Goat Mountain Hot

Tobias Richwien   28. Oktober 2014  
Goat Mountain

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Verlag
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Format
CD
Anzahl Medien
5
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Rückentext

Etwas Besonderes soll er werden, der erste richtige Jagdausflug des elfjährigen Jungen mit seinem Vater, seinem Großvater und einem Freund des Vaters. In Vorfreude darauf, seinen ersten Hirsch zu schießen, bricht er mit den Männern auf. Als sie das Jagdrevier der Familie erreichen, sehen sie in der Ferne einen Wilderer. Der Vater lässt den Jungen durchs Zielfernrohr seines Jagdgewehrs auf den Eindringling blicken – doch statt nur zu beobachten, drückt er ab. Und wirkt dabei befremdlich unberührt. Bestürzung über die eigene Tat, Tränen oder Reue bleiben aus. Ist dem Jungen die Tragweite seiner Tat nicht bewusst? Hat er kein Mitgefühl? Was als Ausflug geplant war, wird zu einem archaischen Ringen, das die Männer an ihre Grenzen bringt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
7,0
Gesamtwertung 
 
7,8

Der Mensch ein Teil der Natur, Leben und Sterben ebenfalls. Das Töten ist auch natürlich, es gehört zum Grundprinzip von Jäger und Beute und steckt auch in uns Menschen.
Schon seit Jahrtausenden steckt dieser ursprüngliche Trieb in uns, und er ist auch jetzt noch in vielen Kulturen ein ständiger Begleiter im sozialen Miteinander. So auch in der Handlung des mittlerweile vierten Romans des amerikanischen Schriftstellers David Vann, der hier einen weiteren Teil seiner persönlichen Erfahrung und Lebensgeschichte literarisch verarbeitet.
Auch in den vergangenen Jahrzenten, die insbesondere in den USA von rasantem technischem Fortschritt geprägt sind, pflegen Menschen indianischer Abstammung die uralten Sitten ihrer Vorfahren. Darunter auch solche, die durch eine erfolgreiche Jagd auf einen Hirsch das Mann sein bekunden sollen. Doch was der elfjährige Junge, der mit seinem Vater, seinem Großvater und einem Freund des Vaters zum Jagen in die Wildnis hinausgefahren ist, durch das Zielfernrohr betrachtet und gar emotionslos erschießt, ist ein Mensch und kein Hirsch.
Die Welt kann nicht mehr so sein wie zuvor, und es gibt auch keine Philosophie der Natur, keine Begründung der irdischen Gesetze, die das Geschehene rechtfertigen kann.

David Vann zeigt uns mit seinem geradezu düsteren Roman, der durch den routinierten und dennoch überlegenen Sprecher Christian Brückner perfekt inszeniert wird, welcher moralische Irrglaube hinter dem Gedanken des geborenen Jägers und der Selbstverständlichkeit seiner Waffen steckt. Ein packendes Hörbuch, welches allerdings auch einige Anstrengung von seinem Zuhörer verlangt.

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