Winnetou - Eine neue Welt; Winnetou - Das Geheimnis vom Silbersee; Winnetou - Der letzte Kampf

Winnetou - Eine neue Welt; Winnetou - Das Geheimnis vom Silbersee; Winnetou - Der letzte Kampf Hot

Michael Brinkschulte   23. Dezember 2016  
Winnetou - Eine neue Welt; Winnetou - Das Geheimnis vom Silbersee; Winnetou - Der letzte Kampf

Rückentext

Winnetou – Eine neue Welt
 
Mitten im wilden, weiten Amerika: Unbarmherzig betreibt die Central Pacific Railway den Ausbau der Eisenbahnstrecke von der Ostküste bis in den amerikanischen Westen – quer durch das Land der Apachen. Der große Traum vom „goldenen“ Land zieht den jungen deutschen Ingenieur Karl May nach Amerika. Dort kämpft er für einen Friedensvertrag zwischen den Apachen und Railway Company genau wie Winnetou, der Häuptling der Apachen. Die beiden schließen Freundschaft, und bald kämpft Karl als Old Shatterhand an der Seite Winnetous gegen die skrupellose Eisenbahngesellschaft.
 
 
Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee
 
Der legendäre Schatz der Apachen im Silbersee lockt den verrückten Mexikaner-Boss El Mas Loco an. Mit seiner Bande überfällt Loco im Morgengrauen Winnetous Stamm, um den Goldschatz an sich zu reißen, und nimmt die Schamanin der Apachen, Nscho-Tschi, als Geisel, denn sie kennt den Weg zum geheimen Se. Was der Mexikaner nicht weiß: Karl eilt den Apachen zu Hilfe, und gemeinsam sind Winnetou und Old Shatterhand Loco und seiner Bande dicht auf den Fersen …
 
 
Winnetou – Der letzte Kampf
 
Bei dem Bau eines Brunnens auf Old Shatterhands und Nscho-Tschis Farm stoßen Winnetou und Old Shatterhand auf eine Ölquelle. Der Gangster Santer Junior, der sie heimlich beobachtet, schreckt vor nichts zurück, um das Öl auf dem Land der Apachen in seinen Besitz zu bringen, und hängt Winnetous Stamm sogar einen Mord an, um den Apachen ihr Land zu nehmen. Wird es den Freunden gelingen, die verfeindeten Stämme der Apachen und Komantschen im Kampf gegen die grausamen Ölbarone zu vereinen und ihr Land zurückzugewinnen?

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
5,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
7,0
Soundtrack 
 
8,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
6,8

Wie sind die Hörspiele umgesetzt?
 
Wie bei Film-Hörspielen üblich, verwendet auch Europa bei der Umsetzung des von RTL produzierten TV-Mehrteilers als Hörspiel die Filmtonspur und ergänzt diese durch einen Erzähler. Als Erzähler wurde der hervorragend agierende Christian Rode mit seiner Markanten und angenehmen Stimme gewählt. Eine gute Wahl, denn sein Part ist sehr groß, da viele Szenerien beschrieben werden und Handlungszusammenhänge erklärt werden müssen. 
Die eingebundenen Stimmen aus den drei Filmen erweisen sich zuweilen als ungünstig, sind zum Beispiel die Worte Winnetous nur verständlich, wenn man genau hinhört. Auch gibt es deutliche Unterschiede in der Lautstärke unterschiedlicher Szenen, was nicht unbedingt zum besseren Verständnis beiträgt. Einzig der Erzähler beleibt konstant.
 
Die drei Hörspiele mit Spielzeiten von 70, 65 und 67 Minuten werden je von einem Booklet begleitet. Das die Sprecherlisten und Verweise auf die weiteren Kaufprodukte zum TV-Mehrteiler beinhaltet. Die Rückseite des Booklets ziert jeweils ein Kartenausschnitt, der die Umgebung der Handlung umreißt.
Schon beim ersten Booklet fällt allerdings auf, dass die Sprecherliste nicht vollständig ist. Der Karl May Kenner sucht z.B. Sam Hawkins vergebens, der zum Glück aber doch im Hörspiel auftaucht.
Die Coverbilder sind recht ansprechend gestaltet und zeigen Charaktere aus den jeweiligen Filmen.
 
