Sandman: Ewige Nächte

Sandman: Ewige Nächte Neu

Nico Steckelberg   21. April 2017  
Sandman: Ewige Nächte

Rückentext

Bevor Neil Gaiman mit Titeln wie American Gods und Coraline ein in der New Yorker Times gelisteter Bestsellerautor wurde, revolutionierte er die Comic-Welt mit dem Sandman. Die preisgekrönte Comic-Serie ist eine reichhaltige Mischung aus modernen Mythen und finsterer Fantasy, in welcher zeitgemäße Prosa, historische Dramen und Legenden nahtlos ineinander übergehen. Der Sandman setzte neue Maßstäbe im Bereich Comic-Literatur, und die zehn Bände der Sandman Library werden heutzutage als oberste Messlatte für dieses Medium betrachtet.

Sandman: EWIGE NÄCHTE ist ein Genuss nicht nur für Fans von Gaimans Arbeiten, sondern auch für Neulinge in Sachen grafischer Literatur. Die sieben Erzählungen in diesem Band – betörend, bittersüß, erotisch oder albtraumhaft – stehen für jeweils einen der Ewigen, und sie enthüllen fremdartige Geheimnisse und überraschende Weisheiten. Die Erzählungen wurden illustriert von einigen der besten Comic-Künstler der Welt. 

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
10,0
Zeichnungen 
 
9,0
Kolorierung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Neil Gaiman ist der Meister der morbiden Erwachsenen-Fantasy oder Kinderbücher. Mit „American Gods“ oder „Coraline“ hat er sich selbst literarische Denkmäler gesetzt. Er ist ein Autor, der crossmedial funktioniert. Längst wurden seine Geschichten für die große Leinwand umgesetzt, doch auch in der Sparte Comic und Graphic Novel ist Gaiman ein willkommener Autor. Mit seiner Sandman-Reihe widmet er sich den so genannten „Ewigen“, und anlässlich des 10. Jubiläums der Reihe erschien mit „Ewige Nächte“ ein Band, der sich den verschiedenen Charakteren dieser Familie der besonderen Geschöpfe widmet.
 
Verschiedene Künstler interpretieren Gaimans Storys. P. Craig Russel zeichnete den „Tod in Venedig“, eine in zwei Erzählperspektiven unterteilte Geschichte über „Death“, welche Anfangs erst als Nebenfigur auftaucht. Moderner Comic-Stil. 
 
Recht altbacken hingegen wirkt der Stil von „Der Geschmack der Begierde“, gezeichnet von Milo Manara, beinahe altbacken. Nicht zu verwechseln mit bieder, denn hier ist jede Menge nackte Haut und viel Liebesspiel zu sehen, ebenso wie blutige Brutalität. Die Story widmet sich „Desire“.
 
Um „Dream“ und seine Angebetete geht es in der Science-Fiction-Opera „Das Herz eines Sterns. Außergewöhnlich und kunstvoll gezeichnet von Miguelanxo Prado, und hier sind vor allem die Kolorierungen extrem gut gelungen. Auch „Desire“ hat einen wichtigen Part in dieser Geschichte. 
 
Die wohl interessanteste Ausarbeitung – diesmal über „Despair“ – resultiert aus einer Zusammenarbeit von Barron Storey (Zeichnungen) und dem genialen Dave McKean (Design). „15 Porträts von Despair“ ist eine Ansage, und tatsächlich entwickelt sich diese Kurzgeschichtensammlung innerhalb einer Kurzgeschichtensammlung zu einem echten Hingucker und Pageturner. Rasant und immer wieder anders ziehen dich die Bilder und Geschichten mit Vollgas herunter.
 
„Nach innen“ – ein Graphic Novel, den man nur schwer versteht. Sowohl die Bilder als auch die Texte sind kleine Mysterien in sich. Doch der Plot ist klar: Es geht um ein autistisch lebendes Mädchen, dass sich nach außen hin abgeschottet hat und nur noch im eigenen Kopf existiert. Fünf psychisch Kranke Retter sollen sie aus ihrem Kopfgefängnis befreien, auf den Auftrag Dreams hin. Verstörend rauh und bewusst unvollständig in Skizzen gezeichnet von Bill Sienkiewicz. Echter Hingucker und vermutlich die Arbeit mit dem künstlerisch interessantesten Style in diesem Band.
 
„Destruction: Auf der Halbinsel“ ist wieder ein sehr klassisch wirkender Comic, gezeichnet von Glenn Fabry, einem Altmeister des Mediums. In dieser Geschichte gerät ein archäologischer Ausgrabungstrupp an Relikte aus der Zukunft, insbesondere Waffen.
 
Frank Quietly widmete sich der Geschichte über „Destiny“, den blinden Mann mit dem Buch, in dem alles geschrieben steht. Es ist eher eine künstlerisch bebilderte Erzählung denn ein Comic.
 
Der vorliegende Sandman-Band ist nunmehr schon 10 Jahre alt, hat aber nichts an seinem Reiz verloren. Verstörende Geschichten, fantastisch aufbereitet und immer wieder anders inszeniert, das macht den großen Reiz dieses Bandes aus. Mit einem langen Vorwort Neil Gaimans und Informationen zu den vertretenen Künstlern ist „Ewige Nächte“ eine rundum gelungene und weitestgehend zeitlose Sache. In Deutschland erschienen bei Vertigo / Panini Comics. 
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