Immortal 4 Hot

Nico Steckelberg   01. Mai 2011  
Immortal 4

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
8,0

Die Idee zum Immortal-CD-Projekt entstand 1997. Der Computerspielekomponist Ruben Monteiro wollte ein Album erschaffen, das Studioproduktionen von beliebten Amiga-Computer-Melodien enthält. Tatsächlich wurde das Projekt im Jahr 1999 realisiert. Bei den beiden Nachfolge-Alben Immortal 2 und Immortal 3 übernahm der Computerspiele-Fanatiker und Musiker Jan Zottmann das Produzenten-Ruder und verhalf dem Einzelprojekt zur Serienreife.
Ganz frisch aus dem Presswerk liegt mir nun Immortal 4 vor. Wieder einmal bleibt Jan Zottmann seinem Konzept treu: Altbekannte Melodien aus Amiga-Spielen werden neu instrumentiert und interpretiert, größtenteils von den Original-Komponisten.
Was also gibt es zu hören? Die Stilrichtungen sind enorm vielschichtig. Mal hört man elektronische Beats und technoide Sounds, mal gibt es astreine jazzige Anleihen, man hört Progressive Rock, Speed Metal, Popmusik mit Vocals, Raggae-Sounds, Orchester-Hymnen und jede Menge mehr.
Einzelne Stücke herauszupicken, wäre sicher unfair den anderen Produktionen gegenüber, die allesamt mit viel Herzblut eingespielt wurden. Ich möchte es trotzdem tun.

Herauszuheben gilt es für mich „Gauntlet 3: The Final Quest“ von Tim Follin, eingespielt von Eike Steffen. Steffen macht aus dem Spielesoundtrack ein progressives Rockstück, das mittelalterlich akustisch beginnt und in einem Gitarren-Keyboard-Battle à la Dream Theater endet. Wahnsinn!

Jan Zottmann selbst spielt zusammen mit „Leisure Suit Larry“-Erfinder Al Lowe das Larry-Theme. Zottmann hat das Stück arrangiert, Lowe spielt Solo-Saxophon. Hörenswert!

Die beiden Stücke mit Vocals entstammen dem Cannonfodder-Soundtrack. „War“ und „Narcissus“ wurde vom Komponisten Jon Hare eingesungen. Freunde des Spiels werden begeistert sein.

Christian Nagels Arrangement von Martin Ivesons „Moody Breeze“ (“Jaguar XJ220”) macht auf der Stelle Lust darauf, das Spiel wieder einzuschmeißen und loszudüsen.

Frédéric Mottes „Fascination“ könnte von der Stimmung her auch durchaus ein Bond-Song sein. Furioser Song-Showdown, unbedingt bis zum Ende hören, da geht ganz schön was ab!

Etwas enttäuscht war ich von Daniel Whites Version von Chris Hülsbecks „Desert Rocks“. Die Instrumente haben Power, ja, aber irgendwie mag der Funke bei mir nicht so sehr überspringen, was vielleicht an der unerwarteten Veränderung einzelner Harmonien liegt.

Herausragend sind für mich die Beiträge des französischen Komponisten Jean Baudlot. Die „Mainthemes“ der Spiele „Future Wars“ und „Flashback“ werden hier zum Besten gegeben. Ausgelegt sind die Kompositionen sicherlich für ein größeres Orchester. Ich könnte sie mir sehr gut in einer vergleichbaren Orchester-Instrumentierung wie seinerzeit Chris Hülsbecks „Symphonic Shades“ hervorragend vorstellen. Bei diesen Aufnahmen arbeitet Baudlot mit Synthesizern und Samples. Das nimmt einerseits ein wenig Authentizität, andererseits ermöglicht es ihm, z. B. „Future Wars“ in der zweiten Hälfte in ein TechRock-Stück erster Güte zu entwickeln. Bei Flashback verhält es sich so, dass ich die Immortal-Variante sehr schätze, eben auch aufgrund ihrer stark rockigen Ansätze, was dem Song richtig gut steht. Meines Erachtens kommt sie allerdings nicht ganz an die göttliche Version heran, die Baudlot auf der Flashback E. P. darbot, welche zur Spiele-VÖ seinerzeit limitiert aufgelegt wurde. Dennoch sind die beiden Stücke so hochatmosphärisch, dass es eine wahre Wonne ist. Ich möchte unbedingt mehr von diesem fantastischen Komponisten hören!

Den Abschluss der Doppel-CD macht ein Live-Mitschnitt des Wing Commander-Themes von Dave Govett, interpretiert von The Fat Man & Team Fat auf der CES. Da kommt echtes College/Surf-Rock-Feeling auf! Tolle Nummer!

Man sieht also, Immortal 4 besticht durch seine enorme Vielseitigkeit und hat jede Menge zu bieten für jeden Zocker, Retro-Nerd, Amiga-Fan und Computerspielemusik-Liebhaber.

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