DAVID HOLY: Vom Anfangen, Durchziehen und dem Kampf gegen Millionen Widersacher

DAVID HOLY: Vom Anfangen, Durchziehen und dem Kampf gegen Millionen Widersacher Hot

Nico Steckelberg   08. November 2016  
DAVID HOLY: Vom Anfangen, Durchziehen und dem Kampf gegen Millionen Widersacher

Interview

Interview-Partner
Einleitung
Im Sommer 2010 quetschten sich die Hörspiegel-Redakteure Michael Brinkschulte und Nico Steckelberg durch die Nerd-gefüllten Gänge der Markthalle Hamburg. „Die Hörspiel“-Messe zog begeisterte Hörer, Pressevertreter, Sprecher und vor allem auch Hörspielmacher an (siehe auch unseren Archiv-Bericht). Und inmitten des Getümmels trafen wir zum ersten Mal auf ihn: David Holy, der – mit einem CD-Karton bewaffnet – persönlich Promotion für sein neues Projekt machte. Ein Projekt, dessen Titel uns damals noch nicht viel sagte. „Die letzten Helden“ sei ihm eine Herzensangelegenheit. Das Artwork der Promo-CD konnte schon damals sehr überzeugen! Doch was David dann erzählte, klang für die Skeptiker in uns zunächst nach „unerfüllbarem Wunschdenken“, denn diese Serie sollte ein Mammut-Projekt werden. Schon zu oft mussten die Hörer miterleben, dass überdimensionierten Serien mitten in der Produktion die Luft ausging. Oder dass sie nicht über den Testballon der Folge 1 hinausgingen. Würde das wohl auch den „Helden“ so ergehen?
 
Heute sind mehr als 6 Jahre vergangen, und wir treffen David Holy wieder.
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Das Interview

Nico Steckelberg (Hörspiegel): Schön dich zu sehen, David! Erzähl‘ mal, welche Etappen gab es auf Deinem Weg zum Hörspielproduzenten?
 
David Holy: Geboren wurde ich in meiner Heimatstadt Aschaffenburg in der ich erst die Haupt-, dann die Realschule und später das Gymnasium aufsuchte und meinen Schulweg mit Abitur verließ. Mich reizte immer die japanische Kultur und so studierte ich in Frankfurt BWL und Japanologie, brach dieses Studium ab und hatte zwei Jahre einen abenteuerlichen autodidaktischen Lernprozess voller Freude, aber mit leeren Taschen. In dieser Zeit widmete ich mich der Kunst, Programmierung und dem Design. Ich entwickelte Computerspiellevel, arbeitete mich in 3D Design ein und arbeitete an Webseiten. Eine sehr schöne Zeit. Zwei Jahre später kam ich in Kontakt mit einer lokalen TV-Station, dort erkannte der Chef der Produktion mein Potential und offerierte mir eine Lehre als Mediengestalter Bild und Ton. Ich arbeitete dort überwiegend in der Produktion als 3D-Designer und später als Kameramann für tagesaktuelles Geschehen (Wetter und tagesaktuelle Berichte). Im Juli 2005, nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, startete ich zum zweiten Mal das Projekt Holysoft. Und derselbe Monat war auch Beginn der Letzten Helden.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Wie lange hat die Vorbereitungszeit bis zur ersten VÖ gedauert?
 
