Jubiläum: 100 Jahre Karl-May-Verlag

Jubiläum: 100 Jahre Karl-May-Verlag Hot

Michael Brinkschulte   26. August 2013  
Jubiläum: 100 Jahre Karl-May-Verlag

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2012 war DAS Karl-May-Jahr mit dem 100. Todestag Karl Mays. 2013 geht es weiter: Der Karl-May-Verlag feiert sein 100-jähriges Jubiläum – weltweit einmalig für einen unabhängigen Verlag mit nur einem einzigen Autor! Oder wie der Karl-May-Experte Jürgen Seul schreibt: „Karl May ist ein Phänomen. Sein Hausverlag allerdings auch.“
Der Verlag wurde am 1. Juli 1913 in Radebeul bei Dresden von Mays Witwe Klara May, seinem bisherigen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld und dem Juristen Dr. Euchar Albrecht Schmid gegründet, der sich für den in Ungnade gefallenen Autor einsetzte und dem gegenüber May geäußert hatte: „Sie sollten mein Verleger werden!“ Sofort nach Verlagsgründung ergriff E. A. Schmid die notwendigen Maßnahmen, um den geplanten Ausbau der 33-bändigen „Gesammelten Reiseerzählungen“ (später „Gesammelten Werke“) in die Wege zu leiten. Der wichtigste Schritt war der Erwerb aller verstreut liegenden Rechte an den Jugendromanen (z. B. „Der Schatz im Silbersee“ und „Der Ölprinz“) und anderer Werke Karl Mays.
Der Karl-May-Verlag hat im Verlauf seiner bewegten Geschichte zwei Weltkriege und verschiedene politische Systeme relativ unbeschadet überstanden. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden jedoch fast alle Buchbestände und Druckunterlagen vernichtet. 1944 starb Klara May; ihr Erbe und damit auch Teilhaberin am Verlag wurde die Karl-May-Stiftung (F. E. Fehsenfeld war vertragsgemäß bereits 1921 ausgeschieden).
Eine Wiederaufnahme der Produktion in der sowjetischen Besatzungszone war nicht möglich; Karl May galt als unerwünschte Person und der Verlag erhielt keine Druckerlaubnis. E. A. Schmids ältester Sohn Joachim siedelte nach Bamberg über, wo sein Vater die Jugendzeit verbracht hatte, und gründete am 1. Juli 1947 eine Vertretung des Verlags. Kurz danach folgten die Brüder Lothar und Roland Schmid.
Von Bamberg aus erhielten mehrere Verlage eine Lizenz zum Druck der Mayschen Werke. Da auch noch im Jahre 1950 der Karl-May-Verlag weder seinen Sitz nach Westdeutschland verlegen noch dort eine Filiale eröffnen konnte, wurde am 1. Januar der „Verlag Joachim Schmid“ gegründet, der die Urheber- und Verlagsrechte an den Werken Karl Mays übertragen bekam. E. A. Schmid starb am 15. Juli 1951 in Bad Liebenstein. Anfang 1952 trat der neue USTAD-Verlag der Gebrüder Schmid in Bamberg für den deutschsprachigen Raum an die Stelle des Radebeuler Unternehmens und übernahm Herstellung und Vertrieb der Gesammelten Werke.
„Mit dem Erscheinen der Karl-May-Bücher ist in der DDR endgültig nicht mehr zu rechnen“, hieß es aus Ost-Berlin, und so begannen 1959 schwierige Verhandlungen der Familie Schmid mit dem Büro für Urheberrechte und somit Vertretern der DDR-Regierung. Als Ergebnis schied die Karl-May-Stiftung mit dem Millionenvermögen aus dem Verlagsunternehmen aus und verblieb in der DDR. Bei der Trennung von Stiftung und Verlag übernahm die Familie Schmid auch das Inventar der „Villa Shatterhand“, insbesondere das Arbeitszimmer, die Bibliothek und das sogenannte „Sascha-Schneider-Zimmer“ Mays.
Somit erfolgte 1960 die Umsiedlung des Unternehmens in die Bundesrepublik Deutschland nach Bamberg, jetzt unter dem Namen „Karl-May-Verlag Joachim Schmid & Co.“.
Karl Mays Möbel und Bibliothek bildeten den Grundstock für das neue Bamberger Karl-May-Museum, das bis 1994 bestand. Nach der Wiedervereinigung wurde das Inventar nach Radebeul zurücküberführt. Neben dem sehenswerten Karl-May-Museum in Radebeul gibt es in Mays Geburtsstadt Hohenstein-Ernstthal das Karl-May-Haus als Literaturmuseum und Forschungsstätte.
