Liesl Karlstadt - Schwere Jahre: 1935-1945

Liesl Karlstadt - Schwere Jahre: 1935-1945 Hot

Nico Steckelberg   04. Oktober 2019  
Liesl Karlstadt - Schwere Jahre: 1935-1945

Buch-Tipp

Anzahl Seiten
150
Verlag
Erscheinungsjahr

Rückentext

Liesl Karlstadt (1892 1960) und Karl Valentin waren ein legendäres Paar auf der Bühne, so erfolgreich wie berühmt. Dem Publikum verborgen blieben die schweren Jahre von Liesl Karlstadt, in denen sie in einer tiefen Lebenskrise steckte. Die Jahre von 1935 bis 1945 werden in diesem Buch beleuchtet, mit vielen Fotos und Originaldokumenten. Künstlerisch und privat ging schon seit Jahren für Liesl Karlstadt nichts mehr voran, bevor sie am 6. April 1935 versuchte, sich das Leben zu nehmen. Es gelang ihr nicht, man wies sie in eine Klinik ein, schickte sie zur Erholung, aber wirklich geholfen hat es ihr nicht. Ihre Verzweiflung spiegelt sich in bisher unveröffentlichten Briefen aus dieser Zeit. Karl Valentin konnte sie oft nicht mehr ertragen, aber aufgeben konnte sie ihn auch nicht. Erst nach einem erneuten Zusammenbruch im April 1939 begann sie, sich von ihm zu lösen. Und erholte sich in den Jahren 1941 und 1943 in den Bergen. Das Kriegsende mit allen Schrecken der Zeit erlebte sie dann in München. Mit vielen Bildern, Dokumenten und bisher unveröffentlichten Briefen beleuchtet dieses Buch die schwere Zeit im Leben und Wirken von Liesl Karlstadt und ermöglicht so einen persönlichen Blick auf eine ungewöhnliche Frau, die aus dem Schatten von Karl Valentin, sollte sie je in ihm gestanden sein, endgültig heraustritt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
8,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Die These, dass Kabarett eine rein männliche Veranstaltung sein müsse, wurde bereits früh von ihr widerlegt. Die 1892 geborene Münchnerin Liesl Karlstadt stand nicht nur regelmäßig vor der Kamera, sondern auch gemeinsam mit Karl Valentin auf den Bühnen und brachte ihr Publikum zum Lachen und manchmal auch Nachdenken. 

Dass hinter der Bühnengestalt Karlstadt auch ein Mensch mit jeder Menge Gefühl steckt, wurde der breiten Bevölkerung spätestens im April 1935 deutlich, als sich Liesl Karlstadt gemeinsam mit ihrer Katze in die Isar stürzte. Kurz zuvor hatte Karl Valentin sich künstlerisch von ihr getrennt und war neue Wege mit einer neuen Partnerin gegangen. Die Katze ertrank, Liesl Karlstadt wurde gerettet. Der Kummer habe sie getrieben.
Und „Kummer“, das ist der Titel eines Kapitels der neuen Liesl-Karlstadt-Biografie aus dem Verlag Kunstmann. Die Biografie heißt „1935 – 1945. Schwere Jahre.“ Es ist die alte, bekannte Geschichte des Clowns, der sein Publikum anlacht und heimlich weint. 

Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet. Zahlreiche Fotos (Schwarzweiß oder koloriert), Handschriften, Filmfotos und Plakate zieren den Text, der von Sabine Rinberger und Andreas Koll mit einem Auge fürs emotionale Detail ausgearbeitet wurde. Tatsächlich werden – anders als der Titel vermuten ließe – auch die frühe Kindheit und Jugend Liesl Karlstadts, aber eben auch ihr Leben bis zum frühen Tod beleuchtet. 1960, im Alter von 67 Jahren, starb sie während eines Urlaubs an einer Gehirnblutung. 

Eine traurige, komische, tragische und herzliche Biografie.

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