In The Raw

In The Raw Hot

Alina Jensch   28. August 2019  
In The Raw

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
30. August 2019
Format
  • CD
  • Download
  • Vinyl
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
7,0

„In The Raw“ heißt das mittlerweile fünfte Studioalbum von TARJA und bringt 10 brandneue Songs und eine Handvoll Gastmusiker.

Das Album steigt mit „Dead Promises“ direkt bombastisch ein: Mit gesanglicher Unterstützung von Björn Strid (SOILWORK) weckt dieses fette Metalstück die Neugier und Lust auf mehr. Stimmlich ergänzen Tarja Turunen und ihr Gast sich hier gut – was beim nächsten Stück, „Goodbye Stranger“, nicht mehr ganz so hinhaut. Die Hardrocknummer holt Cristina Scabbia (LACUNA COIL) an Bord und verschenkt leider Potenzial für ein Duett der Extraklasse: Die Strophen sind monoton und geradezu langweilig und wenn dann doch etwas mehr Fahrt rein kommt, singen beide eher gegen- als miteinander.
Danach wird es dann erst einmal poppiger und balladesk mit dem recht gefälligen „Tears In Rain“, und dem besonders textlich etwas seltsamen „Railroads“, bevor mit „You And I“ eine ganz klassische, klavierlastige romantische Ballade mit einem Schuss Drama und Gänsehautfeeling kommt.
Es bleibt bei den ruhigeren Tönen mit „The Golden Chamber“, einem sehr atmosphärischen, an Filmmusik erinnernden Stück, das textlich nur eine kurze Passage auf Finnisch bietet. Stilistisch fällt es etwas aus dem Kontext des Albums, ist aber sehr schön gemacht und zeigt etwas andere Seiten an TARJA. Leider reißt das folgende „Spirits Of The Sea“ den Hörer dann wieder aus dem Wohlgefühl, denn obwohl das Rockstück überraschend düster beginnt und sich in seinen finsteren Tönen im Verlauf weiter steigert findet sich hier wenig interessantes und es plätschert recht zäh vor sich hin.
„Silent Masquerade“ macht das zum Glück wieder wett mit seinen atmosphärischen, ausgefallenen Strukturen, die durchaus das Prog-Barometer anschlagen lassen. Unerwartet aber sehr gelungen! Auch Gastsänger Tommy Karevik (KAMELOT) fügt sich hier gut ein und harmoniert ganz wunderbar mit Tarja. Bloß das instrumentale Outro hätte kürzer sein können.
Die letzten beiden Stücke schlagen wieder düsterere Symphonic Metal Töne an. „Serene“ mit einem bombastischen Ohrwurm-Refrain, aber etwas drögen Strophen und „Shadow Play“ mit einem hingegen erschreckend unbombastischen Refrain, aber dafür sehr prominentem Soprangesang.

Insgesamt ist das Album sehr gefällig, sehr melodiös und durchaus poppig, wagt kaum Experimente und ist damit, was die Songs betrifft, einerseits etwas uninteressant und andererseits vermutlich genau richtig, eben weil es keinem wehtut. Gesanglich überrascht „In The Raw“ aber positiv, da TARJA hier erfrischend unaufgesetzt wirkt und nicht, als würde sie gegen viel zu gewaltige Instrumente ansingen. Vielleicht eben weil dieses Album weniger „episch-sinfonisch“, sondern etwas minimaler und rockiger ist. So klingt sie authentischer, graziler und einfach besser in Szene gesetzt.
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