Am 4. Januar 1990 verstarb überraschend Roland Schmid. Nach dem Ausscheiden von Joachim Schmid (gestorben am 10.01.2003) und der Erbengemeinschaft von Roland Schmid führte nun Lothar Schmid (gestorben am 18.05.2013) zusammen mit seinem Sohn Bernhard den Verlag weiter. Letzterer ist seit 2007 alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der „Karl-May-Verlag GmbH“. Bereits seit 1977 wird auch ein Versandhandel, der „Karl-May-Shop“, erfolgreich betrieben (www.karl-may.de).
100 Jahre nach Verlagsgründung sind mittlerweile 92 Bände der Gesammelten Werke erschienen, bis heute in gleicher grün-goldener Optik und in qualitativ höchster Ausstattung, produziert in Deutschland. Neben dem zuletzt erschienenen Band 89 „Im fernen Westen“ liegen drei Briefbände vor (zum Jubiläum folgt Band 94 „Briefwechsel mit Joseph Kürschner“). Sonder- und Großbände ergänzen die Reihe.
Hervorzuheben sind die Karl-May-Biografie „Winnetous Blutsbruder“ von Christian Heermann und die fünfbändige „Karl-May-Chronik“ als Meilenstein in der Karl-May-Forschung – und ganz neu wieder auf dem Markt: „Zwischen Himmel und Hölle. Karl-May und die Religion“. Bei den Großbänden überzeugen u. a. die prächtige Bildbiografie „Karl May und seine Zeit“, eine „Karl-May-Bibliografie“, „Karl May und die Musik“ und der „Karl-May-Atlas“ sowie die dreibändige „Traumwelten“-Reihe zu zahlreichen Karl-May-Illustratoren. Neben vielen Büchern zum Thema Karl-May-Film erschien 2001 das Comedy-Buch „Der Schuh des Manitu“. Bereits in den 1970er-Jahren startete der Verlag ein umfangreiches Reprintprogramm, das sich vor allem an Forscher und Sammler richtet. Höhepunkt sind hier die 33 Reprintbände der „Freiburger Erstausgaben“ mit informa-tiven Nachworten und Anhängen. Zudem erscheint seit 2007 in Kooperation mit der Karl-May-Stiftung und der Karl-May-Gesellschaft auch die historisch-kritische Ausgabe »Karl Mays Werke« in Bamberg.
„Eine Feder für Winnetou, der Schreibwettbewerb ‚Karl May junior‘ für Kids zwischen 10 und 15 Jahren“ zeigte 2011/2012 durch seinen großen Erfolg mit über 550 Einsendungen und begeisterten Reaktionen der jungen Teilnehmer, dass Karl May auch heute noch eine Chance bei der Jugend hat!
„Karl May ist ein Autor der Superlative, seine Geschichten zeitlos und seine Beliebtheit ungebrochen“, so Bernhard Schmid stolz, Verleger des Familienunternehmens in dritter Generation. Durch die Arbeit des Karl-May-Verlags avancierte der Autor zum meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache: Jeder kennt die Klassiker „Winnetou“, „Der Schatz im Silbersee“ und „Unter Geiern“ mit dem berühmten Blutsbrüderpaar Winnetou und Old Shatterhand, oder den faszinierenden Orientzyklus von „Durch die Wüste“ bis „Der Schut“ mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar. Sogar Einzeltitel erreichen Millionenauflagen, insgesamt wurden über 100 Millionen Bände in deutscher Sprache gedruckt! Zahlreiche Karl-May-Festspiele wie in Bad Segeberg und Elspe ziehen jedes Jahr hunderttausende Zuschauer an. Außerdem werden die Karl-May-Verfilmungen bis heute mehrmals pro Jahr im Fernsehen ausgestrahlt und Winnetou-Darsteller Pierre Brice, seine Filmschwester Nscho-tschi/Marie Versini und Old Shatterhand/Lex Barker genießen noch immer hohe Popularität. Zudem wurden Karl Mays Bücher in 46 Sprachen übersetzt!
Natürlich sind die Gesammelten Werke auch als E-Book erhältlich. „Der große Erfolg unserer E-Books bestätigt, dass Karl May nach wie vor „in“ ist und sein Werk den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft hat“, so Jana Jill Bocklet, im Verlag zuständig für Marketing und Vertrieb. Dazu wurden bis jetzt 18 Bände als Hörbuch veröffentlicht, und das ungekürzt! Auch diese Reihe wird fortgesetzt.
Ein Ende ist nicht abzusehen: 100 Jahre Karl-May-Verlag und der Erfolg geht weiter!

Quelle: Karl May Verlag

Internetlink

http://www.karl-may.de

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