Die Seiten der Welt Hot

Nico Steckelberg   25. November 2014  
Die Seiten der Welt

Buch-Tipp

Autor(en)
Anzahl Seiten
560
Erscheinungsjahr
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Rückentext

JEDES BUCH HAT GEHEIME SEITEN - EIN MAGISCHER ROMAN VOLLER PHANTASTISCHER ABENTEUER

„Während sie die Stufen zur Bibliothek hinablief, konnte Furia die Geschichten schon riechen: den besten Geruch der Welt.“

Furia Salamandra Faerfax lebt in einer Welt der Bücher. Der Landsitz ihrer Familie birgt eine unendliche Bibliothek. In ihren Tiefen ist Furia auf der Suche nach einem ganz besonderen Buch: ihrem Seelenbuch. Mit ihm will sie die Magie und die Macht der Worte entfesseln.
Doch dann wird ihr Bruder entführt, und Furia muss um sein Leben kämpfen. Ihr Weg führt sie nach Libropolis, die Stadt der verschwundenen Buchläden, und an die Grenzen der Nachtrefugien. Sie trifft auf Cat, die Diebin im Exil, und Finnian, den Rebellen. Gemeinsam ziehen sie in den Krieg – gegen die Herrscher der Bibliomantik und die Entschreibung aller Bücher.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
9,7

Mit einem enorm hohen Tempo wird man Kai Meyers Bücheruniversum hinein gezogen. Seine neue Protagonistin heißt Furia Salamdra Faerfax und lebt in einem Haus voller literarischer Magie. Da ist beispielsweise die Bibliothek im Keller, die so verzweigt und unerforscht ist wie die Katakomben des Piranesi. Darin finden sich nicht nur unendlich viele Geschichten, sondern auch seltsame Lebewesen: Lebende Origami-Vögel schwirren umher, und eine Schwarmintelligenz aus Buchstaben hilft Furia dabei, einen gefährlichen Schimmelrochen zu bekämpfen.

„Bibliomantik“, die Büchermagie, ist allgegenwärtig, doch sie weiß sich dank ihrer Institutionen in der realen Welt vor allzu neugierigen Augen zu schützen. Überall gibt es versteckte Orte, wie beispielsweise die mitten in London liegende Bücherstadt Libropolis, die man nur mit dem korrekten Lesezeichen als Eintrittskarte betreten kann.
Furia weiß um die Magie, die in Büchern steckt, ihr Vater ist ein begabter Bibliomant, der im Exil in einem großen englischen Herrenhaus lebt und sich hier vor der Akademie versteckt.
Zu Furias wenigen Freunden zählen – neben ihrem Bruder Pip, der Schwarmintelligenz Ypsilonzett im Keller und dem sprechenden Sessel sowie der vorlauten Leselampe – ihr Freund und Vorfahr Severin, mit dem sie über ein altes Tagebuch kommunizieren kann. Die Jahrhunderte zwischen ihnen tun der Freundschaft keinen Abbruch, und es entsteht so etwas wie eine kleine Romanze.

Die literarische Welt wird bedroht durch die „leeren Bücher“, die Furias Lieblingsautor geschrieben hat, und die eines Tages „gezündet“ werden könnten. Danach wird jegliche Büchermagie vernichtet werden. Wer diese Bücher besitzt, besitzt Macht. Furias Vater hat sich die Aufgabe gesetzt, die Bücher zu suchen und zu vernichten. Bei dem Versuch ein Exemplar zu stehlen und unschädlich zu machen, wird er tödlich verletzt. Das Haus ihrer Familie wird daraufhin von Attentätern heimgesucht. Ihre Anführerin, die Umgarnte, nimmt Furias Bruder Pip gefangen. Furia sucht Zuflucht in Libropolis und findet nicht nur neue Freunde, sondern auch ihr eigenes Seelenbuch, mit dessen Hilfe sie ihre eigene bibliomantische Energie entdeckt. Doch es ist alles andere als einfach, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.
Furia besitzt etwas, das wesentlich bedeutsamer ist als die Leeren Bücher: Ein Tor in die Vergangenheit. Das Buch, mit dem sie und Severin über die Jahrhunderte hinweg ihre Freundschaft pflegen.

Vieles an dem Plot klingt nach einem Kai-Meyer-Jugendroman á la „Die Wellenläufer“, „Die Merle-Trilogie“ oder „Frostfeuer“. Doch „Die Seiten der Welt“ entfaltet von Seite zu Seite immer mehr Ideen. Zudem stellt Kai Meyer schnell klar, dass dieser Roman mitnichten ein Jugendbuch ist. Auch wenn sprechende Sessel und Leselampen in bester Disney-Sidekick-Manier umhertollen, sind die blutigen Kampfszenen sehr explizit und gehören nicht ins Kinder-Lesezimmer.

Den Vergleich zu Harry Potter wird Kai Meyer aushalten müssen. Er braucht ihn aber keinesfalls zu scheuen. Die einzige Schwachstelle des Buches ist aus meiner Sicht, dass der Autor dem Leser seine Ideen ohne Atempause entgegen schmettert, so dass dieser Roman von seiner Ideenvielfalt locker für eine Trilogie gereicht hätte.

Der Roman erscheint im Fischer Verlag (FJB). Im Vergleich zur Hörbcuh-Version, die beim Argon Verlag erscheint, liegt dem Buch ein hübsch gestaltetes Libropolis-Lesezeichen bei, das ein ganz spezielles Gimmick für jeden Leser ist. Das Figurenverzeichnis, welches der Hörbuchversion beiliegt, fehlt hingegen beim Buch. Die Umschlaggestaltung ist schlicht gestaltet, wirkt jedoch durch die Goldprägung dennoch sehr edel.

Es gibt so viele tolle neue Meyer-Momente und Ideen, so viele kinoreife Kampf-Szenen und Verfolgungsjagden. Doch „Die Seiten der Welt“ wird nicht nur Kai-Meyer-Fans gefallen. Wer seinerzeit Spaß daran hatte, die Welt von Hogwarts zu entdecken, als sie noch keine millionenschwere Franchise-Marke war, der kann dasselbe Gefühl nun noch einmal erleben. Nur eben ganz anders und vollkommen neu. Mit Kai Meyers „Die Seiten der Welt“.

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