Tod im Studio Hot

Michael Brinkschulte   23. Juni 2013  
Tod im Studio

Rückentext

Unglaubliches passiert während einer Live-Fernsehsendung! Minister Kollmann (Günter Gräwert) spricht bei einer Versammlung zu demonstrierenden Bauern, als ihn plötzlich ein Schuss niederstreckt. Fernsehdirektor Basler (Gert Günter Hoffmann), Chef einer lokalen TV-Station, sieht in dem Attentat die große Chance seines Lebens. Um jeden Preis will er es bundesweit in das Hauptabendprogramm schaffen. Dazu lässt er alles live übertragen, schickt seine Reporter los, um die kurz vor dem Zusammenbruch stehende Ehefrau des Opfers zu interviewen, folgt dem Schwerverletzten mit seinen Kameras bis in den Operationssaal und hegt nur einen Wunsch: dass der Minister schnell das Zeitliche segnet. Denn der Fernsehmacher ist nur an einer Sache interessiert: Sensation! So soll der Todeskampf eines Politikers zum Quotenrenner werden. In seiner „totalen Reportage“ , wie er sie nennt, sieht Basler nämlich die einmalige Bewährungschance des Mediums. Vor lauter Gier nach Einschaltquoten schießt der TV-Chef jedoch weit über sein Ziel hinaus. Fatale Konsequenzen sind die Folge ...

Kurz nach dem Kultfilm „Das Millionenspiel“ klopfte sich das Medium Fernsehen mit diesem packenden Fernsehspiel des extravaganten und renommierten TV-Regisseurs Dr. Eberhard Itzenplitz gehörig auf die Finger und sorgte damals für heiße Diskussionen. Kein Wunder, denn um größtmögliche Authentizität zu erreichen, spielten viele Redakteure, Kameramänner, Tonleute und Reporter des SR sich selbst. Das außergewöhnliche Fernsehspiel rund um einen zu ehrgeizigen Journalisten, der die Grenzen der Möglichkeiten des Mediums weit überschreitet, um die „totale“ Reportage zu drehen, ist in den Hauptrollen wunderbar besetzt: Gert Günther Hoffmann brilliert als machthungriger TV-Chef ebenso, wie der renommierte Regisseur Günter Gräwert („ Der Alte“ , „Derrick“ ) als Opfer, dem die zu Reportern des Teufels umfunktionierten Journalisten bis in den OP folgen, um ihm im Sinne der besseren Quote nur den Tod zu wünschen. Eine beklemmende Zukunftsvision, realitätsnah und verstörend. Qualitätsfernsehen vom Feinsten!

Eberhard Itzenplitz über den Film: „Eine Zukunftsvision des Fernsehens, die hoffentlich nie eintreten wird“

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
8,0
Darsteller 
 
9,0
Soundtrack 
 
7,0
Aufmachung/Extras 
 
4,0
Gesamtwertung 
 
7,2

Die Intensität dieses Fernsehfilms aus dem Jahr 1972 wirkt auch heute noch und nimmt den Zuschauer mit. Medienkritik wird in dieser Produktion großgeschrieben und wer heute Formate wie das Dschungel-Kamp und Big Brother betrachtet, erkennt, dass die damals schockierende Berichterstattung heute schon fast zum Alltäglichen gehört, wenn auch auf anderer Ebene und nicht bei der Verfolgung von schwer verletzten Attentatsopfern.

Der spannende und realistisch anmutende Film bietet 85 Minuten Spielzeit, die auf dieser DVD im Bildformat 4:3 vorliegt. Der Ton ist Deutsch, Untertitel gibt es nicht. Auch die sonstige Ausstattung der DVD ist eher schlicht, bietet nur die Möglichkeit der Kapitelanwahl. Weitere Features wie Trailer oder Bonus-Material werden nicht geboten.

Ein TV-Klassiker, der auch heute noch ein Denkanstoß sein kann.

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