Oxygene Trilogy Hot

Nico Steckelberg   02. Dezember 2016  
Oxygene Trilogy

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
02. Dezember 2016
Format
CD
Anzahl Medien
3
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
8,0

Oxygene 1 war purer Zauber aus elektronischen Klängen. Musik, die man so vorher noch nie gehört hatte. Da ist ein Mann, der sich – zugegeben – sehr exzentrisch hinter seinen elektronischen Bedienelementen in Pose stellt, hier und dort an Knöpfen dreht und Tasten drückt, Melodien spielt, Klangteppiche erzeugt und so den Geräten eine Sound-Melange entlockt, die so zuvor noch nie wurde: Jean-Michel Jarre in seiner einflussreichsten Zeit, den späten 1970er-Jahren. Das Genre Electronica erlebt seine frühe Kindheit. „Musik für Sternwarten“, könnte man fast meinen.
 
Nach vielen weiteren Veröffentlichungen knüpfte Jarre Ende der 90er an das Album an, mit Oxygene 2. Dieses war jedoch nicht so erfolgreich wie sein Vorgänger. Dabei lag es nicht so sehr an der Musik an sich: Bereits der Opener orientierte sich soundtechnisch sehr eng am Mega-Track „Oxygene Pt. 4“. Die weiteren Stücke waren wesentlich rhythmischer als das phasenweise Ambient- und New Age-geprägte erste Album. Doch offenbar wollten die Menschen kurz vorm Jahrtausendwechsel von ihren früheren Idolen nicht mehr so viel hören.
 
40 Jahre nach Oxygene 1 kündigt Jean-Michel Jarre überraschend die Vollendung der Oxygene-Reihe an und lässt das Konzept zu einer Trilogie werden.
Oxygene 3 ist deutlich moderner und startet gar nicht erst den Versuch, sein Alter Ego aus dem Jahr 1976 zu kopieren. Vielmehr ist es der Versuch, die Stimmung von Oxygene in die heutige Zeit zu bringen, mit frischen Klängen. Und so ähnelt dieses Album wesentlich mehr seinem aktuellen Electronica-Projekt als seinen früheren Veröffentlichungen. 
 
Oxygene 3 lebt von seiner Mischung aus Ambient-Sounds, einem treibenden Pulsschlag und sphärischen Sounds, die durch jede Menge Filter gejagt werden. Und ja, natürlich sind da die analogen Sounds aus des Magiers Schatztruhe, die uns unweigerlich an 1976 erinnern, aber eben als Hommage zitiert, nicht als Schablone missbraucht. Das alles übt in der Mischung eine hypnotische Wirkung aus. 
 
Allerdings – und diesen Vergleich darf auch ein ehemaliger Pionier nicht scheuen – bleibt Oxygene 3 in seiner Spielfreude und Melodienvielfalt hinter den Releases der jüngeren Genre-Generation zurück. Verglichen mit Alben wie „The Understanding“ von Röyksopp oder dem, „Tron: Legacy“-Soundtrack von Daft Punk kann sich Oxygene 3 nicht behaupten. Der Grund dafür liegt meines Erachtens darin, dass man sich an Oxygene 3 als eine Grundstimmung erinnert, nicht jedoch eine Abfolge prägnanter Melodien. Hätte Jarre zusätzlich zu seiner genialen Produktion einen stärkeren Kompositionsteil fokussiert, dann würde sein Album im Kopf hängen bleiben wie eine Klette. So jedoch ist und bleibt Oxygene 3 „eine Stimmung“, an die man sich erinnert.
 
Die Oxygene-Box bietet einen vollständigen Überblick über alle 20 Titel mit dem Namen Oxygene. Das Artwork orientiert sich deutlich am 1976er Album.
 
Anspieltipps des neuen Albums: Oxygene 17 und Oxygene 14.
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