal hören, es sei denn, man möchte. Mit Iny Lorentz und Rebecca Gable bleibt es historisch. Geschichte und Gegenwart anhand einer Familie in Berlin gilt es in Svealena Kutschkes Roman Stadt aus Rauch zu entdecken. Zwischen aktuellen Hörbüchern über die Liebe fanden sich die Panama Papers – Eine Geschichte der Enthüllung und ich frage mich dann doch leicht irritiert, ob man Panama mit Pampers verwechselt hat? 

Bei Audiobuch dominierten die Hörbücher von Bernhard Cornwell, aber es gibt auch eine neue Fantasyreihe, Lied der Krähen von Leigh Bardugo, die schon viele Anhänger gefunden hat. Der Roman Risiko von Steffen Kopetzky zeigt nach historischem Beispiel, wie die Deutschen im ersten Weltkrieg in Afghanistan einfielen. Altbewährtes und Klassiker sind eigentlich überall zu finden und hier sind es Lord Peter Wimsey, Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk und Schloss Gripsholm. 

Audio media hat eher Unterhaltsames zu bieten: Ziemlich alte Helden ist eine Seniorengeschichte um Würde und Altern, brilliant gelesen von Didi Hallervorden, Gisa Pauly zieht es nach Venedig, ganz ohne Mama Carlotta. Auch die Liebhaber von regionalen Krimis kommen bei Audio media auf ihren Geschmack. Neben Frankreich, der Heimat des Genuss-Krimis kommen auch Gotland mit Trüffeltod, Italien mit Sizilianisches Blut und Sylt mit Schwarze Brandung zum Zug.

Argon punktet mit Der Frauenchor von Chilbury, die Geschichte eines Frauenchores im Krieg. Für dieses Hörbuch wurde ein Frauenchor gesucht und gefunden, der wirklich beeindruckt. Mit Schwarzwasser gibt es ein neues Abtenteuer von Kreuthner und Wallner und auch Irland bietet Dorfpolizisten auf.

Der Audio Verlag hat mit Oxen einen sehr ungewöhnlichen Helden an Land gezogen, denn der dekorierte ehemalige Soldat lebt im Wald am Existenzminimum. Als er in einen Mord hineingezogen wird, braucht er all seine Instinkte, um zu überleben. Der erste Band einer sehr spannenden Trilogie. Der zweite Teil Tausend Teufel von Frank Goldammer spielt nach dem Krieg in Dresden, mitten in den Trümmern. Wenn er nur halb so gut wie der erste ist, kann ich ihn nur empfehlen.

Headroom hat mit Die Morde von Morcone einen Krimi und mit Rimini einen Familienroman herausgebracht. Mit Multisript betritt ein neuer Verlag die Bühne, dort sind Klassiker und auch Kurzversionen und Erklärungen zu diesen zu finden, die auch in der Schule hilfreich sein können. Zyx , und an diesem Stand bin ich einfach gerne, setzt weiterhin auf Klassiker. Hier kam auch zum erstenmal das Gespräch auf mein aktuelles Lieblingsthema: Wie lange wird es noch CDs geben? Bei neuen Autos gibt es nicht mal mehr einen CD-Schacht, was mich als passionierte Hörbuchfahrerin völlig entsetzt. Ja, man kann sie konvertieren, aber was mache ich mit meinen vollen Regalen? Ich befürchte, das es einen immer noch traumatisierten Autohändler gibt, der Alpträume von der Frau hat, die leider kein Auto kaufen wollte, weil der CD-Schacht fehlte... So eine digitale Hörbuchdatenbank ist zwar klein, nett und passt in die Handtasche, aber ich persönlich muss etwas in der Hand halten und sehen können. Wie auch immer es kommt, das Thema wird diskutiert und mit wurde zuguterletzt versichert: So lange es noch Menschen gibt, die Hörbücher auf CD und MP3 kaufen, sterben sie nicht aus. Manche gehen ja wieder auf die Schallplatte zurück. 

Alle Neuheiten zu benennen würde den Rahmen sprengen. Das Gastland Frankreich war in dieser Abteilung auch eher spärlich zu finden und so schaute ich in die Halle des Gastlandes und sah: Holzgerüste, überall. Immerhin waren in den Gerüsten Bücher zu finden, vor allem schöne Kinderbücher und Bilder mit Wortübersetzungen in verschiedene Sprachen. Aber so ganz hat sich mir leider nicht erschlossen, was mir diese Gerüste sagen wollten. Aber vielleicht hätte es der Eiffelturm werden sollen, nur kreuz und quer?

Nach dem obligatorischen Flammkuchen in der Sonne auf dem Hof ging es über die Kalendergalerie in die Belletristik. Der Grafit-Verlag ist immer ein Muss, denn die Krimis des kleinen Dortmunder Verlags begleiten mich schon zwanzig Jahre. Dort waren die Autoren Reinhard Junge und Christiane Bogenstahl mit ihrem neuen Roman Datengrab zu finden. Sehr nett war es, auch weil die Diskussion auf Lucie Flebbes endgültigen letzten Lila Ziegler Roman kam und ich überlegte, wer sich denn ein Herz nimmt und endlich den Verein für Tierfreunde und Staugegner aus Thomas Schweres Roman Die Abbieger gründet.

Witzig wurde es auch bei KBV, was vor allem an Klaus Stickelbroeck lag, der mir diverse Veranstaltungen in Hillesheim empfahl, dem Heimatort des Verlags, mit Krimihotel und Krimiarchiv. Diogenes hat immer wieder gute Autoren, die sich zu lesen lohnen und die Vielfalt an Angeboten der Verlage sollte jeder Lesebegeisterte einfach mal selber anschauen. Eigentlich ist ein Tag viel zu wenig und ich habe in den letzten Jahren immer wieder gestaunt, was mein Kollege Michael alles sieht. Nach achteinhalb Stunden Messe fuhr ich mit schwerem Gepäck nach Hause. Bilanz: Acht Bücher, fünf Hörbücher, ein Kalender, viele nette Gespräche und Geschichten ohne Ende. Noch habe ich ein Auto mit CD-Schacht und so ging es mit John Grishams Das Original stilecht nach Hause.

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