Paris Hot

Nico Steckelberg   31. Juli 2016  
Paris

Rückentext

Ein Foto. Aufgenommen in einem Vorort von Paris. Es zeigt die Front eines Hauses. Viele Balkone.
Auf einem davon steht "jemand" ... eine "Person" ... "etwas" ... aber was?
Friedrich von Gartner, einst Soldat der Schweizer Garde und mittlerweile selbstständig im Sicherheitsgeschäft tätig, erhält von seinem ehemaligen Arbeitgeber den Auftrag, herauszufinden, was dort zu sehen ist - nicht ahnend, dass damit eine Odyssee an die Grenze des Fassbaren beginnt.

Die neue Phantastik-Serie aus dem Hause IMAGA!

Frei nach einer Idee von Oliver Döring erschafft Marco Göllner mit "Fallen" den rauschhaften, bildgewaltigen Fiebertraum einer alternativen Version der Welt, die wir kennen. Dieses Hörspiel-Epos ist eine fesselnde Melange aus Horror, Fantasy, Thriller und Science Fiction. Selten war Hörspiel so aufregend neu.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
8,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
10,0
Aufmachung 
 
10,0
Gesamtwertung 
 
9,6

Es war ein wenig still um Marco Göllner, seit bekannt wurde, dass die Reihe Dorian Hunter künftig nicht mehr unter seiner Regie laufe und Zaubermond und der Hörspiel-Regisseur künftig getrennte Wege gingen. Wer aufmerksam die sozialen Medien verfolgte, ist über die Hintergründe umfassend informiert. Doch das ist Vergangenheit, zum Glück. Denn umso größer war der Jubel in Hörspiel-Deutschland, als bekannt wurde, dass Marco Göllner künftig für IMAGA produziert. 

Marco Göllners neue Serie heißt „Fallen“, und schon die erste Folge bringt den vollen Phantastik-Schub: Wir starten mit einem actionreichen Schwertkampf zwischen zwei Rivalen, dann eine kurze Titelmelodie und der Einstieg in einen zweiten Erzählstrang. Ein ehemaliger Schweizer Gardist erhält einen Auftrag des Vatikans: Herauszufinden, was es mit einer Fotoaufnahme auf sich hat, die in Paris aufgenommen wurde. Zeigt sie tatsächlich einen Engel?

Das alles scheint ein wenig in die Richtung von Hollywood-Filmen wie „Dogma“ oder „Constantine“, gepaart mit einer sehr spannenden Erzählweise im Stile eines Dan Brown. Die Spannungskurve steigt in der zweiten Hälfte bereits in luftige Höhen. Die Machart ist auch nicht so weit entfernt von Oliver Dörings „End of Time“. 

Dabei hilft nicht zuletzt der Bombast-Soundtrack, der viele Chor-Elemente und martialische Percussion verwendet, um mächtig Druck zu machen. Klar, auch E-Gitarren fehlen da nicht. Geil! Leider ist kein Komponist aufgeführt, was eher für eine Musikdatenbank spricht. Schmälert aber den überwältigenden Effekt nicht. 

Die Sprecher überzeugen komplett durch die Bank: Frank Röth in einer der Hauptrollen als Friedrich von Gartner, Peter Groeger als Kardinal (sehr stimmig besetzt!), viele Nebenrollen, die alle hochkarätig besetzt sind. Den Vogel schießt für mich jedoch Marco Göllners Tochter Lilli Martha König ab. Die Kleine wurde nicht deshalb besetzt, weil sie Papas Liebling ist (obwohl, bestimmt auch), sondern weil sie die creepigsten Kinder-Rollen seit der deutschen Synchronisation von Carol Ann in Poltergeist spricht. Bereits in  „Loreley“ hat sie uns das fürchten gelehrt, und hier gibt es eine Dialogszene zum Ende der Folge, die so markerschütternd beängstigend ist – wow!

Wenn dann – nach Story, Sprechern und Soundtrack – auch die Covergestaltung wie Arsch auf Eimer passt, was soll man dann noch mehr sagen? Wolfram Damerius‘ Illustration ist kraft- und stilvoll zugleich, mit deutlicher Aussagekraft. Ein absoluter Eyecatcher!

Fazit: Mehr davon! Schnell, bitte.
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