Solo Hot

Nico Steckelberg   15. Dezember 2013  
Solo

Hörbuch

Untertitel
Ein James-Bond-Roman
aus der Reihe
Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
8

Rückentext

1969. Ein altgedienter Geheimagent. Ein einsamer Auftrag. Eine Lizenz zum Töten. William Boyd, Meister der Täuschung und des doppelten Spiels, gilt seit seinem Roman Ruhelos als Großer der Spionageliteratur und führt nun erstmals 007 selbst auf Abwege. Ein raffiniert-verwickeltes James-Bond-Abenteuer: Klassisch, voll unerwarteter Wendungen, mit zwei enigmatischen Bond-Girls und endlich wieder einem 007, der Wodka Martini trinkt – geschüttelt, nicht gerührt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
6,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
7,3

Die Marke James Bond. Nicht allein in der Gattung Film ist Bond aktiv, wie zuletzt mit dem Blockbuster „Skyfall“. Auch die Literaturwelt darf sich seit jeher über neue Bond-Geschichten freuen, auch nach dem Ableben von Bond-Schöpfer Ian Fleming. Zuletzt erhielt der britische Bestseller-Autor William Boyd den Auftrag, den Geheimagenten 007 mit einem neuen Fall zu betrauen. Boyd folgt dabei dem Grundsatz, dass er Ian Flemings Bond so naturgetreu wie möglich spiegeln möchte. Das gelingt ihm auch recht gut. James Bond raucht, trinkt Wodka Martinis, hat eine Narbe im Gesicht und eine Stirnlocke. Bond ist im besten Alter und der Roman spielt 1969.

Boyd führt Bond – natürlich (wer Boyd kennt) – nach Afrika, wo er den Krieg in einem von Hunger und Elend geplagten Land beenden soll. Getarnt als Mitarbeiter einer französischen Presseagentur lernt schnell die dunklen Machenschaften der diktatorischen Regierung kennen.

Eigentlich ist alles enthalten, was eine Bond-Story braucht: Exotische Handlungsorte, zwei heiße Bondgirls, Felix Leiter, eine „Solo“-Tour, die von „M“ nicht autorisiert ist, einen Gegenspieler, der brutal vorgeht und diesen typischen „Tick“ hat, den alle Villains haben, und jede Menge altmodischer Agenten-Kram. Was also stimmt hier nicht? Für mich ist der Roman nicht rund. Ja, es kommen ab und an originale Fleming-Momente auf. Dann wiederum dreht sich viel zu viel um Details, dadurch ist der Tempoaufbau nicht harmonisch, sondern es gibt Tempo-Wellenlinien, die irgendwann vorhersehbar werden. Boyd schafft es nicht, die Sixties-Atmosphäre allein über die Nennung von Markennamen und Autotypen zu transportieren. Die übertriebene Brutalität einiger Szenen ist ebenso abschreckend wie überflüssig. Die eigentliche Story ist austauschbar, Emotionen kommen nicht wirklich rüber. Schade.

Dass das Hörbuch von Dietmar Wunder, der deutschen Stimme von Daniel Craig, ungekürzt gelesen wird macht den Roman dann doch noch ein bisschen „Bondig“. Gute Lesung, wie erwartet.

Fazit: Manchmal reicht die Mischung aus Kultautor, Kultfiguren und Kult-Zeitalter nicht aus um ein gutes Buch entstehen zu lassen. Manchmal braucht es auch eine gute Idee und den richtigen Rhythmus.

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