David Holy: Die ersten Skripte wurden bereits 2005 fertig. Ich erweiterte meine Agentur 2006 um eine Tonabteilung. Bevor wir aber die letzten Helden produzierten, startete ich mein erstes Testprojekt: „Der Zukunftszug“, dann folgte die erste Episoden der Chroniken der Verdammten. 2008 war die erste Episode der Letzten Helden auch schon in Arbeit. Diese gab es in vielen Inkarnationen und wurde ständig verbessert und erweitert. Im Jahre 2009 erkannte ich das Potenzial und gründete mit einem befreundeten Unternehmer einen Verlag um das Projekt in seiner jetzt bekannten Form umzusetzen. Dabei statteten wir den Verlag mit ausreichend Kapital aus um eine Langzeitplanung zu ermöglichen. Und dann folgte erst 2010 die Veröffentlichung. Aber dafür in einem gewaltigen Ausmaß.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Ja, wenn man sich die Zahlen mal so anschaut, dann hast du „Die letzten Helden“ ja knallhart durchgezogen: Inzwischen hast du 13 der insgesamt 24 Folgen produziert. Folge 14 steht in den Startlöchern und der VÖ-Plan für die weiteren Storys ist bis Ende 2018 bereits geplant. Freut es dich, dass du den Skeptikern beweisen konntest, dass es eben doch geht, ein solches Projekt zu stemmen?
 
David Holy: Das ist eine witzige Frage. Noch haben die Skeptiker genug Stoff: Schließlich ist die Geschichte noch nicht abgeschlossen. Aber sie ist weitaus größer als anfänglich geplant. Ursprünglich haben wir das Projekt als 30-Stunden-Werk mit 24 Folgen, mit im Schnitt 2 CDs angekündigt. Jetzt haben wir bereits deutlich über 40 Stunden, sowie Sonderfolgen. Die Episoden selbst sind immens gewachsen. Mit der Zeit hat sich die Geschichte in meinem Kopf ständig erweitert. 
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Da wird es nicht nur Gönner geben. Wie geht man mit den weniger konstruktiven Kritikern um?
 
David Holy: Diese Frage wird vermutlich Seiten füllen. Aber zuerst sei angemerkt: In jedem zweiten Fall ist man auch selbst verantwortlich für solche Erscheinungen. Man sagt etwas Falsches, reagiert unerwartet oder andere sind schon durch Mundpropaganda auf Krawall gebürstet. Das Problem ist, man wird in eine Medienwelt geworfen und weiß meist nicht wie man damit umzugehen hat. Medienkompetenz muss über die Zeit erlernt werden. Das Internet ist etwas wie der Wilde Westen. Erst wird geschossen, dann gefragt. Im Schutz der Anonymität können sich Leute dort austoben und den Frust des Alltages, ihre Probleme oder einfach ihre Art zur Schau tragen. Für mich ist das leider Alltag, und ich komme damit zurecht. Wie Menschen mit Kriegen, Leid, Hungersnöten in Nachrichten zurechtkommen. Dennoch sind sie ein Schaden.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Du scheinst das ja recht gelassen aufzufassen. Inwiefern entsteht da ein Schaden?
 
Dvid Holy:: Die öffentliche Wahrnehmung wird beeinflusst. Meinungsbildner können das Salz in der Suppe sein, wenn sie sich für mein Produkt entscheiden oder nicht. Der Weg zum Erfolg oder zum Bestseller ist nicht nur durch Qualität erreichbar. Eine Vielzahl an Menschen entscheiden darüber: Unter anderem Händler, Presseleute, Fans, Käufer und Vertriebe. Als jemand in einem Forum immer wieder behauptete die Letzten Helden wären abgesetzt oder gingen nicht weiter, haben wir sehr viele erboste E-Mails und Abo-Kündigungen bekommen. Das ist ein spürbarer Schaden. Und das obwohl ganz klar ist: Die Serie ist nicht eingestellt und wird definitiv bis zur letzten Folge erscheinen, auch wenn dieser Zeitpunkt noch in der Ferne liegt. Schlussendlich schaden sich die Leute aber selbst, wenn sie das Produkt mögen. In zweierlei Hinsicht. Erstens: Sie verhindern weitere Werke. Und zweitens: Sie senken ihre eigene Lebensqualität.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Gab es denn zwischenzeitlich Momente, in denen du gedacht hast: „Ist mir jetzt scheißegal, ich mag nicht mehr.“ 
 
David Holy: Natürlich. Gerade immer in den stressigsten Phasen. Und vor allem, wenn man mit gewissen Individuen und Internetpersönlichkeiten konfrontiert wird. Aber wenn ich etwas in meinem Leben gelernt habe, dann, dass man alles, was man anfängt, auch durchziehen sollte. In einigen Jahren werde ich stolz und zufrieden zurückblicken und sagen: Es war gut, dass ich das durchgezogen habe. Ich habe auch sehr viel gelernt in dieser Zeit und bin auch für negative Erfahrungen sehr dankbar.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Durchzuhalten ist dein Hauptantrieb?
 
