Drei Deita

Drei Deita           Hot

Nico Steckelberg   03. November 2019  
Drei Deita

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
10,0

Du erklimmst einen Berg. Kein Mensch weit und breit. Du erreichst die Baumgrenze und damit den letzten Schutz vor dem seit Stunden ununterbrochen fallenden Schnee. Es ist still hier oben, dunkel und kalt. Und doch hält dich die Erinnerung an das prasselnde Kaminfeuer daheim innerlich warm, während die dichte, weiße Decke unter deinen Schuhsohlen knirscht und der scharfe Wind dir die Schneekristalle um die Nase bläst.

So ungefähr fühlt es sich an, wenn man zum ersten Mal „Drei Deita“ hört. Das Album des österreichischen Todes-Metallers Christian Höll alias „Vinsta“ ist etwas sehr Besonderes. Es ist allen anderen Attributen voran sehr überraschend und frisch. Etwas Vergleichbares hat man selten zuvor gehört. Zu einem ansprechenden Todesgeriffe mit progressiven Ausläufern und den typischen Growls mischen sich alsbald sehnsüchtige Melodien und Vocallines in österreichischer Mundart, die an folkloristische Liedermacher-Stücke erinnern. Zwischen klassischem Metal-Sound und akustischem Songwriting wechselt Höll gekonnt übergangslos. Verträumte Chöre treffen auf Akkordeon, dann wieder verzerrte Gitarren und heavy Drums. Unterstützt wird Höll von Monika Hahn, die ebenfalls Vocals und ihre Violinenklänge beisteuert. 

„Drei Deita“ ist das erste Metal-Album, das gewiss auch Weltmusik-Freunden gefallen könnte.
Jedes einzelne Stück des Albums klingt einerseits geheimnisvoll und doch sehr vertraut. Selbst ein gelegentliches Jodeln wirkt nicht ansatzweise befremdlich oder peinlich – es ist natürlich und wahnsinnig schön. 
Einen konkreten Anspieltipp möchte ich ganz bewusst nicht benennen, da jeder der Songs es wert ist, gehört zu werden. Allerdings bitte nicht stückweise. Es gibt immer wieder Entwicklungen, Spannungsbögen und musikalische Überraschungen. 

„Vinsta“ haben hier ein Album kreiert, das die Bezeichnung „Album“ verdient. Seit langem mal wieder eine Songsammlung, die gemeinsam und in Summe gesehen noch mehr Sinn ergibt als die einzelnen Stücke. Und die allein haben es bereits in sich. Hörtipp! 
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