Zwei Minuten Hot

Nico Steckelberg   08. Juni 2012  
Zwei Minuten

Rückentext

Ein gottesfürchtiger Mann wird kurz vor seinem Tod von seinem letzten Nachfahren hintergangen. Ein Agent des SIS infiltriert in Russland ein verstecktes Labor und wird Zeuge eines abscheulichen Menschen-Experiments. Eine junge Frau wird in ihrer Wohnung von unheimlichen Geräuschen gepeinigt. Eine Journalistin wird vor einer Vergeltung an der englischen Regierung gewarnt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
10,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
8,8

Oliver Döring kann es nicht lassen, er kommt einfach nicht von Action-Genre los. Und das … ist auch gut so!

Mit End of Time – „Zwei Minuten“ legt er den Auftakt zu einer ganz neuen Serie vor. Der Plot entwickelt sich erst im Laufe der zwei CDs. So gibt es mindestens drei Handlungsstränge, die der Hörer in kurzer Zeit hintereinander immer wieder abwechselnd zu hören bekommen, und die am Ende teilweise ineinander aufgehen, teilweise jedoch auch (noch) nicht.

Die Warnung zu Beginn des Hörspiels sollte ernst genommen werden. Es gibt in der Tat Schreckmomente im Hörspiel, bei denen die Stereoanlage nicht zu laut aufgedreht sein sollte. Entgegen der Anweisung habe ich mir das Hörspiel dennoch während der Autofahrt angehört. Wer allerdings zum schreckhaften Verreißen des Lenkrads neigt, der sollte sich bitte besser an die Anweisung halten.

Insgesamt wartet Döring vor allem mit einer gefühlten Hundertschaft bekannter Sprecher auf. Und auch bekannte Stimmen sind vor gewaltsamen Todesszenen nicht geschützt. In der Hauptrolle ist Torsten Michaelis zu hören – Klasse! Joachim Tennstedt gefällt mir auch hervorragend in seiner sich wechselnden Rolle zwischen pflichtbewusstem Polizist und sorgendem Ehemann. Katrin Fröhlich möchte ich noch hervorheben, und auch Dietmar Wunder als Drag-Queen Chantal hat sich eine Erwähnung verdient.

Die Story erinnert mich an eine Mischung aus Resident Evil (den Film), 24 (die Serie) und die Buchreihe Necroscope von Brian Lumley. Letzteres ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

Nicht nur auf Sprecherseite punktet Döring gewaltig, auch in Sachen Sounddesign geht es hier mächtig ab. Er will Bilder erzeugen, und das schafft er. Die Schnitte sind so angebracht, dass die Umgebungs-Atmos sich so schnell anpassen wie man das von Hollywood-Filmen kennt. Bestes Beispiel ist eine Auto-Verfolgungsjagd, die einmal aus der Sicht spielender Kinder und aus dem rasenden Auto heraus dargestellt wird. Schnitt für Schnitt aus unterschiedlichen Blickwinkeln – und das alles rein akustisch dargestellt. Trotzdem weiß der Hörer sofort, was er vor seinem inneren Auge sehen soll. Das ist schon richtig genial gemacht!

Allerdings: So viel Brutalität müsste meines Erachtens gar nicht sein, der Horror findet hier eher auf einer subtileren Ebene statt und bräuchte die leider schon fast obligatorischen Splatter-Sounds aus meiner Sicht nicht. Ich hoffe, dass sich die Story noch ordentlich weiter entwickelt. Das Potenzial ist da.

Fazit: Gelungener Auftakt, bitte mehr davon.

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