Schöne neue Welt Hot

Michael Brinkschulte   03. April 2017  
Schöne neue Welt

Rückentext

Das Hörspiel zum Scifi-Klassiker
 
Im Jahre 632 nach Ford ist die Welt ein perfekter Ort: Kriminalität und Armut gehören der Vergangenheit an. Babys werden in Flaschen gezüchtet und so konditioniert, dass sie später, betäubt durch die Glücksdroge Soma, zufrieden den ihnen zugedachten Platz in der Gesellschaft einnehmen. Doch dann betritt ein sogenannter Wilder die „Schönen neue Welt“. Der faszinierende Fremde, der über Gefühle und Freiheit spricht, wird wie ein Star gefeiert – bis er zur Bedrohung für die selbsternannte Zivilisation wird. Huxleys weltbekannter Zukunftsroman als brillante Hörspiel-Adaption von Regine Ahrem, hochkarätig besetzt mit Gerd Wameling u.v.a.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
6,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
8,0

Wie ist das Hörspiel umgesetzt?
 
Rund zwei Stunden lang ist das auf zwei CDs gelieferte Hörspiel aus der Produktion des Kulturradio rbb. Leslie Malton übernimmt die Rolle der Erzählerin, die den Rahmen der Handlung vermittelt. Darüber hinaus sind bekannte Stimmen von Cathleen Gawlich, Regina Lemnistz, Britta Steffenhagen, Lars Rudolph, dem schon im Rückentext erwähnten Gerd Wahmeling und Udo Schenk zu nennen, mit denen die über 20 Sprecher umfassende Liste noch nicht endet. Als Gast wird im Digipack explizit Irm Hermann benannt.
Die mit zuweilen zu laut eingespielter Musik und ebensolcher Geräuschkulisse inszenierte Hörspieladaption des Romans baut eine spannende Grundstimmung auf, die den Hörer zu fesseln und zu schockieren weiß. Hinsichtlich des Soundgewandes wäre weniger mehr gewesen.
Die beiden CDs werden im Digipack von einem Booklet begleitet, das ausführliche Informationen zum Autor, ein Interview mit der Regisseurin sowie Fotos aus dem Studio beinhaltet.
 
 
Resümee:
 
Eine Gesellschaft, die sich aus für bestimmte Positionen gezüchteten Menschen zusammensetzt, die je nach Manipulation des sich entwickelnden Embryos mal mehr mal weniger intelligent sind. Zudem werden die Menschen in ihrem vorgesehenen Rollenspektrum bewusst durch Drogengabe fixiert, sodass sie nicht rebellieren.
 
Dieses Bild allein ist schon eines, das schockiert und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Huxley seinen Roman schon 1932 veröffentlichte, wirkt die damalig futuristische Ausrichtung mit heutigem Blick noch schockierender. Ist es doch möglich Embryonen zu manipulieren, Geburten zu steuern und unter Vernachlässigung gängiger Norm- und Wertvorstellungen ähnliche Szenerien wie im Roman bzw. hier im Hörspiel heraufzubeschwören.
 
Die vorliegende Inszenierung besticht durch die gelungene Dramatisierung einerseits und die nicht überzeichnete Umsetzung andererseits. Denn die geschilderten Geschehnisse werden nicht in eine utopische Szenerie gehoben, sondern wirken wie ein real möglicher Plot.
Ein spannendes und zugleich auch gesellschaftskritisches Szenario, bei dem sich die Frage aufdrängt, wie lange es noch Science-Fiction bleibt, was sich Aldous Huxley ausdachte. 
Zu beachten ist, dass die Bearbeitung des Stoffes für die Hörspielfassung neben deutlichen Kürzungen einige Veränderungen nach sich zieht, die von Regisseurin Regine Ahrem im Interview näher erläutert werden. Gerade durch diese Anpassungen an die heutige Gesellschaft bzw. unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Wandels seit Huxley wirkt das Hörspiel aktuell und am Puls der Zeit. 
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