Lisa Hot

Nico Steckelberg   05. Juni 2011  
Lisa

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Verlag
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
3
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Rückentext

„Ich will nicht gefunden werden.” Ein Mann hat sich mit seinem Sohn in einem verlassenen Landhaus verschanzt. Jeden Abend setzt er sich mit reichlich Whisky und Koks vor ein Mikrofon und erzählt per Internet−Radio einem virtuellen Publikum, warum er auf der Flucht ist. DNA−Analysen beweisen das Unglaubliche: Lisa, eine Schwerkriminelle, begeht rätselhafte Verbrechen auf der ganzen Welt und ist nun in seine Wohnung eingebrochen. Er wird ihr nächstes Opfer sein...

LISA ist der Roman einer Zeit, in der das Internet der letzte verbliebene Ansprechpartner ist, in der Medien und Gewalt genauso miteinander verquickt sind wie Realität und Fiktion und in der sich der einzelne nur mit Selbstironie vor dem Wahnsinn retten kann.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
7,0
Aufmachung 
 
5,0
Gesamtwertung 
 
6,5

Wir alle erinnern uns an den Kriminalfall, in dem eine unbekannte Frau an vielen verschiedenen Verbrechen beteiligt war, die keinerlei Zusammenhang aufzuweisen schienen. Am Ende stellte sich heraus, dass lediglich das DNS-Analysematerial durch eine Mitarbeiterin verunreinigt war.

So weit so gut. Thomas Glavinics Roman „Lisa“ setzt auf dieser wahren Begebenheit auf. Es ist weniger eine Erzählung als vielmehr ein Ein-Mann-Stück. Der Protagonist sitzt vor einem Mikrofon und spricht über seinen kleinen Internetradiosender an ein Publikum unbekannter Größe. Vielleicht hört auch gar niemand zu. Im Laufe der Erzählungen, die immer mal wieder ins Belanglose abdriften, erfährt der Hörer, dass zu Hause beim Protagonisten eingebrochen wurde. Und es wurden genau die DNS-Spuren der damals noch Unbekannten Frau gefunden, die mit so vielen Verbrechen in Zusammenhang gebracht wird. Er nennt sie Lisa. Der Hörer erfährt nach und nach mehr Details über ihre skrupellosen Taten, die man als Unmenschlich bezeichnen kann. Zusammen mit seinem Sohn hat sich der Protagonist in der Einsamkeit verschanzt, unter der unbändigen Angst, Lisa käme zurück und würde ihnen etwas antun. Dabei gerät er mehr und mehr in einen Drogen- und Paranoia-Rausch.

Ich bin hin- und hergerissen von „Lisa“. Einerseits ist die Idee hinter der Geschichte toll. Die Art der Präsentation ist ein Hinhörer! Und Christian Brückner als Interpret ist eigentlich immer unschlagbar. Wer gerade keine Stimme zum Namen im Kopf hat: Brückner ist die häufigste deutsche Stimme von Robert DeNiro. Und genau hier kommt das Problem des Hörbuchs: Der Protagonist wird als viel jünger skizziert als Brückner klingt. Es gibt eine Textstelle aus dem Buch, die das Problem gut wiedergibt. Ich gebe sinngemäß wieder: Junge Leute können älteren gut vortäuschen, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Ältere hingegen werden niemals die Sprache der jüngeren imitieren können. Und genauso ist es. Glavinics Sprache ist zu jugendlich für Brückners Altherrenstimme. Wie gesagt: Es gibt nicht viele Sprecher, die es mit Brückner aufnehmen können. Aber speziell für dieses Buch ist er nicht die optimale Besetzung.

Unterm Strich leidet die Story auch durch die vielen Stellen voller Belanglosigkeit, in denen der Hörer nicht recht weiß, in welche Richtung es ihn treibt. Ein Plus gibt es wie bereits erwähnt für die gute Idee und das gut vermittelte Gefühl der Paranoia!

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