Der kleine Bruder Hot

Nico Steckelberg   14. August 2009  
Der kleine Bruder

Rückentext

Wo ist Manni? Herr Lehmann, gerade frisch in Berlin angekommen, muss feststellen, dass sein großer Bruder verschwunden ist. Auch dessen Mitbewohner Karl weiß nicht, wo er ist, macht sich aber hilfsbereit mit auf die Suche. Die dauert länger als geplant, denn Karl weiht Herrn Lehmann erst einmal ins Kreuzberger Nachtleben ein. So nach und nach erfährt Herr Lehmann über seinen Bruder mehr als er eigentlich wissen wollte, nur nicht, wo er steckt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
6,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
8,0
Soundtrack 
 
10,0
Aufmachung 
 
6,0
Gesamtwertung 
 
8,0

Sie kennen doch Herrn Lehmann, oder? Die Kultfigur von Sven Regener, der das Berlin-Feeling der 80er-Jahre zum Leben erweckte? Sven Regener ist zurück, aber nicht Herr Lehmann. Sondern nur dessen kleiner Bruder. Frank Lehmann ist dieser kleine Bruder von Manfred Lehmann, oder Freddy, wie ihn hier jeder nennt. Zusammen mit Freddys Mitbewohnern macht sich Frank also auf die Suche nach seinem Bruder, aber offenbar scheint dessen Verschwinden niemanden so wirklich zu jucken. Und so bleibt Frank eine ganze Weile im Freundes- und Bekanntenkreis seines Bruders, um mal abzuwarten, oder der denn mal irgendwann zurück kommt. Und Frank lernt das freie aber gedankenschwere Leben der Berliner Möchtegern-Kunst-, Punk- und Avantgarde-Szene kennen.

„Der kleine Bruder“ ist eigentlich eine Wiedersehensgeschichte. Ein Wiedersehen mit alten Bekannten und auch mit alten Zeiten. Regisseur Sven Stricker inszeniert dieses kleine Stückchen Einblick in ein scheinbar niemals endendes Chaos-Leben wie bereits den ersten Teil von „Herrn Lehmann“: Mit authentischen Sounds und Atmos, guten Schauspielern und vor allem: Er setzt dieselben Sprecher für dieselben Rollen ein. Dadurch hat auch der Hörer das Wiedersehens-Erlebnis. Strickers Liebe zum Detail merkt man bis zum Schluss: Die an der Produktion Beteiligten werden nicht einfach nur vorgelesen, sie werden während eines Punksongs ins Mikro gebrüllt. Mehr zu erahnen als zu verstehen, aber genau das setzt dem Hörspiel die Krone auf. Da macht es nichts, dass inhaltlich hier nicht wirklich viel passiert. Atmosphäre, darauf kommt es hier an. Und die ist voll da. Und Humor: Unvergesslich ist das Telefonat mit der Mutter, bei dem die Mitbewohner zuhören. Zum Brüllen!

In der Hauptrolle des Frank Lehmann hören wir Florian Lukas, Florian von Manteuffel agiert als Erzähler und „Stromberg-Ernie“ Bjarne Mädel spricht den besten Kumpel Karl. Uwe Hügle tritt als Erwin in Szene und Friederike Kempter spielt die rotzfreche Punk-Göre Chrissie. Patrick Bach ist als durchgeknallter Kunst-Liebhaber H.R. zu hören. Etwas verwirrt war ich anfangs von der Ähnlichkeit der Stimmen (Erzähler, Franks Gedanken, Unterscheidung der Personen in Stimmengewirren), aber das legt sich mit der Zeit.

Fazit: Ein überaus kurzweiliges nostalgisches Hörspiel, das so ist wie das Leben. Unkompliziert und direkt auf der einen Seite, tiefgründig und philosophisch auf der anderen Seite.

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