Förderschulklassenfahrt - Das pädagogisch wertvolle Eventhörspiel

Förderschulklassenfahrt - Das pädagogisch wertvolle Eventhörspiel Hot

Nico Steckelberg   09. März 2013  
Förderschulklassenfahrt - Das pädagogisch wertvolle Eventhörspiel

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Mit ihrem 65-minütigen Eventhörspiel "Förderschulklassenfahrt" nehmen Fernsehstar und Entertainmentguru Klaas Heufer-Umlauf und Comedytitan und Talklegende Jan Böhmermann ihre Zuhörer mit auf eine Reise in die schlecht beleuchteten Randbereiche des deutschen Bildungssystems. Erleben Sie die aufregende Klassenfahrt der 9c der Claudia-Nolte-Förderschule Vechta – aufgeschrieben, erzählt und gespielt von Deutschlands bekanntesten und beliebtesten Leistungsverweigerern!

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
9,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
8,4

Ethik und „Political Correctness“ sind totaaal wichtige Ansätze unseres modernen Schulwesens. Das Hörspiel „Förderschulklassenfahrt“ von Jan Böhmermann („Lukas‘ Tagebuch“) und Klaas Heufer-Umlauf („der eine von Joko und Klaas“) wird allerdings eher nicht davon tangiert. Es ist ein einziger unreifer Klamauk, der einfach nur zum Brüllen komisch ist, gerade weil er exzessiv mit Minderheitenwitzen, Klassendenken und Stereotypen arbeitet.

Schon der Anfang ist eher ein Intro: Im Radiomoderatorenstil kündigen die beiden Hauptakteure an, was gleich passieren wird. Ohne jegliche Ernsthaftigkeit. Und man neigt dazu, anzunehmen, dass das hier vielleicht auch ein Schuss in den Ofen werden könnte. Denn zu langes Herumlabern bevor es losgeht – das kennt man ja von DSDS – verheißt oft nichts Gutes, wenn es darum geht ordentlich abzuliefern. Als dann aber das Titellied erschallt und eindeutig an die alte TKKG-Openingmelodie von Carsten Bohn erinnert, horchen Hörspielfreunde auf.

Inhaltlich geht es um einen Ausflug einer nicht zu bändigenden Förderschulklasse. Und der Tod fährt ständig mit. Denn was hier an grobem Unfug, grober Fahrlässigkeit und grober Leberwurst zusammenkommt, ist schon bemerkenswert. Eine Mischung aus Jugenderinnerungen, Slapstick und rabenschwarzer Persiflage.

In jeweils einer Doppelrolle hören wir die Autoren, in einer weiteren Hauptrolle ist Lorielle London als Lehrerin zu hören. Sie macht das genial! Die Mischung aus vordergründiger Korrektheit, dem inneren Bedürfnis alles richtig zu machen und unbändigem Optimismus, dass selbst aus hoffnungslosen Schülern noch was werden kann, ist bemerkenswert echt. Hier haben wir einen echten Hörspielsprechergeheimtipp! Ebenso William Cohn als Erzähler hat mich vom Hocker gehauen. Seine trockene Art, schlüpfrige Sachverhalte mit dem Charme eines – tut mir leid, aber so wirkt es – „geilen alten Bocks“ darzustellen, erinnert mich an die Zwischenkommentare bei Little Britain. Absolute Granate als Sprecher!
Die Musik und Produktion stammt von Jan Böhmermann. Hier passt alles gut und harmonisch zusammen.

Fazit: Ich habe mich kaputt gelacht! Einleitung und Abgang sind mir zu lang, aber das eigentliche Hörspiel ist einfach nur zum Abrollen komisch. Das funktioniert aber nur solange der Hörer keinen Anstoß findet an Witzen über Menschen mit Behinderung, Migrationshintergrund, Aggressionpotenzial, soziokultureller Benachteiligung oder pädagogischer Ausbildung. Wer damit leben kann, der hat jede Menge Spaß. Politisch unkorrekten Spaß.

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