NOBODY KNOWS: 'Vergesst eine Nacht euren Alltag und tanzt und singt mit uns!'

NOBODY KNOWS: 'Vergesst eine Nacht euren Alltag und tanzt und singt mit uns!' Hot

Michael Brinkschulte   04. Juli 2010  
NOBODY KNOWS: 'Vergesst eine Nacht euren Alltag und tanzt und singt mit uns!'

Interview

Einleitung
Die Band, die diesmal die Fragen des Hörspiegels beantwortet, kommt aus Stendal und hat sowohl in ihrer Heimatstadt als auch darüber hinaus schon einige Preise abgeräumt. Nachdem der Hörspiegel das aktuelle Album „We folk You“ von Nobody Knows vorgestellt hatte, bekamen wir die Möglichkeit eines Interviews, bei dem, dank der guten Organisation von Max, die komplette Band Rede und Antwort stand. Damit unsere Leser die Namen der Bandmitglieder im Interview auch den Funktionen in der Band zuordnen können, hier die Aufstellung mit allen Namen, dabei natürlich die einzige Dame im Feld an erster Stelle: Jule Seyer (Schlagzeug, Cajon, Gesang) Maxx Heinrichs (Klavier, Keys, Bass, Gesang) Max Heckel (Gitarre, Gesang, Geige, Mandoline) Georg Marth (Geige Gesang) Ein aktuelles Video der Band ist unter folgendem Link zu finden: http://www.youtube.com/watch?v=tg2bqe3TIX0&feature=related
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Das Interview

Hörspiegel: Ein fröhliches „Hallo“ an Nobody Knows und schon jetzt ein Dankeschön für die Beantwortung der Fragen des Hörspiegel!
Nobody Knows besteht aus vier Musikern. Wie habt Ihr Euch kennengelernt und wie kam es zur Gründung der Band?

Max: Die gute, alte Frage nach Gründung und Zusammenkunft. Von unserer musikalischen Vorbelastung seitens unserer Eltern mal abgesehen, war der Hauptgrund für das gemeinsame Muszieren, dass die Reaktionen in der Musikschule auf ein Stück, das man zuvor zumeist ein halbes Jahr einstudierte, immer sehr verhalten war. Im Orchester, in dem wir alle gemeinsam waren, haben wir dann ein paar Fiddlestücke von mir gespielt und so kamen nach und nach alle Mitglieder.

Jule: Wobei man betonen muss, dass du unser Urgestein bist. Nobody Knows gibt es seit über neun Jahren – jedenfalls mit Max. Aber in der Besetzung erst seit sechs oder sieben.

Maxx: Ich denke, es müssten mittlerweile sieben sein! Wie dem auch sei. Ich denke, dass der Spaß an einfacher Musik, die man aus dem Stegreif zusammen machen kann, einer der Hauptgründe für unsere Gründung ist.

Max: Und außerdem war es echt hip, auf der Geige mal was nicht-Klassisches zu spielen.

Georg: Demnach ist also der Grund unseres Bestehens gleichsam Ausdruck unserer Unzufriedenheit mit dem Grund: die Starrheit der klassischen Ausbildung.

Maxx: Obschon genau die uns bis heute sehr oft weiterhilft!

Hörspiegel: Auf Eurem Album „we folk you“ sind viele Texte und Melodien aus traditionellen Quellen oder von bekannten Dichtern in Bearbeitung. Welche Vorgehensweise legt Ihr an, wenn es darum geht Songs für ein Album auszuwählen?

Max: Gefälligkeit! Ja, das Hauptauswahlkriterium ist wohl das Wohlgefallen, das wir beim Hören des Liedes empfinden. Wenn’s uns nicht passt, dann machen wir’s passender.

Jule: Und wichtig ist außerdem, wie das Stück live ankommt. Viele Leute kamen nach den Auftritten zu uns und haben gefragt: „Habt ihr Bella Ciao auf CD? Oder Katjuscha?“ Na und da bleibt ja dann fast keine Wahl, wenn man seine, sagen wir, Fans nicht enttäuschen will.

