Of The Lines Hot

Nico Steckelberg   21. Juni 2015  
Of The Lines

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
9,0

Neulich erhielt ich eine Mail: „We are Alice in the Cities, a minimal post-rock trio from Italy/Belgium/France and currently based in Berlin.“ Das ist nicht unüblich, und als jemand, der immer interessiert ist an frischer Musik, die sich jenseits von Plattenfirmen und Mainstream abspielt, habe ich Jérémie, den Absender der Mail, eingeladen, mir herzlich gern das neue Album des Trios zuzusenden. Jetzt, da ich die Musik der Band höre, bin ich froh und glücklich darüber. Alice In The Cities machen instrumentale, Gitarren-basierte Stücke, die mich an früher erinnern. Da steckt ganz viel 80er/90er-Wave und Goth-Rock drin. Ein bisschen Fields of the Nephilim, ein wenig Love Like Blood, die frühen Dead Can Dance kann ich ebenso heraushören wie so manche Wave-Ikone der guten alten Zeiten.

Dabei schaffen es Alice In The Cities durchgehend, den nicht vorhandenen Gesang nicht weiter missen zu lassen. Die Stücke haben alles, was es braucht, um interessant zu sein. Eine hypnotische Wirkung lässt sich beim gesamten Album nicht von der Hand weisen. Man versinkt in den Hallfahnen der akustischen Gitarren, lässt sich von den schnellen Beats der Drums treiben, summt mit dem Bass, der keinen großen Zauber vom Zaun bricht, sondern einfach nur das tut, was man von ihm erwartet: Eine simple und effektive Grundlage der Stücke zu bilden. Selten gibt es mehr als Gitarre, Drums und Bass zu hören. Ein paar klug und rar eingesetzte Synthie-Sounds runden das Klangbild ab.

Nimm dieses Album und nutze es als Soundtrack für dein nächstes Metropolen-Liebesdrama. Und selbst, wenn du keinen Film drehst, untermale doch einfach deine nächste Taxi – oder U-Bahn-Fahrt durch den nächtlichen Straßendschungel mit Alice In The Cities. Dein sentimentales Melancholie-Gen wird’s dir danken.

Genial!

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