 
Resümee:
 
Was habe ich mich als Karl May Fan und Leser gefreut, als ich erfahren habe, dass es eine Neuverfilmung der Karl May Winnetou Filme geben soll und Produzent RTL eine authentischere Verfilmung anstrebt, als die damaligen Kinofilme geboten haben. 
 
Als ich nun einige Tage vor der Ausstrahlung – um diese wird ja viel Wirbel gemacht und sogar bei ‚Wer Wird Millionär?‘ gab es ein Karl May Special – die „Hörspiele zum gleichnamigen TV-Event“ in die Finger bekam, wanderten diese gleich in den Player. Zuvor schaute ich mir natürlich die Rückentexte an und war schon bei deren Betrachtung verwirrt. Die Informationen des jeweiligen Rückentextes hatten nicht viel mit dem zu tun, was Karl May geschrieben hat. 
Aber gut, erst einmal hören dachte ich und war auch recht angetan von Christian Rode als Erzähler.
Doch nach und nach wurde die Freude wirklich getrübt, denn die Story, die hier erzählt wird, lässt – wie nach den Rückentexten schon zu erahnen -  nicht mehr viel von den originalen Handlungssträngen übrig. Mag sein, dass die Bilder des Films authentische Landschaften zeigen, von einer authentischen Umsetzung der Romanvorlagen von Karl May lässt sich hier im Rahmen der Hörspiele allerdings nicht sprechen.
 
Es fehlen zahllose Charaktere, die für die Entwicklung der Figuren Mays wichtig waren und sind. Einzelne Figuren tauchen zwar auf, wie Mr. Henry, der den gleichnamigen Stutzen – Old Shatterhands ‚Zaubergewehr‘ - herstellte, doch eben dieser Mann wird, im Gegensatz zum Roman, mit völlig verzerrtem Charakter als Rassist dargestellt. Andere Figuren wie Sam Hawkins, werden zur Randfigur. Dessen Begleiter aus den Romanen (Dick Stone und Will Parker, mit denen er das Berühmte Kleeblatt bildet) werden gleich ganz wegrationalisiert. 
Doch damit nicht genug. Auch tragende Figuren bekommen eine gänzlich andere Rolle zugeteilt, so Nscho-Tschi, die zur Schamanin avanciert und im dritten Teil – der Rückentext nimmt es fast vorweg, daher Vorsicht Spoiler – als Ehefrau von Old Shatterhand agiert.
 
Dass Mario Adorf in der Rolle als Santer Senior auftreten würde, war ja schon länger bekannt und ist eine nette Idee. Eine solche Rolle zusätzlich in die Handlung einzufügen trägt ja nicht zur Verfälschung des Romans als solchem bei. Und auch bei den alten Verfilmungen gab es den ein oder anderen Charakter, der in die Filme hinein geschrieben wurde. Doch, und hier bin ich wieder beim Vergleich der Hörspielumsetzung zur Neuverfilmung, die alten Filme orientierten sich deutlich mehr an den Romanen Karl Mays.
 
Fazit:
Die drei Hörspiele sind recht nett gemacht, bieten durch den Einbezug von Sequenzen der alten Melodien von Martin Böttcher auch nostalgische Querverbindungen, lassen den Karl May Fan, der das Versprechen einer authentischeren Verfilmung/Vertonung ernst genommen hat, jedoch enttäuscht zurück. Für all jene, die die Romane nicht gelesen haben mag die Hörspielumsetzung ein nettes Schmankerl sein, aber spätestens, wenn sich die Hörer animiert von dem Hörspiel den Original-Romanen zuwenden, wird die Überraschung groß sein.
 
Einzig Winnetou und Old Shatterhand bleiben charakterlich weitgehend so, wie sie in Karl Mays Büchern erscheinen, die Rahmenhandlung des ersten Hörspiels ist in Teilen auch noch mit dem Buch Winnetou I vergleichbar, doch was dann in den beiden weiteren Hörspielen folgt, lässt von Karl Mays Original nicht mehr viel übrig.
 
Schade! Die Vorfreude ist der Ernüchterung gewichen!
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