David Holy: Ich bin kein Typ, der aufgibt. Ich könnte Millionen Widersacher haben und ich würde mich durch jeden einzelnen durchkämpfen. Es wird einem nichts geschenkt. Für Erfolg muss man arbeiten. Sehr hart. Vor allem im Hörspielbereich, indem ein Großteil aller Hörer ein illegales Angebot wahrnehmen.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Sicherlich eine riesige Herausforderung. Aber davon kann es ja offenbar nicht genug geben, wenn man sich einmal anschaut, dass nebenbei noch ganze Serien bei Holysoft aus der Taufe gehoben werden, egal ob Originalserien oder Lizenz-Themen: Heff der Chef, Videospielhelden, Drachenlanze, Cyberdetective , Holy Klassiker oder die Fußballbande: Wie schaffst du es, bei all den Serien den Überblick über den aktuellen Stand der einzelnen Folgen zu behalten?
 
David Holy: Naja, ich habe das ganze Material geschrieben. Sie sind so etwas wie meine Babys: Und man vergisst doch nicht die eigenen Kinder! Selbst die kleinsten Details bleiben einem im Kopf. Die Serien haben mich aber vor ganz andere Herausforderungen gestellt. Nach dem Erfolg der Letzten Helden war die Drachenlanze ein Wunschprojekt von mir. Diese war ursprünglich als 1-CD-Variante geplant, wurde aber deutlich größer. So haben wir uns Ressourcen für die Letzten Helden blockiert. Das ist das Problem mit vielen Baustellen: Es dauert länger, muss sich aber nicht auf die Qualität negativ auswirken, eher im Gegenteil: Das Produkt kann kreativ in den Köpfen weiter reifen.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Welche Baustellen sprichst du konkret an?
 
David Holy: Neben den Hörspielserien, die ich jedes Jahr betreue habe ich noch viele andere Pflichten. Neben der Betreuung meiner Agentur und deren Kunden habe ich auch eine Immobilienfirma, einmal ein Gewerbe und seit neuestem die Holy Immobilien GmbH. Zudem arbeite ich seit Jahren an der TV-Serie der Letzten Helden und dem Computerspiel. Letzteres schreitet immer besser voran und ich hoffe bald den ersten Trailer zu veröffentlichen. Die Produktion wird nur zum Teil in Deutschland durchgeführt. Ich habe weltweit Lieferpartner und eine eigene Produktionsfirma im asiatischen Bereich, die aktuell konstant wächst und immer mehr Zeit von mir einfordert. Zudem bin ich ein unruhiger Geist. Ständig schwirren Ideen in meinen Kopf und ich versuche Teile davon umzusetzen. Ich habe aber erkannt, dass ich mich in Zukunft immer mehr konzentrieren und fokussieren muss, daher habe ich bereits eine Firma (Die Holy Studio GmbH) liquidiert. Damit habe ich mir etwas eigene Ressourcen freigeschaufelt.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Kann man von dir noch weitere Lizenzstoffe erwarten?
 
