Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück!

Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück!

Sören Wolf   29. Dezember 2018  
Komm nach Hagen, werde Popstar, mach Dein Glück!

Buch-Tipp

Genre
Anzahl Seiten
352
Erscheinungsjahr
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Rückentext

Hagen, eine Stadt am Rande des Ruhrgebiets, galt zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle als das Liverpool Deutschlands. Gehen wir in die 70er und 80er Jahre zurück und begleiten den Aufstieg der Hagener Bands. Grobschnitt wurde von den WDR-Rockpalast-Fernsehzuschauern sensationell zur besten internationalen Live-Band des Jahres gewählt und spielte auf ihrer Solar Music-Erfolgstournee insgesamt 98 ausverkaufte Konzerte. Die Band Extrabreit wurde gegründet und Nena stand mit ihrer ersten Band unter dem Namen The Stripes zum ersten Mal auf der Bühne. Die Hagener Musikszene nahm den Paradigmenwechsel, der im musikalischen Umfeld geschah, schnell auf. Punk und New Wave lösten die klassische Rockmusik ab. Von den Hagener Musikern kamen entscheidende Impulse für die Neue Deutsche Welle. Warum sie so erfolgreich waren, dokumentiert dieses Buch. Viele Interviews mit Zeitzeugen und fast 1000 Abbildungen zeichnen die Wege in außergewöhnliche Karrieren nach. 

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
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Atmosphäre 
 
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Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Wenn man heutzutage dem westfälischen Hagen einen Besuch abstattet, dann ist man sicherlich nicht gerade vor Begeisterung aus dem Häuschen. Eingepasst von bewaldeten Hügeln liegt dort an der Volme ausgestreckt diese Stadt als Eingangstor zum Sauerland, kurz hinter dem Ruhrgebiet. Das die Stadt deutsche Musikgeschichte geschrieben hat, kann man Hagen sicherlich nicht ansehen. Doch die Menschen die sich seinerzeit dort tummelten, allen voran Nena, die  dort geboren und aufgewachsen ist, machten Hagen für eine kurze Zeit zum Liverpool Deutschlands. 
Die Publikation spannt also den Bogen von den Anfängen mit der Band Grobschnitt die zu den beliebtesten Livebands Deutschlands Anfang der 1970er Jahre gehörten bis hin in die 1980er als Extrabreit die Speerspitze der NDW Welle bildeten. Das Buch unterteilt sich in mehrere kurze Kapitel, die sich an verschiedenen bekannteren Bands vorantastet und Phänomene schildert und besteht aus unzähligen Bandfotos, Konzertplakaten, Postkarten, Abrechnungen etc. So sind zum Beispiel aus der Gruppe Mandrake viele Leute hervorgegangen, die sich um die Anfänge der Bühnenlichtgestaltung und des P.A Verleihs im 
großen Stil in Deutschland etablierten. Oder Dicky Hank, der bereits die Anfänge der Hörbuchproduktion mitgestaltet hat indem er für BMG unzählige Hörbücher produzierte und auch die Instrumentalmusik für etwa 500 Hörbücher komponierte und dort zwanzig goldene Schallplatten, fünfmal Platin und einmal Doppelplatin einheimste.
Auch Gitarrenpapst Peter Fischer, der für seine Gitarrenehrbücher bekannt ist kommt aus Hagen. Unzählige weitere starteten Riesenkarrieren in der Musikbranche, ob als Musiker oder im Managmentbereich und blieben überwiegend westfälisch bodenständig. Man mag es kaum glauben wenn man das alles liest. Das Buch ist also nicht nur ein nostalgischer Rückblick, es zeigt auch, dass man durchaus in der Provinz gedeihen kann. Nena ist schließlich auch nur durch einen puren Zufall Musikerin geworden, und hätte sicherlich niemals eine solche Karriere hingelegt. Viele Musiker die sich einst in Hagen tummelten, haben die Stadt längst verlassen, sind verstorben, oder haben sich aus dem Musikgeschäft verabschiedet. Extrabreit existieren immer noch, und so ist Ihnen natürlich der größte Teil der Publikation gewidmet und hangelt sich an deren erfolgreichsten Jahren von der Gründung 1979 - 1983 entlang. Die Gestaltung des Buches lehnt sich an den 1980er Jahren an, und das ist auch eine goldrichtige Entscheidung. Ein Versuch das Buch zu zeitgemäß zu gestalten, würde dem improvisierten Charme dieser Zeit nicht gerecht geworden. 
Letztlich ist das Buch ja irgendwie ein nostalgischer Rückblick, aber auch zum Teil eine Bestandsaufnahme der Leute die damals in der Szene aktiv waren. Insgesamt haben sich 20 Autoren an dem Buch beteiligt, der Großteil sind Musiker oder Macher die damals selbst Teil der Szene waren. Es gibt auch einige eher philosphisch wissenschaftliche Texte wie zum 
Beispiel der Versuch dem Phänomen, warum es ausgerechnet in Hagen diese geballte Ladung an Musiktalenten gab, zu ergründen. Letztlich gibt es dafür doch nur eine einfache Antwort; es sind immer die Leute zur richtigen Zeit die so etwas ermöglichen. Gleichgesinnte, Kameraden und eine Schuss Verrücktheit und Kühnheit die die Triebfeder bilden eine Karriere in dem Haifischbecken der Musikindustrie zu wagen. 
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