EDMOND HAMILTONs 'The Return of Captain Future' als großartige inszenierte Lesung

EDMOND HAMILTONs 'The Return of Captain Future' als großartige inszenierte Lesung           Hot

Nico Steckelberg   20. März 2012  
EDMOND HAMILTONs 'The Return of Captain Future' als großartige inszenierte Lesung

Hörspiegel-Special

Es ist schon ein kleines Wunder: Dass eine Serie, die in den 1940er Jahren entstand, auch noch heute zu einem großen Pop-Ereignis werden kann. Die Rede ist von Captain Future.

Mir erging es bislang wie wahrscheinlich vielen, die in den 80ern groß wurden. Captain Future kannte ich ausschließlich aus der gleichnamigen Anime-Serie. Der große Publikumserfolg zu analysieren beruht dabei vermutlich auf mehreren Faktoren. Zum einen die Bilder, die so ganz anders waren als die putzigen Heidis, Nils Holgerssons und Sindbads der goldenen japanischen Trickfilmära der 70er und 80er. Captain Future war ernsthaft, er hatte mit erwachsenen Problemen zu tun. Und das sprach vor allem die Jungs an! Grund dafür waren die gut durchdachten Storys aus der Feder von Edmond Hamilton.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war die gute Synchronisation. Future, Otho, Grag und Simon hatten sehr unterschiedlich geprägte und einprägsame Stimmen, ebenso wie die Gegner. So fesselten uns sogar die Dialogszenen an den heimischen Röhrenbildschirm. Einer der wichtigsten Faktoren jedoch war die Musik der Serie, die Christian Bruhn eigens für die deutsche Fassung der Serie komponiert und arrangiert hatte (--> siehe auch unser Hörspiegel-Interview mit Christian Bruhn in der Rubrik „Interviews / Bands u. Musiker“). Futuristische Electronica-Klänge treffen auf rhythmische Funk-Musik, die man so ähnlich noch heute von Bands wie Daft Punk u.a. hört.

Kurzum: Diese hochatmosphärische Mischung aus Story, spannenden Charakteren mit tollen Synchronstimmen, schillernden Bildern und einem Soundtrack, der passt, wie die Faust aufs Auge – das alles hat Captain Future ausgemacht und zu dem Kult werden lassen, der er heute noch ist.

Als 2010 erstmals weitere Geschichten von Edmond Hamilton ins Deutsche übersetzt wurden, fassten sich Sebastian Pobot und Highscore Music ein Herz und haben sich an das Projekt herangewagt, diese Geschichten so originalgetreu wie möglich als inszenierte Lesung umzusetzen.

Die Operation ist voll und ganz gelungen! Denn Pobot vereint alle Erfolgs-Elemente der deutschen Version des Animes. Dazu zählt die Originalmusik von Christian Bruhn, die einem einen freudigen Erinnerungsschauer über den Rücken jagen lässt. Dazu zählen die Rollen, die – soweit möglich – mit den Originalstimmen des Animes besetzt wurden: Helmut Krauss als Erzähler, Hans-Jürgen Dittberner als Curt Newton alias Captain Future, Jochen Schröder als Simon, das Gehirn, Wolfgang Völz als Otto/Otho sowie Friedrich Georg Backhaus als der Roboter Grag. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, und integrieren sich perfekt in die Serie. Die inszenierte Lesung mutet meistens mehr wie ein Hörspiel an, so liebevoll sind die Geräuscheffekte eingesetzt. Der Musikeinsatz ist ebenfalls genial! Die richtigen Stücke an den richtigen Stellen.

Das einzige, was nicht übernommen wurde, sind die Bilder des Animes, aber die entstehen ganz automatisch im Kopf des Hörers.

Fazit: Wer die Serie kennt und mochte, wird an dieser Audioreihe nicht vorbeikommen. Endlich ein neues Lebenszeichen einer Kindheitserinnerung, die für uns alle bereits anfing zu verblassen, die aber noch jede Menge an Potenzial birgt. Highscore Music bringt die Farbe zurück.

Sehr hörenswert!

Die Folgenübersicht:
Folge 1: Die Rückkehr von Captain Future
Seit drei Jahren ist Captain Future, alias Curtis Newton, mit seinen Freunden Simon Wright, Otto und Grag verschwunden und keiner glaubt mehr daran, dass sie jemals zurückkehren werden. Und doch sind dunkle Schatten im verweisten Labor im Krater des Tycho zu sehen. Schatten, die etwas Beängstigendes in sich tragen. Als Joan Landor und Ezella Garnie hinauf zum Mond fliegen, um endgültig Abschied zu nehmen, ahnen sie nicht, dass die Schatten nur der Anfang sind. Plötzlich schweben sie in Lebensgefahr und drohen für immer ihre eigene Identität zu verlieren.

Folge 2: Die Kinder der Sonne
Professor Calin, ein Freund von Captain Future, ist auf dem Merkur umkreisenden Kometen Vulkan verschollen gegangen. Niemand weiß, wo er ist. Captain Future und seine Freunde machen sich auf, um den gemeinsamen Freund zu finden. Sie stoßen im Inneren des Kometen auf die Spuren einer alten Zivilisation und auf Anzeichen, dass Calin den alten Wegen gefolgt ist. Captain Future folgt seinem Freund - ohne zu ahnen, das er angefangen hat mit seinem Leben zu spielen.

Folge 3: Die Harfner des Titan
Captain Future und seine Freunde werden von Keogh auf den Titan gerufen, um zu verhindern, dass ein Krieg zwischen den Menschen und den Ureinwohnern von Moneb ausbricht. Als sie auf dem Titan ankommen, geraten sie in einen Hinterhalt und Keogh wird tödlich verwundet. Nun ist es an Simon Wright, die Future Crew zu retten - denn nur sein Gehirn ist in der Lage, die Falle zu durchschauen, die seinen Freunden und ihm gestellt worden ist.

Folge 4: Nerven aus Stahl
Grag, der Roboter, glaubt eine Depression zu haben. Captain Future versucht seinem eisernen Freund zu helfen und schickt ihn auf eine Reise zum Mond Dis, auf dem die Verlademaschinen seit Tagen nicht mehr richtig arbeiten. Grag bemerkt sofort, dass auf dem Mond etwas nicht stimmt. Und so beginnt er dem Treiben auf die Spur zu kommen und muss beweisen, dass seine Nerven mehr aushalten, als Stahlangriffe. Viel mehr…

Weblink

http://www.highscoremusic.com

http://www.youtube.com/watch?v=HjtHRSyyzJ4

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