50 Words for Snow

50 Words for Snow           Hot

Nico Steckelberg   20. November 2011  
50 Words for Snow

Musik

Interpret/Band
Label
Veröffentlichungs- Datum
02. Dezember 2011
Format
CD
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
10,0

Die Eskimos, so sagt man, hätten 50 verschiedene Wörter für Schnee. Daran hat sich vermutlich auch Kate Bush erinnert, als sie sich daran machte, dem Schnee ein Konzeptalbum zu widmen. Schon das Cover verrät, dass es um kleine Skurrilitäten geht. Eine Frau küsst innig einen Schneemann – auf einem Bild aus Schnee.

Schon das erste Lied „Snowflake“ bewegt mich stark. Es ist ein Spiegel für das gesamte Album: Leise gespieltes Piano mit ganz sanften Gesängen. Melodien, die hängen bleiben mit Texten, die den Hörer emotional berühren. Ein wenig jazzig vielleicht, ein bisschen Singer-Songwriter, ein kleines wenig Pop, aber doch alles in allem etwas völlig Eigenständiges, Großartiges. Die Kompositionen machen sich klein, entfalten sich aber bei genauerer Betrachtung zu kleinen Meisterwerken. Die Länge der Stücke, in denen sie sich selbst nur marginal melodisch weiterentwickeln, ist hier ausnahmsweise kein Manko, sondern eine Stärke. Die Wiederholungsschleifen wirken wie ein Sog, der eine hypnotische Wirkung auszuüben vermag.

Ich weiß nicht, welches Lied ich als besonderen Anspieltipp herausheben könnte. Es gibt keines. Man sollte das ganze Album hören. Und nicht nur kurz antesten, sondern komplett hören. Am besten in eine Wolldecke gehüllt und mit einem heißen Tee in der Hand.

Ich möchte dennoch drei Stücke herausheben:
„Snowed in at Wheeler Street“, ein Duett mit Elton John, das die Geschichte einer Liebesbeziehung über mehrere Generationen und über verschiedene Kontinente hinweg erzählt. Diese beiden Herzen finden immer wieder zu einander oder verpassen sich knapp. Rührend, und emotional stark vorgetragen, völlig ohne „Cheese“, aber mit viel Kraft.

„50 Words for Snow“ ist ein – ich kann es nicht anders bezeichnen – eher verspielt-humorvolles Stück, in dem Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry in der Rolle des Prof. Joseph Yupik es den Eskimos gleichtun soll und nach und nach 50 Wörter für Schnee aufzählt, darunter auch einige eher fremdartig klingende Variationen. Im Chorus angestachelt von Kate: „Come on Joe, just 22 to go, come on Joe, just 22 to go. Come on Joe, just you and the Eskimos, Come on now, just 22 to go.” Einfallsreich und einfach toll umgesetzt.

Und zuletzt möchte ich noch “Wild Man” hervorheben, das von einem Schneemenschen handelt, eine sehr leichten, rhythmische Strophe hat und sich im Chorus zu einem wahren Melodiefeuerwerk entfaltet. Und immer wieder diese intelligenten, zauberhaften Lyrics, von denen man nicht annehmen würde, dass sie gesungen gut klingen würden. Doch das tun sie, und wie! “We found your footprints in the snow. We brushed them all away. From the sherpas of Annapurna to the rinpoche of Qinghai. Shepherds from Mount Kailash to Himachal Pradesh found footprints in the snow.”

Neben Kates Band mit vielen Gast-Auftritten wie Sir Elton John, Stephen Fry, Albert McIntosh, Stefan Roberts, Michael Wood und Andy Fairweather Low. Dass die Dame sich nicht in Vordergrund spielt, macht sie sehr sympathisch. Weder stimmlich noch auf dem Papier: Sie nennt sich selbst meist zuletzt in den Credits und lässt gern auch anderen Stimmen den Vorrang.

Unterm Strich kann ich nicht anders als mich geschlagen geben: Das hier ist eines der schönsten Konzeptalben, das ich in den letzten zehn Jahren gehört habe. Es schafft den Balanceakt zwischen Schwere und Leichtigkeit und beweist, dass Kate Bush noch immer eine grandiose Komponistin ist. „50 Words for Snow“ erscheint am 02.12.2011. Am besten also sofort das Album kaufen um den ersten Schnee des Jahres passend musikalisch zu begrüßen.

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