Home Girl

Nico Steckelberg   06. Juni 2020  
Home Girl

Buch-Tipp

Autor(en)
Anzahl Seiten
280
Verlag
Erscheinungsjahr
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Rückentext

»Home Girl« ist so rasant und lustig, zärtlich, tragisch und voller Courage wie seine Heldin. Naomi ist erst 14, hat aber schon mehr Enttäuschungen und Stress erlebt als die meisten Erwachsenen je erleben werden. Ihr Vater säuft, ihre Mutter hat sich umgebracht. Jetzt kommt sie schon wieder in eine neue Pflegefamilie Die Goldings. Haben schon zwei Pflegekinder, ist doch immer dasselbe. Doch diesmal kommt alles anders: Colleen und Tony Golding sind schwarz und eigentlich ziemlich cool für Pflegeeltern. Sharyna und Pablo, ihre neuen Geschwister, sind sogar mehr als okay. Nur mit Kim und Nats, ihren Freundinnen, läuft es irgendwie nicht mehr ganz so gut, und langsam muss sich Naomi die Frage stellen, ob sie ihnen noch vertrauen kann »Home Girl« erzählt von einer Jugend im Fürsorgesystem, von tiefen Verletzungen und enttäuschten Hoffnungen, von gerechter Wut und schlechten Entscheidungen, von Rassismus und verfehlter Politik, von falschen Freunden und davon, wie Fremde zu Familie werden und, trotz allem, nach Heim über Heim, ein Zuhause entstehen könnte.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Ein Buch, das mit der Widmung „Für alle Kinder, die in Heimen oder Pflegefamilien leben oder gelebt haben“ beginnt, verspricht nicht gerade die leichteste Unterhaltungskost zu werden. Und tatsächlich hat Alex Wheatles neuer Roman „Home Girl“ eine emotional sehr tief greifende Geschichte zu erzählen.

Es geht um die 14-Jährige Naomi. Die Mutter nahm sich das Leben, der Vater ist Alkoholiker. Naomi managet den Haushalt und versucht die Enden zusammenzuhalten. Das klappt mehr schlecht als recht. Das Jugendamt schaltet sich ein, und Naomis Reise durch verschiedene Heime und Pflegefamilien beginnt. 

Der Roman startet im Auto, nachdem Naomis Sozialarbeiterin sie aus der letzten Pflegefamilie angeholt hat. Die Mutter sei eine „Umarmerin“ und der Vater pädophil, es traue sich nur niemand das auszusprechen. Die Sozialarbeiterin glaub Naomi die Gesichte nicht so recht, organisiert aber kurzfristig eine neue Übergangs-Pflegefamilie. Mit schwarzer Hautfarbe. Entweder das, oder wieder ins Heim. Naomi entscheidet sich für die Familie.

Schon im ersten Kapitel wird deutlich wie sehr Naomi zwischen den Welten hin- und hergerissen ist. Ihre Sprache ist hart, sie überschreitet die persönlichen Grenzen der Sozialarbeiterin, die ihr eigentlich helfen soll und eine Engelsgeduld mit ihr hat. Und gleichzeitig sucht sie Halt bei ihrem Plüschtier. Zwischen Kindsein und Erwachsenwerden, zwischen der einen und der anderen Familie, aber nirgendwo zu Hause.

Alex Wheatles Stärke ist seine Empathie gegenüber den Figuren. Er schreibt aus der Ich-Perspektive von Naomi, beschreibt Ihr Denken und ihre Ansichten sehr eindrucksvoll und authentisch. Die Dialoge sind aus dem Leben gegriffen, die Sätze kurz, prägnant, auf den Punkt. Keine Zeit für Schnörkel, kein Geld für Extras. 

Dieser Roman ist sowohl eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte, als auch eine fein beobachtete Sozialstudie aus den Randgebieten der britischen Gesellschaft.
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