David Holy: Nein. Ganz sicher nicht. Der Vorteil an eigenen Serien/Stoffen ist das ich alle Rechte innehabe. Diese Freiheit werde ich mir nie wieder nehmen lassen. Ich habe da sehr viele negative Erfahrungen mit Lizenznehmern gemacht. Ich fühle mich mit meinen eigenen Marken pudelwohl. Keine diktiert mir, wie, wo oder wann ich etwas zu veröffentlichen habe. Ich habe keine Lizenzgebühren abzutreten. Und ich habe später das Recht die Marke zu veräußern. Auf all das verzichte ich mit einem Lizenzstoff. Natürlich haben Lizenzen Vorteile, da sie weithin bekannt sind. Aber ich entscheide mich lieber für den steinigen schwierigen Weg etwas selbst aufzubauen.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Aufbauen! Gutes Stichwort! Gib doch mal unseren Lesern einen Tipp, die überlegen, eventuell selbst mal ins Hörspiel-Business einzusteigen. Ist es besser, sich als junger Hörspielmacher auf eine Serie zu konzentrieren oder ist Diversifikation der bessere Weg?
 
David Holy: Es ist vor allem eines wichtig: Erst einmal etwas zu starten. Wenn man davon leben möchte wird man Jahre Arbeit investieren müssen. Es ist also sinnvoll, eine Nebentätigkeit zu haben um sich über Wasser zu halten. Die wenigsten Labels und Leute können davon leben. Die Verkaufszahlen werden von vielen überschätzt. Der Großteil der „Online“ Labels in Foren sind Leute, die eine Liebe für das Medium haben und sicher nicht die Geldscheine in einem Tresor zählen...
Aber ob jetzt eine Serie oder mehrere: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine erfolgreiche Serie mit konstantem Output liefert Stabilität und macht die finanzielle Planung einfacher. Daher kommen auch demnächst zwei neue Serien zu den Letzten Helden. Wir wollen ab einem gewissen Zeitpunkt für einen monatlichen Veröffentlichungs-Rhythmus sorgen. Das wird aber leider noch eine ganze Weile dauern.
 
Und zu allerletzt seid immer freundlich. Auch wenn ihr jemanden nicht mögt, behandelt die Leute mit Respekt. Lasst euch nicht durch das „Stille Post“-Syndrom anstecken. Wenn ihr etwas über jemanden gehört habt, bildet euch lieber eure eigene Meinung. Es ist leider so, dass viele, unter anderem auch Kollegen, nicht sehr professionell miteinander agieren. 
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Über wen sprechen wir hier?
 
David Holy: Man nennt niemals Namen, das wäre ein Mangel an Respekt. Man sollte sich lieber mit den Betroffenen gut stellen und das unter vier Augen klären. Und wenn man dazu nicht in der Lage ist, einfach getrennte Wege gehen. Man sollte Hintergründe verstehen, dann fällt einem vieles leichter. Meckert der Kollege gegen eine Serie? Ein gutes Indiz, dass er die eigenen Felle wegschwimmen sieht, also seine Verkäufe in Gefahr sieht. Oder er persönliche Probleme hat, die sich so ein Ventil schaffen. Wird man hart von anderen angegangen, die man nicht einmal direkt kennt: Keine Frage, da war schlechter Leumund im Hintergrund. Man muss sich immer einmal in solche Menschen direkt hineinversetzen: Was für ein Leben führen sie? Warum sind sie nicht einfach freundlich? Oder professionell? Die Antworten sind vielfältig, die einen lieben ihr Produkt und haben so viel Herzblut hineingesteckt, dass jede Kritik (selbst auch angebrachte) einfach abprallt und sie diese als persönlichen Angriff sehen. Andere haben es nicht anders gelernt und sind selbst konstant in einer unfreundlichen Umgebung. Manchmal kann man jemanden einfach nicht „riechen“, oder seine Art passt einem nicht. Mit etwas Empathie und Menschenverständnis wird einem das viel klarer. Nicht umsonst heißt es: „Mitleid kriegt man geschenkt. Neid muss man sich verdienen.“ Oder „Viel Feind, viel Ehr!“
Zu der Verteidigung manch anderer: Ich bin aber auch kein einfacher Typ. Ich kann manchmal sehr polarisierend wirken und bin wirklich harschen und extremen Umgang gewohnt. Und das schon seit meiner Kindheit. Und gerade deswegen habe ich gelernt, dass ein freundlicher und respektvoller, sowie gewaltfreier Umgang die einzige richtige Lösung ist. 
Manchmal finde ich den Umgang unter Kollegen sehr traurig, da sich der eine talentierte oder fähige Mensch sich eine große Chance – zumindest bei mir – verbaut hat. Daher ziehen sich viele Kollegen zurück, aufgrund solcher Erfahrungen. Ich möchte immer nah beim Menschen bleiben, der meine Geschichten mag und liebt, da ich wirklich dankbar dafür bin. 
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Wie stellst du diese Fannähe her?
 
