Pavor Hot

Nico Steckelberg   03. April 2011  
Pavor

Rückentext

Pavor ist nicht nur das lateinische Wort für Angst, es wird auch in der Psychiatrie für jene kindliche Art von Albträumen verwendet, aus denen man schweißgebadet und mit rasendem Puls aufwacht. Und rein zufällig heißt so das ukrainische Dorf, in dem unser Protagonist eine verdammt lange Nacht verbringt.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
9,0
Aufmachung 
 
6,0
Gesamtwertung 
 
8,0

Alexander lebt in Deutschland, nachdem er die Ukraine und seine Familie verlassen hat. Als sein Onkel Iwan stirbt, bittet seine Mutter Alexander, in die Heimat zurück zu kehren um an der Trauerfeier teilzunehmen. Das bereitet ihm Magenschmerzen, denn er hat keine positiven Erinnerungen an seine Kinder- und Jugendzeit. Und zurecht: bei seiner Ankunft verhält sich seine Familie alles andere als familiär. Noch nicht einmal einen Schlafplatz hat man für ihn vorbereitet, so dass Alexander im Haus seines toten Onkels übernachten muss – in dem dieser noch aufgebahrt liegt. Eine schreckliche Nacht beginnt. Gespickt mit Alpträumen und schrecklichen Erinnerungsfetzen aus der Vergangenheit.

„Pavor“ ist ein Hörspiel aus der Feder von Florian Bald. Bald ist seines Zeichens übrigens auch Songwriter der deutschen Band „Mathilda“ (siehe auch Hörspiel-Review zum Album „Chanson Pop“). Sein Hörspiel ist ein klassisches Grusel-Hörspiel. Ein wenig erinnert es mich an die Erzählweise von H. P. Lovecraft, allerdings um einiges aufgepeppt durch cineastische Rückblenden. Die Kindheits-Szene erinnert ihrerseits wiederum an Gabriel Burns und insgesamt hat „Pavor“ eine ähnlich bedrückende Atmosphäre wie ich sie im Computer-Adventure „Dark Mirror“ empfunden habe. Das Coverlayout wird der düsteren Atmosphäre allerdings nicht gerecht.

Dass die Atmosphäre sehr dicht und düster ist, liegt vor allem an Oliver Rohrbecks Ich-Erzähler-Rolle. Er lest sehr melancholisch und unterstreicht den morbiden Charakter der Story. Sehr gut gefallen hat mir die Dialogszene zwischen Alexander und seiner Freundin, die über das Handy im weit entfernten Deutschland Alexanders Angst miterlebt und handlungsunfähig ist. Tolle Sequenz! Die anderen Sprecher agieren ebenfalls gut, etwas überspielt empfinde ich Margit Bendokat als Alexanders Mutter. Jürgen Thormann als Onkel Ivan ist so richtig beängstigend.

Der Soundtrack von Dirk Wilhelm erinnert mich ebenfalls an Computer-Adventure-Soundtracks, düster, klassisch instrumentiert und melancholisch. Passt hervorragend! Das Sounddesign von Tommi Schneefuß lässt keine Wünsche offen.

„Pavor“ ist ein gutes Psychothriller-Hörspiel mit Horror-Elementen, das lediglich durch die etwas schwache Auflösung an Schwung verliert. Empfehlenswert für Freunde von Gabriel Burns, H. P. Lovecraft und Gruselhörspielen im Allgemeinen.

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