In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli

In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli Hot

Alina Jensch   27. August 2019  
In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
23. August 2019
Format
  • CD
  • Download
  • Vinyl
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
7,0

Ich dachte ja, ich hätte schon viel Ungewöhnliches gehört. Aber Azteken-Metal? Da stoße ich definitiv auf vollkommenes Neuland.
CEMICAN nennt sich das Sextett aus dem zentralmexikanischen Guadalajara, wurde 2006 gegründet, und veröffentlicht nun mit „In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli“ ihr drittes Album – jedoch ihr erstes bei einem Label. Band- und Albumname sind in Nahuatl, der vorspanischen Sprache die von den Azteken gesprochen wurde und als meistgesprochene indigene Sprache Mittelamerikas noch heute lebendig ist.

Außer der Sprache, die auch in den Songtexten immer wieder Verwendung findet, bedienen sich CEMICAN aber auch traditionellen, vorspanischen Instrumenten (dem Klang nach handelt es sich dabei um Percussions und diverse Blasinstrumente) und inhaltlich der aztekischen Mythologie und Legenden. Hier sei angemerkt, dass sich des Inhalts nur Leute mit Spanischkenntnissen (und am besten Nahuatl gleich dazu) erfreuen können.

Musikalisch kann aber natürlich jeder auf seine Kosten kommen: Den abenteuerlustigen Hörer erwartet ein grooviges Death-/Thrash-Metal-Gerüst mit aztekischer Folk-Verkleidung. Oftmals kämpft Folk Metal mit dem Problem, dass nach Subtraktion des „Folk Parts“ nicht mehr viel Gutes übrigbleiben würde. „In Ohtli Teoyohtica In Miquiztli“ muss sich da aber nicht verstecken: Solide Growls, fette Gitarren, finstere Chöre und abwechslungsreiches Songwriting machen deutlich, dass CEMICAN mehr kann als Gimmicks.

Zugegebenermaßen wirken die vorspanische Instrumentalisierung, insbesondere die Flöten, und Disharmonien zu Beginn etwas konfus und seltsam, man gewöhnt sich allerdings daran. Neben den düsteren, flotteren Songs, die den Hauptteil des Albums ausmachen, finden sich auch ein melancholischeres Stück mit weiblichem Gastgesang („Luna Desmembrada“), ein atmosphärisches instrumentales Akustikstück („Atemaxaque“) und eine waschechte Ballade mit Clean-Gesang („Diosa De Todos Los Dioses“).
Absolutes Highlight des Albums ist für mich jedoch „Itlach In Mictlantecuhtli“, ein ansteckendes Headbang-Brett ganz in aztekischer Sprache. 

Insgesamt ein cooles, gut einstündiges Album mit Exotikcharakter! Wer auf innovativen Folk Metal steht sollte unbedingt reinhören! 
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