David Holy: Ich versuche jede E-Mail, jede wichtige Frage auf Youtube und in gewissen Online-Foren zu beantworten. Sollte ich die Zeit finden, rufe ich zudem jeden Abonnenten persönlich an und bedanke mich und würde gerne wissen, wie er die Serie findet, was er gut und schlecht findet. Das hilft mir alles zu verbessern. So haben Fans ein direktes Ohr für ihre Hörspielbedürfnisse und ich ein guten Feedback. Und ich freue mich, dass so nette Leute meine Werke hören. 
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Facebook, Online-Foren, Messebesuche… Aus Deiner Erfahrung: Welche Kommunikationskanal kannst du am ehesten empfehlen?
 
David Holy: Ich denke, jegliche Form dieser Kommunikationsformen ist notwendig und wichtig. Und jede birgt andere Herausforderungen. Bei Facebook-Präsenzen hat man über die eine Seite viel mehr Kontrolle und kann so regulierend eingreifen. Hingegen sind Foren wild und ungestüm: Es ist meist sehr schwer, dort ähnlich einem direkten Gespräch zu agieren. Es ist sehr häufig auf Stammtischniveau, obwohl es dennoch ein wirklich hilfreicher Ort für Gleichgesinnte ist. Man lässt sich auch manchmal aus der Ruhe bringen, was nicht immer gut ist, aber der Menschlichkeit der eigenen Person geschuldet. Ich gehe vor allem auf Messen um Kollegen zu treffen oder neue kennenzulernen. Der direkte Kontakt ist meist der angenehmste, da man direkten Augenkontakt hat und die Leute von Grund auf höflicher sind. Schlussendlich gilt zu sagen: Alles hat seine Vorzüge, seine Vor- und Nachteile.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Dann lass uns noch einmal zur Hörspielproduktion an sich zurück kehren. So ein Hörspiel-Projekt erfordert natürlich jede Menge Disziplin und Koordination. Was kannst du empfehlen, worauf sollten junge Hörspielmacher am meisten achten, wenn sie ihre eigenen Produktionen angehen möchten?
 
David Holy: Führt das, was ihr angefangen habt, zu Ende. Nichts anderes. Auch wenn es nicht immer perfekt ist, andernfalls sieht man nie die Früchte der Arbeit.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Du selbst bringst von Haus aus ja schon viele Skills mit, die dir als Produzent helfen. Was kann man denn als Newbie am ehesten dazulernen, wenn man bisher noch nicht so viel damit zu tun hatte? Bringen Skript-Workshops etwas? BWL-Crashkurs belegen? Wie wichtig ist Projektmanagement und sollte man am besten schon eine Affinität für Ton-Technik mitbringen? 
 
