Strayed in Shadows

Strayed in Shadows Hot

Nico Steckelberg   19. September 2021  
Strayed in Shadows

Musik

Interpret/Band
Format
CD
Anzahl Medien
1

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
9,0

Retro-Flash, wenn ich das neue - das zweite - Album der schwedischen Band De Arma mit dem Titel “Strayed in Shadows” höre. Ich muss gestehen, Andreas Pettersson und Johan Marklund haben mich hier komplett kalt erwischt und perfekt überrascht. 

Und das geschah so: Ich schaue mir das Cover, Backcover und Booklet an, welche im Synthwave-/ Western-Comic-Stil gehalten sind und höre die ersten 27 Sekunden des Albums dabei an. Folgender Eindruck entsteht: Okay, hier kommt jetzt 80er-Retro-Synthie-Musik mit Stranger-Things-Appeal. Ungewöhnlich für das Label Trollmusic, und es spricht mich direkt an.
Ab Sekunde 28 spürst du anhand des Spannungsbogens: Nee, doch nicht Stranger Things, da muss jetzt moderner Metal Core mit Retro-Synthies kommen, ganz bestimmt sogar! Das wäre allerdings auch ungewöhnlich für Trollmusic, stört mich aber ebenso wenig. Gebt mir die Screams!
Und schon wieder falsch gedacht, denn wenn zirka bei Minute 1 dann die Vocals einsetzen, komme ich erneut ins Stocken. Ist es doch eher ein nord-folkloristicher Metal? Die Vocal-Harmonien deuten jedenfalls darauf hin. 
Und dieser Gedanke hält genauso lange an, bis die Band sich ein Gothic-Rock-Stück mit Erinnerungen an Fields of the Nephilim ergießt, das aber dann doch eher an frühere Katatonia-Outings erinnert und an die Songs, mit denen Tiamat sich in den Neunzigern neu erfunden hatten. Und huschten da gerade etwa noch Anathema Anno 1995 durch den Raum, um kurz guten Tag zu sagen?

Oh je… perfekte Verwirrung? Ganz im Gegenteil! 

Bei mir sind vom ersten Introsound bis zum Schlussakkord durchgehend Bilder im Kopf entstanden. Was De Arma hier gezaubert haben, kitzelt meinen Retro-Nerv auf ganz vielen Ebenen, weil es klanglich so viele “alte Helden”-Gefühle erweckt, ohne dabei auch nur ansatzweise wie ein Plagiat zu wirken. "Strayed in Shadows" ist vielmehr die Hochzeit vieler schöner Momente aus dem musikalischen Gedächtnis einer melancholisch-verträumten Generation. Und es macht wahnsinnig viel Spaß, sich in dieses Album hinein fallen zu lassen. 

Ein großes Kompliment an Trollmusic, diese akustische Gefühlsresonanz-Maschine ermöglicht zu haben und Ovationen an die Künstler!

Anspieltipp: “Illusions of Love”
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