Bierleichen Hot

Nico Steckelberg   19. November 2015  
Bierleichen

Hörspiel

Hörspiellabel/Verlag
Erscheinungsjahr
Format
Radio

Rückentext

Seit seinem Rauswurf bei der Regionalzeitung “Hochschwarzwald-Kurier” plagt Alfred in große Geldnot. Sogar die Wohnung soll ihm gekündigt werden. Da kommt der Auftrag, eine Firmenchronik für eine Brauerei im schwarzwäldischen Rothaus zu schreiben, gerade richtig. Jedoch kommt der pedantische Betriebsrentner Heinz Böckler, der die historischen Dokumente gesichtet hat, unter mysteriösen Umständen zu Tode: Er ist in einem der großen kupfernen Braukessel ertrunken. Weshalb war Heinz Böckler am Wochenende im Brauhaus? Und wie konnte er durch die enge Luke in den Kessel stürzen? Für die Polizei, die ihn jeden Morgen aus dem Bett klingelt, ist ausgerechnet Alfred jedes Mal aufs Neue verdächtig. Wie kann man ihn endlich überführen? Alfred hingegen, der immer tiefer in den Dokumenten wühlt, beschäftigt eine ganz andere Frage: Können die historischen Wirren der Badischen Revolution heute noch das Motiv für eine Mordserie abgeben?

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
8,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
8,2

Das „Tannenzäpfle“ kennt wohl jeder Bierliebhaber, auch weit über die Grenzen des Schwarzwalds hinaus. Gebraut in der berühmten „Badischen Staatsbrauerei“ Rothaus in Grafenhausen. Und ebenda ist ein Mord geschehen! Denn dass ein Mann versehentlich kopfüber in den kupfernen Braukessel fällt, ist wohl ausgeschlossen. Nicht nur die Polizei ermittelt, sondern auch der dauerpleite Journalist Alfred recherchiert. Allerdings mit anderem Auftrag: Er soll die Chronik des Betriebs aufarbeiten. Allerdings verstrickt sich sein Auftrag zunehmend mit den mysteriösen Geschehnissen rund um die Brauerei. Denn bei einem Toten soll es nicht bleiben, und die Aktenordner, die Alfred zur Recherche mit nach Hause genommen hat, scheinen für einen gewissen Täter von gewissem Interesse zu sein.

Mit viel schwarzem Humor und einer ordentlichen Portion Lokalkolorit lässt Tobias Krebs die Geschichte aus der Feder von Roland Weis hier aufleben. Für die Hauptrolle des abgewrackten Journalisten mit Mietschulden wurde Oliver Wnuk gewonnen. Wir kennen ihn bereits aus diversen Radio-Tatorten und als „Ulf“ in der TV-Serie „Stromberg“. Sehr gute Besetzung, ebenso wie auch die anderen Rollen: Es gibt jede Menge schwarzwälder Mundart, die aber nicht zu dick aufträgt. Als Erzählerin fungiert Hede Beck, neben weiteren Schauspielern hören wir auch Tilo Pückner und Katharina Friedel.

Die Musik von passt prima und lockert das Hörspiel gut auf, das sich insgesamt sehr an einer authentischen Geräuschkulisse orientiert, was auch bedeutet, dass die Sprecher durchaus mal etwas dynamischer klingen als man es von Kinder- und Jugendhörspielen heute kennt.

Etwas irritiert war ich von den historischen Flashbacks, die sehr unvermittelt auftreten. Wenn man das Prinzip jedoch einmal verstanden hat, helfen diese kurzen Episoden beim Verständnis der Motive und der Auflösung des Falls am Ende.

Fazit: Klasse Fall, sehr einfallsreich. Und: Er lädt den Hörer ein, vielleicht im nächsten Schwarzwaldurlaub einen Umweg für eine Brauereibesichtigung in Kauf zu nehmen.

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