Equinoxe Infinity

Nico Steckelberg   04. November 2018  
Equinoxe Infinity

Musik

Interpret/Band
Veröffentlichungs- Datum
16. November 2018
Format
  • CD
  • Download
Anzahl Medien
1
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Hörspiegel-Meinung

Gesamtwertung 
 
9,0

Jean-Michel Jarre ist ein Mann des großen Outputs. In den vergangenen Jahren war er so kreativ und musikalisch ertragreich wie selten zuvor. Nachdem er neue Soundscapes im Netzwerk mit anderen Electronica-Künstlern auf seinen „Electronica“-Alben komponiert, sein Durchbruch-Album „Oxygene“ noch einmal „revisited“ und kürzlich das Opening des Coachella Musikfestivals gestaltet hat, kehrt Jarre erneut zurück in seine eigene Vergangenheit.

Das ursprüngliche Instrumental-Album „Equinoxe“ erschien im Dezember 1978 und weist aus heutiger Sicht eine interessante Gesellschaftsprognose aus: Die vielen „Watchers“ auf dem Cover mochten 1978 noch keine allzu metaphorische Aussage haben. Heute in Zeiten von Big Data, NSA und Vorratsdatenspeicherung stehen sie mahnend für eine Gesellschaft, die durch Datenmissbrauch und die Verletzung der Privatsphäre durch Konzerne und Regierungen steht. Ein Thema, das Jarre bewegt, wie man an seiner früheren Kollaboration mit Edward Snowden unschwer erkennen konnte. 

Nun kehrt Jarre zurück zu „Equinoxe“ und veröffentlicht das Album „Equinoxe Infinity“, nahezu 30 Jahre nach dem Releasedate des ersten „Equinoxe-Albums“. Die Titel lassen erahnen, dass der thematische Eindruck des Coverdesigns nicht trügt: „Robots don’t cry (movement 3)“, „All that you leave behind (movement 4)“ oder „Machines are learning (movement 7)“ sprechen eine deutliche Sprache.

Es ist schön, wahrzunehmen, dass sich der Altmeister der Elektronik wieder zunehmend auf Melodien statt auf Sequenzen konzentriert. Das Album besteht aus 10 so genannten „Movements“, also einzelnen, abgeschlossenen Stücken, die von unterschiedlicher Atmosphäre sind. Da sind ruhige Soundscapes, aber auch die sehr erzählerisch komponierten Tracks mit Groove und Beat. „Infinity (movement 6)“ ist zum Beispiel so eines, das sofort hängen bleibt. Man möchte dazu am liebsten ein AMIGA 500-Jump ‘n Run-Spiel zocken. Außerdem gibt es eine deutliche melodische Anlehnung an den damaligen Smash-Hit „Equinoxe, Pt. 5“.  Mit „The Opening (movement 8)“ findet Jarre dann auf diesem Album noch eine würdige Song-Heimat für sein epochales Coachella-Opening.

Mit „Equinoxe Infintiy“ bekommt Jean-Michel Jarre den Spagat zwischen Moderne und Vergangenheit mühelos hin. Seite früheren Hörer dürften davon sehr angetan sein. 
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