Maxx: Neben der sogenannten Gefälligkeit ist wohl die Publikumsresonanz das entscheidende Kriterium für unsere Titelauswahl. „Brahms“ beispielsweise haben wir mehr oder weniger mehr aus Jux für uns aufgenommen, aber der Großteil der Stücke muss ja auch unserem Live-Programm entsprechen. Und da reagieren wir ja immer auf die Leute, die mit uns tanzen und singen – und das kann man bekanntlich
zu „Klassikern“ wie Jule sie bereits nannte.

Hörspiegel: Hat es eine bestimmet Bewandtnis, dass Ihr weitgehend auf Eigenkompositionen bzw. eigene Texte verzichtet?

Georg: Oha, heikles Thema.

Maxx: Ja, das ist es. Der Hauptgrund, warum wir viel interpretieren und eher wenig (besonders im Textbereich) selber machen, ist einfach, dass wir keine Zeit haben.

Jule: Eigentlich sind wir alle aus Stendal, aber durchs Studium sind wir nun alle in anderen Städten. Max ist in Halle …

Max: Jule in Rostock, Maxx bald in Braunschweig und Georg in Magdeburg.

Maxx: Jedenfalls kommen wir immer nur am Wochenende zusammen und haben da eigentlich immer ein bis zwei Auftritte. Und wenn der Sonntag dann mal frei ist, ist es bisweilen auch mal schön, nichts zu machen.

Georg: Es hapert also nicht an der Lust oder am Unvermögen, aber wir haben einfach zu wenig Zeit, uns zusammenzusetzen und kreativ tätig zu werden. Im letzten Jahr waren wir anderthalb Monate im Studio, dieses Jahr arbeiten wir schon wieder an einigen Projekten.

Jule: Aber in den letzten Proben haben wir endlich ein paar neue eigene Sachen gemacht. Wir lehnen es also nicht ab, was Eigenes zu machen, können aber nur in dem Maße arbeiten, wie wir zeitlich zueinander kommen.

Max: Und manchmal ist es einfach nicht schlecht, an einem Probetermin lieber baden zu fahren – oder so.

Hörspiegel: Musik ist immer ein gutes Medium, um Inhalte zu transportieren. Welche Botschaft steckt in Eurer Musik und was möchtet Ihr der Hörerschaft mitteilen?

Georg: Spaß!

Max: Genau: Vergesst eine Nacht euren Alltag und tanzt und singt mit uns. Ich denke, das ist schon ne ganze Menge.

Maxx: Ja, in diesem Sinne haben wir keine „Message“ bis auf das, was grade gesagt wurde. Wir sind keine politische Band, lehnen rechtsradikale Inhalte natürlich ab, aber im Folk hat das nicht die Relevanz.

Max: Wenn es die Leute also schaffen, nicht erst nach dem zehnten Bier auf die Bühne zu kommen und mit uns zu feiern, dann hat unsere Nachricht voll eingeschlagen.

Hörspiegel: Der von euch gespielte Folk ist sicherlich auch live ein Erlebnis. Wie wichtig sind Euch Live-Auftritte und welchen Stellenwert nehmen Live-Shows im Vergleich mit der Produktion einer CD ein?

Jule: Oh Mann, was für eine Mamutfrage. Live ist natürlich toll, dass man immer gleich merkt, was die Leute von dem Lied halten. Dass die Leute mitmachen und dass ich in freudige Gesichter gucken kann.

Maxx: Der Vorteil bei einer CD-Produktion ist aber, dass man auf einer CD umsetzen kann, was wir live nicht leisten können. Das heißt: Es gibt immer wieder Lieder, da hätten wir gern noch etwas Percussion mit dabei oder ein sechstes Instrument. Auf CD ist das alles kein Problem, live aber schon. Wenn ich live aber zwischen zwei Instrumenten wechsele (auf dem Keyboard), dann brauchen wir immer einen sehr
guten Techniker, der sofort reagiert, die Lautstärken anpasst, usw. Wenn aber kein guter Techniker da ist, dann haut das leider nicht so hin.

Georg: Außerdem kann man bei einer CD-Produktion vielmehr Aufmerksamkeit auf die Details legen. Bei „Galway Piper“ haben wir bspw. viele unterschiedliche Gongs probiert, um einen großes Crescendo zu erzeugen.

