Negative Capability

Negative Capability

Nico Steckelberg   28. Oktober 2018  
Negative Capability

Musik

Interpret/Band
Label
Veröffentlichungs- Datum
02. November 2018
Format
CD
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
9,0

Es gibt wenige Künstler, deren Lebensweisheit und Erfahrungsschatz du allein durch die Betonung ihrer Stimme spürst. Und das waren nicht alles positive Erfahrungen, auch das nimmst du wahr. Johnny Cash war einer von ihnen, Leonard Cohen auch. Sogar Nick Cave darf man hier aufzählen.

Und eben sie: Die Grande Dame der Tragik, Marianne Faithfull. Sie hat schon so manche Lebenskrise überstanden: Heroin, Krebs, Mick Jagger. Nach dem großen Absturz in den Sechzigern gelang ihr in den Seventies ein Comeback. Seither arbeitet sie mit viel Offenheit und Neugier mit jungen und alten Künstlern zusammen, probiert sich aus, lässt sich in die Kunst fallen und geht darin auf.

Ihr neues Album heißt „Negative Capability“ und ist geprägt von Reife, Ruhe und innerem Frieden. Nein, die Probleme werden nicht verschwiegen oder wären gar verschwunden. Sie sind da, und sie werden akzeptiert. Und doch geht das Leben weiter. Das ist das Kerngefühl, das dieses Album vermittelt. Mit Co-Kompositionen von Ed Harcourt, Mark Lanegan und bereits oben genannten Nick Cave. Produziert wurde es von Rob Ellis (bekannt durch seine Kooperation mit PJ Harvey) und „Bad Seeds“-Mitglied Warren Ellis.

Es ist ein schönes Album für den Herbst. Melancholisch ja, aber es zieht dich nicht runter. Es macht Mut, aber ohne dabei überschwänglich zu sein. Und über allem schwebt die raue, erzählerische Stimme von Marianne Faithfull mit all den hörbaren Kerben, die das Leben in sie eingeschlagen hat. 
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