VIII - Nachtblume Hot

Nico Steckelberg   04. März 2018  
VIII - Nachtblume

Musik

Interpret/Band
Label
Veröffentlichungs- Datum
09. März 2018
Format
CD
Anzahl Medien
1

Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
7,0

Ganz still und unaufgeregt kommen Qntal nach 4-jähriger Pause auf die Bühnen des Landes zurück, mit ihrem neuen Album „Nachtblume“. Nächtlich ist vor allem die Stimmung der Stücke. Sigrid „Syrah“ Hausens Stimme ist so prägnant wie wie eh und je und bietet den größtmöglichen Wiedererkennungswert. Unterstützt wird sie teilweise von Michael Popp, der insbesondere dem zweiten Song „Die finstere Nacht“ hierdurch einen deutlichen Gothic-Stempel aufsetzt. 

Wenn wir schon bei „Die finstere Nacht“ sind: Dieses Stück ist im Allgemeinen ein Paradebeispiel für das neue Album. Es pendelt zwischen klassischem Qntal-Sound und Experimenten, in diesem Fall ist jedoch weniger der männliche Gesang das Experiment, als vielmehr die extrem poppige Produktion von Leon Rodt, die – über die Grenzen des frühen Avant-Garde der Band hinaus – „voll auf die Fresse tanzbar“ ist. Das muss man natürlich mögen. Denkbar, dass die frühen Hörer der Band hier eher ihre Anpassungsschwierigkeit haben. Uncharmant ist der Song deshalb nicht.

Doch so viel sei gesagt, „Nachtblume“ entwickelt sich in verschiedene Richtungen und ist insgesamt dezenter, als es die ersten Hörminuten andeuten mögen. Es gibt Dance-Ausreißer wie „Chint“ oder „A chantar“, die vor zeitgenössischem Beat nur so strotzen, aber auch zurückgenommene Electronica-Sounds, die dann schon eher in die Richung gehen, die man von Qntal erwarten würde. Denn der heutige Vorteil zeitgenössischer Rhythmik ist gleichzeitig ihr Nachteil: Werden diese Stücke von „Nachtblume“ auch in 5 oder 10 Jahren hörbar sein, oder sind sie für immer mit dem „2010er-Jahre“-Stempel versehen? Wir werden es herausfinden.

Qntal wandeln mit ihrem siebten Album wieder auf mehrsprachigen Spuren, ein Songtext wird von Fantasy-Autor Markus Heitz beigesteuert. Als Anspieltipps möchte ich zum einen das „Minnelied“ nennen, das Pate steht für die klassische Mittelalter-Elektronik, zum anderen „Echo“ als ein wundervoll melodisches Bindeglied zu früheren Qntal-Alben und gern auch „Die finstere Nacht“, um einen Eindruck zu vermitteln, in welche Richtung die „Nachtblume“ auch gehen kann. Den Link zum frühen Bandsound à la Ernst Horn, den insbesondere Fil Groth noch auf dem „Translucida“-Album mit seiner Produktion herstellen konnte, verfolgt „Nachtblume“ ganz bewusst nicht mehr. Die Frage ist, was sich in Zukunft als Qntals neues „USP“ herauskristallisieren wird.

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