Unarmed Hot

Markus Skroch   04. Februar 2010  
Unarmed

Musik

Interpret/Band
Unter-Genre
Label
Veröffentlichungs- Datum
29. Januar 2010
Format
CD
Anzahl Medien
1

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
8,0

Pünktlich zum 25. Bandjubiläum zeigen sich Helloween ihrer schärfsten Waffe, der verzerrten Gitarre, beraubt. "Unarmed" ist ein etwas anderes Best-Of-Album, denn die Band hat hier 11 Klassiker komplett neu arrangiert und eingespielt. Die Musikstile schwanken dabei zwischen orchestral, akustisch, poppig chillig und skamäßig. Ein bisschen zu vergleichen mit "The Forgotten Tales", dem Album, das Blind Guardian 1996 veröffentlichten.

Ich bin selbst, wie wahrscheinlich viele andere Metalfans auch, großer Fan der beiden "Keeper of the Seven Keys"-Alben, die Helloween Ende der 1980er Jahre mit großem Erfolg veröffentlichten. Kein Wunder also, dass sich auf "Unarmed" gleich 6 Songs von diesen beiden Alben befinden. Dabei schwankt mein Wohlgefallen zwischen "genial" und "was sollte das denn?".

Gleich der erste Track "Dr. Stein" verlangt dem Helloween-Fan viel Toleranz ab, denn das poppige Bläserarrangement ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Nach einigen Durchläufen kann man sich aber durchaus daran gewöhnen, finde ich.

"Future World" kommt in einer schwungvollen Unplugged-Fassung daher, die eigentlich ebenso gut wie das Original ist.

"If I could Fly" und "Where the Rain grows" sind zwei mir bisher unbekannte Stücke, die mir mit ihrer poppigen Art aber sehr gut gefallen.

Bei Track 5 sind wir dann bei dem ersten Highlight der CD, einem 17-minütigen Medley aus "Halloween/Keeper of the 7 Keys/The King for a 1000 years" namens "The Keeper's Trilogy". Hier wird mit einem ausgefeilten Orchesterarrangement mächtig Spannung erzeugt. Klingt nach einer Menge Arbeit, und diese hat sich wirklich gelohnt!!

Danach gibt es eine Version von "Eagle Fly Free", die ich hingegen als überflüssig empfinde, weil die tollen Harmonien des Originals hier zum schlechten verändert wurden, und mir auch der weibliche Gastgesang nicht sonderlich zusagt.

Danach geht's weiter mit einem soliden "Perfect Gentleman" und einer gefühlvollen Pianoballade "Forever & One", die wirklich wunderschön ist.

Nach dieser schönen Verschnaufpause werden die Nerven wieder mit einer gewöhnungsbedürftigen Version vom Klassiker "I want out" strapaziert. Sagt mir nicht zu.

Chillig und leicht elektronisch wird's dann bei "Fallen to pieces", das man sich in dieser Fassung sehr gut im Radio vorstellen könnte. Ich würde mich jedenfalls freuen, sowas mal zu hören.

Bis zum Schluss haben sich die 5 Herren dann noch ein richtiges Glanzstück aufbewahrt. Die Ballade "A Tale that wasn't right". Hier muss ich wirklich sagen, dass dieses orchestrale Arrangement dem Song besser steht als das originale. Ein beeindruckender Ausklang dieser Reise durch 25 Jahre Helloween.

Ein Gedanke, der aber das ganze Album lang über in meinem Hinterkopf schwebt, ist, wie sehr ich den ehemaligen Sänger Michael Kiske vermisse. Klar, ist Andi Deris ein Super-Sänger, aber Michael Kiske war einfach Weltklasse, und man kann eigentlich nur verlieren, wenn man seinen Platz einnimmt. Trotzdem geht ein ganz großes Kompliment and Andi Deris für seine Version von "A Tale that wasn't right"

Fazit: Man muss erwähnen, dass nicht jede Metalband so viel Kreativität besitzt, sich in derart verschieden Musikstilen zu verwirklichen. Dennoch ein ungewöhnliches Jubliäumsalbum, das bei Fans bestimmt zu großen Diskussionen führen wird.

Anspieltipps: "A Tale that wasn't right", "The Keeper's Trilogy"

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