Lazarus / Im Netz der Lügen

Lazarus / Im Netz der Lügen Hot

Nico Steckelberg   16. Mai 2009  
Lazarus / Im Netz der Lügen

Rückentext

Ein neuer deutscher Geheimdienst treibt unkontrolliert sein Unwesen. Das Streben nach der totalen Kontrolle wird bald unsere persönliche Freiheit auslöschen. Wollen wir das allsehende Auge in der Hand von gierigen Politikern wissen, oder tun wir endlich etwas gegen den Überwachungsstaat? Tolerieren wir eine kleine Abhörmaßnahme, folgt bald darauf der große Lauschangriff. Lassen wir nicht zu, dass sie unsere Demokratie zerstören. Wir müssen handeln!

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
5,0
Atmosphäre 
 
6,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
9,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
7,4

Nun hat es also auch „Offenbarung 23“ getroffen.

Was passieren kann, wenn sich Verlage, Autoren und Hörspiellabels streiten, haben wir in den letzten Jahren mit der Serie „Die drei ???“ erleben müssen. Die Bücher erschienen mehr oder weniger wie gewohnt, die Hörspiele wurden zunächst eingestellt. Danach wurden mehrere Spin-Off-Hörspielserien gestartet („Die Dr3i“ / „Die drei ???-Kids“). Der Vorteil: Die Charaktere blieben erhalten, wenn sich auch vieles änderte (neue Autoren, neuer Soundtrack, neues Layout, tlw. andere Sprecher).

Bei Offenbarung 23 erleben wir nun dasselbe Problem, das jedoch anders gelöst wurde. Jan Gaspard (Pseudonym), langjähriger Autor der Serie und Verschwörungstheoretiker, und Lübbe / LPL Records gehen seit der Folge 30 getrennte Wege. Dennoch bleibt der Serienname erhalten. Das Layout lässt in keinem Detail erkennen, dass sich etwas geändert hat. Lediglich der Leitspruch „Das Ende aller Lügen“ ersetzt das bekannte „Die Wahrheit ist unsterblich“. Wirft man einen Blick auf die Sprecherliste, so liest man nahezu ausschließlich alt-bekannte Namen, fast so als hätte sich nichts verändert. Aber: Die Charaktere sind völlig andere, der Plot ist grundverschieden. Leicht angepasst wurde auch das Titellied. Die „Stimme der Wahrheit“ zu Beginn einer jeden Folge ist ebenfalls verschwunden.

Offenbarung 23 ist nunmehr die vom „Erzähler“ Helmut Krauss erzählte Geschichte von Tom Baumann (David Nathan) und seinen Freunden Jürgen Schubert (Detlef Bierstedt), Florian Bogner (Dietmar Wunder) und Pia van Boysen (Marie Bierstedt). Sie befreien Tom aus einem Gehirnwäsche-Automaten (übrigens ganz im Stile von „Clockwork: Orange“) und müssen ihm erklären, wer er ist, wer sie sind und was sie machen. Ein etwas holpriger Einstieg in die neue Storyline von Label-Chef Lars Peter Lueg himself, und die Dialoge aus der Feder von Devon Richter und Nikola Frey schaffen es nicht, dies zu überbrücken. Andererseits: was will man machen? Irgendwie muss man ja auf den Reboot-Knopf drücken, oder die Serie wäre jäh zu Ende gewesen.

Allerdings ist sie das gewissermaßen auch. Denn T-Rex, Ian G., Nolo & Co. werden wir vermutlich nicht wieder hören. Und wo zuletzt große realitätsverbundene Verschwörungen wie der Untergang der MS Estonia oder 9/11 behandelt wurden, ist es in den ersten beiden Folgen des Neustarts (30 & 31) das Erkunden der neuen „Umwelt“ und das Kennenlernen einer fiktiven Geheimorganisation.

Man kann nur hoffen, dass der Bezug zu reellen Verschwörungstheorien wiederhergestellt bzw. stärker fokussiert wird. „Lazarus“ und „Im Netz der Lügen“ sind kein optimaler Start, aber noch ist die Serie nicht verloren. Man sollte auf jeden Fall einmal reinhören und sich ein eigenes Urteil bilden.

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