Max: Da muss ich aber auch ganz pragmatisch intervenieren. Unsere Auftritte sind aber auch einfach eine Quelle zur Finanzierung. Keine Band kann anderthalb Monate ins Studio fahren, wenn sie das nicht finanzieren kann. Tut mir leid, aber das gehört einfach mit dazu.

Maxx: Aber, um nochmal weniger parktisch zurückzukommen, die Arbeit an einer CD bietet auch den Vorteil, dass man alte live-Fehler ausmerzen kann. Zu den neuen Impulsen kommt also der Umstand, dass man seine Qualität nicht unerheblich steigern kann, weil man im Studio einfach nicht durch Charme und Witze -

Max: Danke Maxx -

Maxx: einfach alles überspielen kann, was nicht klappt. Bei einer Aufnahme muss es eben sitzen.

Jule: Und so steigert die Arbeit im Studio letztlich auch unsere Live-Qualität. Ende gut, alles gut.

Hörspiegel: Ihr habt einige Preise mit Eurer Musik abgeräumt. Gibt es eine Auszeichnung, die Euch dabei besonders wichtig ist?

Jule: Auf jeden Fall die Kulturpreise unserer Heimatstadt. Wir haben hier als „Kinder“ angefangen und sind mittlerweile fester Bestandteil der Kultur bei uns. Das war echt ein bisschen rührend.

Maxx: Ich fand die Nominierung zum JugendKulturPreis des Landes Sachsen-Anhalt erstaunlich. Mal sehen, ob wir es vielleicht dieses Jahr schaffen.

Max: Ansonsten sind „einige Preise“ natürlich eine recht weite Formulierung. Die deutschlandweiten Folkpreise sind allesamt recht elitär. Bei solch hochkarätiger Besetzung haben wir einfach keine Chance.

Jule: Der Bionade-Kasten der Cobblestones zu unserem Weihnachtskonzert war die schönste Auszeichnung.

Georg: Für unsere Freundschaft – und die wundervollen durchtanzten Nächte.

Max: Definitiv! Das war der schönste Preis!

Hörsiegel: Menschen haben immer gewisse Ziele. Wo liegen die Ziele von Nobody Knows für die nächsten Jahre?

Max: Festivals. Ich will auf Festivals. Da tanzen und feiern die Leute, ohne das obligatorische Vorheizen durch Gärprodukte.

Maxx: Ich würde gern mehr musikalische Details in unsere Musik integrieren. Und unseren eigenen Stil noch deutlicher rausarbeiten. Ich denke, momentan sind wir auf einem guten Weg – Richtung „markante Marke“. Wenn wir das weiterhin umsetzen, dann bin ich schon zufrieden.

Jule: Genau, und einen Erkennungswert schaffen, der den Leuten im Ohr festsitzt.

Max: Und außerdem wäre es super, wenn wir später mal von der Musik leben könnten. Das wäre echt der Hammer.

Maxx: Aber momentan bleiben wir doch lieber bei dem Umsetzungen unseres Stils.

Hörspiegel: Die Frage nach musikalischen Vorbildern gehört zum Standard. Daher möchte ich sie etwas erweitern: Mit welchen Musikern / Bands würdet Ihr gern einmal gemeinsam auf der Bühne stehen bzw. gemeinsam etwas produzieren?

Jule: Oysterband wäre großartig.

Maxx: Schandmaul vielleicht?!

Max: Und Fiddlers Green unbedingt.

Maxx: Naja …

Max: Oder Helge (Schneider) –

Maxx: Oder Udo Lindenberg

Max: Wir haben versucht, ihn als Gastmusiker für eine Neuvertonung unserer Erlkönigversion zu gewinnen – leider ohne Erfolg.

Jule: Udo wäre echt klasse. Aber vielleicht sagt Helge noch zu!

Max: Ich denke, die Vorbilder sind einfach zu zahlreich um sie hier alle unterzubringen. Aber die Auswahl ist, denke ich, schon repräsentativ, insbesondere, was den Ernst unserer musischen Mission angeht.

Maxx: ,Spinner,

Hörspiegel: Die Gestaltung von Cover und Booklet von „we folk you“ fällt positiv ins Auge. Wer ist für diese verantwortlich?