David Holy: Vor allem eines ist wichtig: Man sollte kritikfähig sein. Und aus anderen Produktionen lernen. Das Skript ist der wichtigste Start für das Hörspiel. Ist dieses schlecht, hat das ganze Projekt keine Aussicht auf Erfolg. Mit der Zeit wird man immer besser, wobei es auch Leute gibt, die konstant auf der Stelle treten. Das ist sehr traurig. Mit viel Zeit, Motivation und Leidenschaft wird man früher oder später ein schönes akustisches Hörerlebnis zaubern können. Es ist dabei wichtiger etwas abzuschließen, als ewig an etwas zu basteln, was nie veröffentlicht wird. Natürlich kann man sich durch Bücher oder Skript-Workshops weiterbilden. Manches hilft mehr, manches weniger. Solange man es nur macht. Projektmanagement ist bei kleinen Projekten nicht so sehr von Bedeutung, wie bei massiven Großproduktionen. Hier haben wir mittlerweile ein automatisiertes System: Ich weiß gar nicht, wie wir das zuvor ohne ein solches realisiert haben. Von Haus aus bin ich zwar gelernter Mediengestalter, da ich aber weder schneide, noch mit Technik zu tun habe, tritt dieser Aspekt in den Hintergrund. Ich habe eine Liebe für Geschichten. Für Freundschaft. Und für die Realität des Lebens. Auch wenn das jetzt kryptisch klingt: Diese Grundessenz findet sich in meinen Geschichten. Und ich denke deswegen lieben die Menschen die Charaktere und Handlungen.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Mit den „letzten Helden“ hast du ja zwischenzeitlich auch einen ganz neuen Vertriebsweg eingeschlagen. Man konnte Deine Hörspiele am Kiosk kaufen, zusammen mit einem Fanmagazin. Dein Fazit?
 
David Holy: Man muss sich immer weiter ausprobieren. Ich bin einmal gespannt auf das Computerspiel und dessen Rezeption. Wird es die Letzten Helden voranbringen, oder nicht? Das Magazin war eine interessante Erfahrung. Ich hoffe, dass bald auch die Comics fertig sind. Diese sind jetzt schon weit über Zeitplan, aber leider ist das Zeichenteam momentan auch sehr in das Computerspiel involviert.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Kürzlich hat der Phantastik-Autor Kai Meyer auf seiner Facebook-Präsenz die News veröffentlicht, dass die Holysoft Studios zwei seiner Trilogien vertonen werden. Die erste Hörprobe zur „Merle“-Trilogie ist bereits kostenlos bei YouTube zu hören. Was macht für dich den Reiz an Kais „Merle“-Geschichte aus?
 
David Holy: Kai Meyer ist ein Meister der realistischen Phantastik. Diese Kombination aus Realität und Phantasie ist es, die viele einfach in seine Welten eintauchen lässt. Sie sind näher an der Realität des Lesers.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Wie gestaltete sich für dich die Zusammenarbeit mit Kai Meyer?
 
David Holy: Angenehm. Wir telefonieren bei wichtigen Arbeitsschritten immer wieder um beide zu gewährleisten, dass das Projekt die bestmöglichste Qualität erreicht. Jetzt ist es ja bald soweit. Wir können sicher behaupten: Die Merle-Trilogie erscheint 2016.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Auch bei „Merle“ zeigt sich wieder einmal, wie viel Wert du auf das grafische Konzept legst. Die Cover-Illustrationen stehen beispielsweise den Kai-Meyer-Comics aus dem Splitter-Verlag in nichts nach. Andere Hörspiel-Macher bedienen sich lieber aus Bild-Pools, weil sie sagen: Mein Job ist es, ein gutes Hörspiel zu machen. Aus welchem Grund investierst du mehr Zeit und Geld – und gehst damit natürlich auch ein höheres Risiko ein –, damit deine Hörspiele auch gut aussehen?
 
David Holy: Die Bedeutsamkeit des Covers wird von den meisten Produzenten deutlich unterschätzt. Ein Käufer der das Produkt nicht kennt, entscheidet sich vor allem anhand des Covers bei einem Erstkauf. Das Cover wirkt sich auch auf das Hörspiel aus. Sieht das Cover billig aus: Hat man die Erwartung, dass auch die Produktion billig ist. Daher ist es essentiell gute und aussagefähige Cover-Illustrationen zu garantieren.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Wenn die Welt immer digitaler wird und Musik und Hörspiele in einigen Jahren bis auf einen Bodensatz digital konsumiert werden – ggf. nur noch gestreamt –, wie begegnest du diesem Trend in Sachen Grafik-Konzept? Welchen Stellenwert haben schöne Verpackungen dann noch für die breite Masse? Stellt dieser Wandel im Konsumverhalten eine Gefahr für die Diversifikation dar?
 
