Brutal gescheitert! Wie der Start in ein neues Leben gelingt

Brutal gescheitert! Wie der Start in ein neues Leben gelingt Hot

Thor Wanzek   06. Oktober 2019  
Brutal gescheitert! Wie der Start in ein neues Leben gelingt

Buch-Tipp

Anzahl Seiten
216
Erscheinungsjahr
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Rückentext

Scheitern ist ein Tabu. Wir leben in einer Welt, in der – so heißt es – jedem alle Chancen offenstehen. Wer sie nicht nutzt oder auf dem Bauch landet, muss etwas falsch gemacht haben. Schadenfreue und Häme, Mitleid oder Totschweigen sind dann meist die Reaktionen des Umfelds und für den Betroffenen beginnt oft ein Teufelskreis aus Scham und Schuldgefühlen bis hin zur Depression.

Dabei besteht unser gesamtes Leben aus einer langen Kette aus Versuch und Irrtum. Wir lernen laufen und sprechen, indem wir unzählige Male scheitern, bis wir den Bogen raushaben. Und dieses Prinzip gilt auch später im Berufsleben: Penicillin und Post-it haben bewiesen, dass viele große Entdeckungen erst aus dem Scheitern heraus entstanden sind.

Vom Werbeunternehmer und Rennfahrer zum Bankrotteur zum Coach und Experten für persönliches Wachstum: Felix Maria Arnet hat selbst erlebt, was Scheitern bedeutet und welche Folgen es für Menschen hat. In diesem Buch teilt er seine Geschichte und seine Learnings daraus mit seinen Leserinnen und Lesern – ehrlich, authentisch und auf Augenhöhe. Dabei geht er der Frage nach, warum es uns so schwerfällt, uns einzugestehen, dass wir gescheitert sind, und zeigt anhand seiner eigenen Geschichte und umsetzungsorientierter Tipps Wege auf, um dauerhaft der Negativspirale aus Verdrängung, Schuldzuweisung und Selbstverachtung zu entkommen.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
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Atmosphäre 
 
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Aufmachung 
 
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Gesamtwertung 
 
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Als einen „Zwitter aus biographischem Narrativ und Sachtext“ bezeichnet Felix Maria Arnet sein Buch, das mehr als nur handelsüblicher Ratgeber sein soll. Zweifelsohne hält es zahlreiche Ratschläge und Erläuterungen bereit, die sich auch bei anderen Autoren finden. Allerdings verwebt Arnet diese Hilfestellungen so offen und nachvollziehbar mit seiner eigenen Geschichte des Scheiterns, dass ihre Wirkkraft für Lesende greifbarer wird.

„‘Mein Name ist Felix Maria Arnet und ich bin gescheitert.‘ Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Meine Knie zitterten und mein Herz schlug mir bis zum Halse. Ich hörte das Blut in meinen Adern rauschen. Zum ersten Mal seit Langem hatte ich wieder Angst. Ich holte tief Luft und setzte nach: ‚Brutal gescheitert.‘“ Dieser Einstieg in das vierte (von fünf) Kapitel(n) steht exemplarisch für den Ansatz des Coaches, Zustände und Herausforderungen beim Namen zu nennen. Nur wer das persönliche Scheitern akzeptieren lernt, kann sich bewusst und umsichtig neu orientieren und das Scheitern hinter sich lassen, so die Überzeugung Arnets, der für eine „radikale Akzeptanz“ wirbt. Wer hier hohles Phrasengedresche vermutet, wird eines Besseren belehrt, weil der Autor Einblicke in dunkle Zeiten, in Depression und Flucht durch Betäubung eröffnet. Seine Rückblicke illustriert er u.a. mit einem Bademantel-Photo aus jener Zeit, in der es ihm tagelang nicht gelang, das Kleidungsstück zu wechseln, sondern er in den eigenen vier Wänden versumpfte.

Mit diesem authentischen Ansatz mag es dem auch als Speaker aktiven Coach gelingen, die Aufmerksamkeit und Neugier von Menschen zu wecken, die ähnliche Erfahrungen machen, und ihnen Hoffnung zu geben. Dass es mit Hoffnung allein keineswegs getan ist, und dass ein erfolgreicher Umgang mit dem eigenen Scheitern vor allem von unseren Einstellungen und Handlungen abhängt, daran lässt Arnet in seinem sympathisch unaufgeregt geschriebenen, Beharrlichkeit ausstrahlenden Wegweiser keine Zweifel. Beharrlich kritisiert er die Tabuisierung des Scheiterns, beharrlich appelliert er an den Mut, sich zu bewegen, in Distanz zu sich selbst zu treten und die Beobachtungen laut auszusprechen - und dabei weder Humor noch Phantasie zu verlieren. Nebenbei räumt er mit heillos überambitionierten Erfolgsformeln auf: „Positives Denken ist nicht ‚Alles geht!‘ sondern ‚Da geht noch was!‘.“ Und präsentiert eine Definition von Achtsamkeit, die der jüngsten Verkitschung dieser Haltung und Übung deutlich widerspricht.

Felix Maria Arnet verspricht also nicht das Blaue vom Himmel; zumindest nicht, ohne dass die Lesenden ehrlich und fundamental aktiv werden. In dieser Hinsicht hält der Autor einige Ratschläge bereit, die für Überraschung sorgen dürften - und im Einzelfall mit Geld kaum aufzuwiegen sind. Insofern lohnt die Lektüre nicht nur für jene Hilfsuchenden, die „brutal gescheitert“ sind, sondern auch für all jene, die „Scheitern“ unaufgeregt und vergleichsweise sachlich als Chance zu einem Neuanfang begreifen wollen, der Arbeit bedeutet.
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