Georg: Wir haben bei bisher jedem Cover versucht, etwas Charakterisches aus dem Hüllsel herauszuholen.

Maxx: Ich mag diese „Standardcover“ nicht, bei denen man ein nettes Foto sieht, auf dem dann Titel und Band stehen und das war’s einfach. Ich denke, wenn schon Cover, dann richtig.

Max: Die Idee zu dem Cover kam mir, als ich das amerikanische Propagandaplakat „I need you for US army“ sah. Wir wollten dieses Motiv karikieren und unser Hauptziel ansprechend verpacken.

Jule: Das heißt: Lasst euch folken, dann wir alles gut.

Maxx: Und das Ganze dann noch dreist verpackt.

Georg: Aber die eigentlich Frage war doch, wer das Cover gemacht hat. Über zehn Ecken haben wir Micha Zimmermann kennengelernt. Er hat uns alles in unendlicher Detailarbeit und extrem hohen Arbeitsaufwand gestaltet. Also unbedingt bei ihm vorbeischauen: www.atrium-z.net!

Max: Und das Erstaunliche ist eigentlich, dass die Erarbeitung immer nur via Mail erfolgte. D.h. er hat gezeichnet und wir haben „gemeckert“. Er hat korrigiert, wir haben gemeckert und irgendwann hat er diese großartige Leistung komplettiert. Vielen Dank ihm!

Hörspiegel: Musik hat in den letzten Jahren immer unter dem Wertverlust von Tonträgern in den Köpfen der Generation-MP3 zu kämpfen. Wie steht Ihr dazu?

Maxx: Auf jeden Fall ist das ein zweischneidiges Thema.

Max: Die Musik verliert natürlich an – sagen wir – Exklusivität.

Maxx: Vielleicht auch Charme.

Jule: Aber es ist auf jeden Fall auch super, dass man auf diese Weise mehr Leute erreichen kann. Es ist doch super, dass wir CDs relativ erschwinglich produzieren können. So können mehr Leute CDs kaufen, weil sie einfach nicht so teuer sind.

Max: Ich denke, dass das Problem ist, dass die Musik somit ihres Werts enthoben wird. Bei Youtube kann man fast alles hören – wenn einem danach ist.

Maxx: Und um dem entgegenzuwirken, produzieren wir diesen Sommer eine
Single, die nur als Schallplatte zu haben sein wird! Aber wir wollen hier noch nicht zu viel verraten …

Hörspiegel: Welchen Stellenwert hat das Internet für Euch und Eure Musik. Ihr seid ja auf Myspace und mit einer eigenen Homepage vertreten?

Georg: Auf jeden Fall ist das Internet eine Superquelle für Veranstaltungen. Ein Großteil unserer Bewerbungen läuft übers Internet. In diesem Sinne ist also auch unsere Homepage eine Art Referenzsammlung.

Maxx: Außerdem bietet das Internet die Möglichkeit, kostenlose Werbung zu machen. Wir können viele erreichen ohne dass für sie oder uns Kosten entstehen.

Max: Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch viel Arbeit. Am Anfang hatten wir eine Internetseite …

Jule: dann Myspace, Twitter, StudiVZ und und und. Und alles will gepflegt werden.

Maxx: Also wie alles: Zwei Seiten, die beachtet werden wollen.

Hörspiegel: Abschließend noch die Möglichkeit auf Fragen zu antworten, die Ihr bei Interviews grundsätzlich vermisst habt:

Max: Habt ihr schon mal Fragen vermisst?

Maxx: Nein, mir fällt immer nur auf, wenn doofe Fragen gestellt werden, bei denen man merkt, dass dein Gegenüber eigentlich keine Ahnung von uns hat.

Jule: Auf jeden Fall würde ich gern noch anmerken, dass es toll wäre, wenn Folk mehr Beachtung im Radio erhielte. Das ist zwar keine Frage, aber ich wollte es trotzdem mal sagen.

Max

Vielen Dank jedenfalls an dich für die vielen Fragen. Die waren echt mal anders. Ansonsten bleiben die Fragen meist auf der Bandgeschichtsebene stehen. Es war also echt mal nett, etwas anderes ansprechen zu können.

Weblink

http://www.nobody-knows-stendal.de/

http://www.lyrik-im-anzug.de/
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