Jeder stirbt für sich allein

Jeder stirbt für sich allein Hot

Nico Steckelberg   22. Januar 2012  
Jeder stirbt für sich allein

Rückentext

Anna und Otto Quangel haben sich nie für Politik interessiert. Als ihr Sohn an der Front fällt, ändert sich ihre Haltung. In ihrer Verzweiflung entschließen sie sich, aktiv Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten. Auch wenn ihr Sohn dadurch nicht wieder lebendig wird, wollen sie andere vor dem gleichen Schicksal bewahren. Unermüdlich bedrucken sie Postkarten mit Hitler-feindlichen Botschaften und verteilen sie in der ganzen Stadt. Was können sie erreichen, ehe die Gestapo sie zu fassen kriegt? Falladas Roman nach einer wahren Begebenheit – jetzt als berührendes Hörspiel mit Star-Besetzung.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
10,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
3,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
8,0

Otto und Anna Quangel sind ganz normale Leute, die nicht viel für die große Politik übrig haben. Und mit dem Krieg verbindet sie nur ihr Sohn „Ottochen“, der „für den Führer“ an der Front kämpft. Und fällt. Der Brief über den Tod des Sohnes lässt das Ehepaar jedoch nicht in eine Depression stürzen, sondern lässt Widerstand aufkeimen. Viel können sie als kleine Leute nicht tun, aber auch die kleinsten Erfolge helfen dabei, das Volk von der Falschheit des Krieges und seiner Kriegsherren zu überzeugen. Und so machen sich die Quangels daran, Postkarten zu schreiben. „Mutter, der Führer hat mir meinen Sohn genommen.“ Schon bald ist ganz Berlin mit Postkarten mit ähnlichen Aussagen bestückt. In Hausfluren deponiert sollen sie die kritischen Gedanken der Menschen anregen. Doch schon bald ist die Gestapo auf den Spuren der Quangels. Und dem Ehepaar ist klar, dass früher oder später der Tag der Wahrheit kommen wird, an dem es auffliegen wird.

Hans Fallada beschreibt ein Berlin in einer dunklen Zeit der deutschen Geschichte. Menschen hassen sich gegenseitig oder verschließen die Augen, weil es sicherer ist. Andere wiederum bringen Unbeteiligte in Lebensgefahr um ihre eigene Haut zu retten. Und immer wieder die Willkür und Unberechenbarkeit der nationalsozialistischen Obrigkeit. Beklemmend!

Das Hörspiel zum Roman entstand 1986 und wurde für den Rundfunk der DDR produziert. Nun, 2011, wurde es in den Deutschen Rundfunk Archiven wieder entdeckt und vom Audioverlag auf Doppel-CD veröffentlicht.

Die Sprecher sind toll. Die bedrückende Stimmung wird vor allem durch die Hauptdarsteller Günter Naumann und Gudrun Ritter hervorragend übermittelt. Aber auch die weiteren zentralen Rollen wie die des Kommissars oder seines gewaltbereiten und sadistischen Vorgesetzten erzeugen eine durchweg unliebsame Stimmung.

Einzig der Soundtrack gefällt mir nicht. Die Umgebungsgeräusche sind oft steril bis nicht vorhanden, die Musik von Wolfgang Schoor kling schrill und schräg und besteht vor allem aus vereinzelten Bläsern und Schlagwerk ohne ansprechende Melodie. Klingt jedenfalls älter als das Entstehungsjahr vermuten ließe.

Hans Falladas Roman ist ein Meisterwerk des Widerstands. Das Hörspiel ist ebenso bedrückend wie die Romanvorlage.

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