David Holy: Streaming wird deutlich wachsen. Das größte Potenzial im Streaming sehe ich auf jeden Fall darin, dass ehemalige illegale Nutzer, die sich das Werk ohne Bezahlung organsiert haben, nun kostenfrei hören können und dennoch dazu beitragen, dass die Produktionskosten gedeckt werden. Eine gute Optik wird immer ein Verkaufsargument sein. Der Ersteindruck entscheidet schließlich ob man einen Blick wagt oder nicht. Eine Gefahr für die Diversifikation, also die Ausweitung der Wahlmöglichkeiten, sehe ich nicht. Es wird immer CD-Käufer und Downloader geben. Neuerdings eben auch einen verstärkten Anteil an Streamern.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Back to Merle… Marco Göllner ist auch mit an Bord als Skripter, wie ich hörte. Wie habt ihr zwei denn zueinander gefunden? 
 
David Holy: Marco war auch Bearbeiter von früheren Kai-Meyer-Werken, so lag es nah, ihm diese Arbeit anzubieten. 
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Marco ist ja besonders bekannt für seine Horror- und Action-Knaller, David Holy steht im Wesentlichen für Fantasy und Adventure. Harmoniert ihr zwei gut miteinander? 
 
David Holy: Wir haben noch kein gemeinsames Kind, aber man weiß ja nie. Spaß beiseite. Da wir seit 2013 miteinander arbeiten und das immer noch gemeinsam tun, kann man wohl von einer gewissen Harmonie sprechen. Oder bezahlten Rechnungen. (Lacht.) Aber schlussendlich haben wir dieselbe Wellenlänge. Daher passt alles.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Wann dürfen wir denn mit den ersten Klängen rechnen? In welchem Status befinden sich die beiden neuen Kai-Meyer-Serien?
 
David Holy: Die Skripte sind bereits seit Jahren schon verfasst worden. Die meisten Aufnahmen auch schon im Kasten. Es mangelt im Moment schlicht an einem guten Bearbeiter. Das ganze wird also noch etwas dauern, aber sicher nicht so lange wie der Merle-Trilogie.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Mit welchem Sprecher hattest du bislang am meisten Spaß bei den Aufnahmen?
 
David Holy: Das lässt sich sehr schwer festlegen. Es gibt so viele talentierte, nette und fantastische Sprecher. Ich bin dankbar für all diese Stimmen, die meine Werke zum Leben erwecken.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Was planst du für die Zukunft? Wird es wieder neue Serien geben? Eventuell ganz neue Marketing- oder Hör-Konzepte? Bei dir muss man ja auf alles gefasst sein… 
 
David Holy: Ich ziehe meine Planung bis 2020 durch. Und dann werden alle Karten auf den Tisch geworfen. Es ist wirklich alles möglich. Ich halte es für sehr realistisch, dass ich mich zurückziehe und anderen Pflichten widme und das Zepter im Hörspielbereich an andere gebe.
 
Nico Steckelberg (Hörspiegel): Vielen Dank, David Holy, für dieses spannende Interview. Wir wünschen dir viel Erfolg mit der „Merle-Trilogie“! Was möchtest du unseren Lesern gern noch zum Abschluss mit auf den Weg geben?
 
David Holy: Unterstützt uns mit einem ABO! Das hilft am meisten. Und denkt dreimal nach, bevor ihr euch ein illegales Produkt zieht. Ihr schadet damit euch selbst. 
Und vor allem eines: Genießt das Leben und seid freundlich. Es gibt schon genug unfreundliche Leute in der Welt. :)

Weblink

https://www.dieletztenhelden.com

https://www.merle-hoerspiel.de/
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